AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Tennis bei den US Open

Zverev und der „amerikanische Traum“ - Finale gegen US-Star

Alexander Zverev feiert seinen Finaleinzug.

Alexander Zverev feiert seinen Finaleinzug. Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Alexander Zverev gelingt der dritte Finaleinzug bei einem Grand-Slam-Turnier in Serie. In New York ist die Chance auf den Titel groß. Sein amerikanischer Rivale gibt sich aber unbeeindruckt.

Von Florian Lütticke, dpa 12.09.2026, 00:20 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

New York. Alexander Zverev geriet ins Schwärmen. Direkt nach dem Jubel über seinen Halbfinalsieg bei den US Open fieberte der 29-Jährige schon auf das stimmungsvolle Endspiel gegen einen Publikumsliebling hin. „Es wird unglaublich besonders“, sagte Zverev voller Vorfreude. Im Duell um den Titel trifft der French-Open-Sieger am Sonntag (20.00 Uhr deutscher Zeit/sporteurope.tv und Sky) auf US-Star Ben Shelton. „Hoffentlich kann ich dafür sorgen, dass der amerikanische Traum nicht wahr wird.“

Nervenstark hatte Zverev sich in seinem Halbfinale mit 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6) gegen den Russen Karen Chatschanow durchgesetzt und sein drittes Grand-Slam-Finale in Serie erreicht. Nach dem Triumph von Paris im Juni könnte der Hamburger nun seinen zweiten Titel bei einem der vier großen Turniere schaffen. 

„Einen zu gewinnen, war das ultimative Ziel, aber jetzt wollen wir mehr. Wir wollen Größeres erreichen“, kündigte Zverev an. Er kann als erster Deutscher seit Boris Becker 1989 den Titel von New York im Männer-Einzel holen.

Das ist Zverevs Finalgegner

Fünf Stunden nach Zverev folgte Shelton ins Finale am Sonntag (14.00 Uhr) im Arthur Ashe Stadium. Der 23-Jährige setzte sich im elektrisierenden Halbfinalduell mit seinem Landsmann Frances Tiafoe 4:6, 6:3, 6:3, 7:5 durch.
Für Shelton ist es das erste Finale bei einem Grand-Slam-Turnier in seiner Karriere. Er hatte im Viertelfinale in einer begeisternden Partie über fünf Sätze den Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus Spanien bezwungen. 

„Ich werde euch brauchen am Sonntag, um diese Energie zu bringen“, sagte der Weltranglistenneunte unter dem Jubel der Fans im Arthur Ashe Stadium. „Lasst uns dies für die USA tun.“ Zudem gedachte er in seinem Siegerinterview am 25. Jahrestag noch den Opfern des Terroranschlags vom 11. September 2001 und sprach emotional über den Tod der Mutter seines Vaters im aktuellen Jahr. „Das hier ist für sie.“

Das sagt Zverev über seinen Finalgegner

Zverev besitzt in Duellen mit Shelton eine makellose Bilanz von fünf Siegen aus fünf Spielen. Dabei gab der Hamburger insgesamt nur einen Satz ab. Das bislang letzte Duell entschied er bei den ATP Finals im Vorjahr mit 6:3, 7:6 (8:6) für sich. „Ben ist einfach ein großer, kraftvoller Kerl“, sagte Zverev. „Gewaltige Aufschläge, gewaltige Grundschläge. Alles, was er macht, ist einfach gewaltig.“

Ben Shelton lässt sich von den US-Fans feiern.

Ben Shelton lässt sich von den US-Fans feiern. Foto: Frank Franklin II/AP/dpa

Shelton verwies darauf, dass er auch gegen Alcaraz vor diesem Turnier noch nie gewonnen hatte. „Das macht mir keine Angst“, sagte er zur Bilanz gegen Zverev. „Dieses Turnier ist ein Turnier, in dem ich Sachen zum ersten Mal mache.“ Shelton wäre der erste männliche Amerikaner seit Andy Roddick 2003, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnt.

So lief Zverevs Halbfinale

Vor den Augen der Ex-Fußballweltmeister Jérôme Boateng und Ronaldo im Arthur Ashe Stadium präsentierte sich Zverev im Duell mit Chatschanow konzentriert und trumpfte in den wichtigen Momenten auf. In beiden Tie-Breaks lag Zverev jeweils zurück, wehrte im dritten Durchgang auch noch zwei Satzbälle ab. Gegen Chatschanow hatte er sich im olympischen Finale von Tokio 2021 bereits die Goldmedaille gesichert.

Diese Rekorde schaffte Zverev durch den Finaleinzug

Durch das sechste Grand-Slam-Finale seiner Karriere sicherte sich Zverev gleich mehrere deutsche Rekorde: Als erster männlicher Deutscher steht er in seinem zweiten US-Open-Finale und lässt Becker, Michael Stich und Gottfried von Cramm hinter sich. Drei Grand-Slam-Finals in Serie schaffte ebenfalls vor ihm noch keiner.

„Manchmal laufen die Dinge in deine Richtung. Ich war so oft so nah dran. Vielleicht hat Gott gesagt, dieses Jahr wird dein Jahr, hab einfach Spaß auf dem Platz“, sagte Zverev über seine Traumsaison.

Dieses herausragende Jahr könnte er nun krönen. Bei den Australian Open verlor er im Halbfinale ganz knapp gegen Carlos Alcaraz, holte den Titel in Paris und unterlag im Endspiel von Wimbledon Jannik Sinner. „In der Umkleide habe ich gerade verstanden, dass ich nur ein Aufschlagspiel (bei den Australian Open) davon entfernt war, in allen vier Grand-Slam-Finals dieses Jahr zu spielen“, sagte Zverev. „Das ist halt ein bisschen bitter.“ 

Das bedeutet der Finaleinzug für Zverevs zweiten großen Traum

Nun überholte er in der Jahreswertung den verletzt in New York fehlenden Sinner, und auch die Spitzenposition des Italieners in der Weltrangliste gerät langsam in Reichweite. Sollte Zverev das Finale gewinnen, würde er den Rückstand auf Sinner von aktuell 5.000 Punkte auf unter 2.000 Punkte verringern. 

„Das ist wirklich nah. Wenn er weiter so spielt, gibt es keinen Grund, warum er es nicht werden sollte“, sagte Becker über die Chance auf die Spitze der Weltrangliste. Neben dem ersten Grand-Slam-Titel hatte Zverev auch stets die Nummer eins als großes Karriere-Ziel ausgegeben.

Karen Chatschanow muss sich wie im Olympia-Finale geschlagen geben.

Karen Chatschanow muss sich wie im Olympia-Finale geschlagen geben. Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Die US-Schauspieler Woody Harrelson (l) und Matthew McConaughey verfolgen das Halbfinale von der Tribüne.

Die US-Schauspieler Woody Harrelson (l) und Matthew McConaughey verfolgen das Halbfinale von der Tribüne. Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel