Juden im Visier? Mutmaßliche Hamas-Leute in Berlin angeklagt
Anfang Oktober wurden drei Männer in Berlin festgenommen. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Sturmgewehr, Pistolen, Munition: Mutmaßliche Mitglieder der Hamas sollen von Deutschland aus Waffen für Anschläge der Terrorvereinigung besorgt haben. Die Bundesanwaltschaft zieht erneut vor Gericht.
Karlsruhe/Berlin. Zum zweiten Jahrestag des Überfalls auf Israel soll die Hamas im vergangenen Jahr in Deutschland oder Österreich einen Mordanschlag auf Repräsentanten Israels, Juden oder Unterstützter geplant haben. Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin nun Anklage gegen sieben mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Terrororganisation erhoben.
Als sogenannte Auslandsoperateure sollen sie Waffen und Munition für die Vereinigung beschafft haben, so der Vorwurf der Behörde. Ein weiterer Beschuldigter wird den Angaben nach gesondert verfolgt, weil er noch in Großbritannien in Auslieferungshaft ist. Zuvor hatte die „Welt“ berichtet.
Die Bundesanwaltschaft legt den Männern mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last. Zudem gehe es um Verstöße gegen das Waffenrecht und in einigen Fällen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Der Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin muss entscheiden, ob und wann es zum Prozess kommt.
Erster Zugriff in Berlin
Die sieben Beschuldigten sitzen teils seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft. Anfang Oktober 2025 hatte die Bundesanwaltschaft zunächst drei von ihnen in Berlin festnehmen lassen. Bis dahin hatte die Gruppe ein funktionsfähiges vollautomatisches Gewehr, 13 Pistolen und mehr als 700 Schuss Munition besorgt, so die Behörde. Einen Teil davon soll der inzwischen in Großbritannien Inhaftierte nach Wien geschafft und dort eingelagert haben.

Die Festgenommenen wurden nach Karlsruhe gebracht und dort einem Ermittlungsrichter vorgeführt. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Nach damaliger Aussage von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wurde eine terroristische Bedrohungslage abgewendet. „Wir gehen davon aus, dass diese Bedrohungslage konkret war“, sagte der CSU-Politiker. Die Beschuldigten seien seit längerem im Fokus der Behörden gewesen und unter Beobachtung – auch der Verfassungsschutz sei involviert. Die Hamas bestritt jegliche Verbindung zu den festgenommenen Verdächtigen.
Ermittlungen führen nach Wien, London, Kopenhagen und Zypern
Knapp einen Monat später hoben Ermittler im November im Zusammenhang mit den Ermittlungen ein Waffenversteck in Wien aus. In London wurde etwa gleichzeitig ein weiterer Beschuldigter auf Grundlage eines Haftbefehls vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe festgenommen – dieser Mann ist der gesondert Verfolgte.
In den Monaten darauf folgten weitere Festnahmen unter anderem in Dänemark, Zypern und Berlin. Ein Verfahren habe die Bundesanwaltschaft inzwischen an die Berliner Behörden abgegeben, weil dem Beschuldigten keine Mitgliedschaft oder Unterstützung der Hamas nachgewiesen worden sei.

Die Männer sitzen seit mehreren Monaten in U-Haft. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Wie konkret die Anschlagspläne der Männer gewesen sein sollen, wurde erst im Juni bekannt. „Bei einem der Beschuldigten wurde ein vorgefertigtes Bekennervideo sichergestellt“, erklärte Generalbundesanwalt Jens Rommel beim Jahrespressegespräch seiner Behörde in Karlsruhe. In dem Video sei ein Anschlag um den zweiten Jahrestag des Überfalls der Hamas auf Israel angekündigt worden – also um den 7. Oktober 2025 herum. Zur Erinnerung: die ersten Verdächtigen in dem Komplex wurden am 1. Oktober 2025 gefasst. Das Video soll der in Großbritannien Inhaftierte erstellt haben.
Bereits vor längerer Zeit habe der militärische Flügel der Hamas begonnen, Waffendepots in Europa anzulegen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Den Erkenntnissen nach sollen hochrangige Hamas-Funktionäre die Beschuldigten beauftragt haben, Waffen und Munition in Deutschland zu beschaffen.
Spätestens seit Juli 2025 habe die Hamas „einen konkreten Mordanschlag in Deutschland oder Österreich gegen Repräsentanten Israels, Menschen jüdischen Glaubens oder proisraelisch eingestellte Personen“ geplant.
Nicht der erste Gerichtsprozess gegen Hamas
Die Hamas ist verantwortlich für den Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen als Geiseln genommen wurden, und der den Gaza-Krieg auslöste. Kurz darauf hatte die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein Betätigungsverbot für die in Europa als Terrororganisation eingestufte Gruppe ausgesprochen.

In Berlin wurden vier Männer bereits schuldig gesprochen. (Archivbild) Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Pool/dpa
Es ist nicht das erste Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder. Ende März hatte das Kammergericht Berlin vier Männer zu Haftstrafen von viereinhalb bis sechs Jahren verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts waren sie als Auslandsoperateure für Waffendepots in mehreren europäischen Staaten zuständig, die für Anschläge genutzt werden sollten.
Der Staatsschutzsenat sprach sie der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Über Kontakte zwischen den vier Männern und den nun jüngst Angeklagten war bisher nichts bekannt.