Hamburg investiert Millionen auf Hahnöfersand
Die Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand in der Gemeinde Jork wird voraussichtlich 2026 geschlossen. Trotz alledem investiert Hamburg nach TAGEBLATT-Informationen knapp drei Millionen Euro in den Neubau einer Sicherungs- und Arreststation.
Das hat die Sprecherin der Justizbehörde, Marion A. Klabunde, bestätigt. Zu den Kosten wollte sich Hamburg noch nicht äußern, weil die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien. „Bis zu einer möglichen Verlagerung werden alle notwendigen Maßnahmen der Bauunterhaltung durchgeführt, die für einen ordnungsgemäßen Vollzugsbetrieb erforderlich sind“, sagt Klabunde.
Wie berichtet, plant Hamburg die Jugendanstalt auf Hahnöfersand – seit 1902 im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg und seit 1913 als Gefängnisinsel genutzt – zu schließen und nach Billwerder in einen Neubau zu verlagern. Die Justizbehörde will Senat und Bürgerschaft im Sommer ein Realisierungskonzept für eine neue Jugendanstalt Hamburg vorlegen. Eine Verlagerung des Jugendvollzuges würde im Falle der Entscheidung für einen neuen Standort „nicht vor 2026 erfolgen“, sagte Klabunde dem TAGEBLATT auf Anfrage.
Im Gespräch ist unter anderem, dass die städtische Sprinkenhof GmbH die neue Jugendanstalt baut und an die Behörde vermietet; ob dies letztlich für den Hamburger Steuerzahler günstiger wird, als eine Sanierung, ist offen.
2015 war der Sanierungsbedarf auf Hahnöfersand auf rund 16,5 Millionen Euro geschätzt worden, allerdings ist das Frauengefängnis bereits im März 2016 nach Billwerder verlegt worden. Laut Aussage der Justizbehörde sei der bauliche Erhaltungszustand der Sicherungs- und Arreststation sowie der Station für vorübergehend nicht wohngruppengeeignete Gefangene in Haus VI „mangelhaft“. Deshalb werde dieses Gebäude gegenwärtig durch einen kleinen Anbau ertüchtigt – auch, um letztlich die Sicherheit für die Jugendstrafgefangenen und natürlich auch der Bediensteten zu verbessern, so Klabunde.
Im Jugendvollzug der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand gibt es 176 Haftplätze. 76 entfallen auf den geschlossenen Vollzug (Jugendstrafhaft) inklusive der 18 Plätze in der Sozialtherapie. Hinzu kommen 18 Plätze im offenen Vollzug. Des Weiteren gibt es 82 Untersuchungshaftplätze. Außerdem unterhält Hamburg eine Teilanstalt für Jugendarrest mit 20 Plätzen. Rund 160 Beschäftigte kümmern sich um die Gefangenen. Bislang steht kein Gebäude unter Denkmalschutz – auch nicht das derzeit aus Brandschutzgründen nicht genutzte Christian-Koch-Haus.
Der Strafvollzugsreformer und spätere Bürgermeister (1946) leitete das Jugendgefängnis ab 1920. Die niedersächsische Insel, bis zur Eindeichung 1976 nur mit dem Schiff erreichbar, steht privatrechtlich überwiegend im Eigentum der Hamburger Justizbehörde, bei einer Aufgabe der JVA-Nutzung würde diese in das allgemeine Grundvermögen der Stadt fallen. „Über eine mögliche Nachnutzung ist derzeit noch nicht entschieden“, sagt Klabunde. Hauptdeich und weitere Flächen gehören dem Deichverband der Zweiten Meile Alten Landes.
In der Gemeinde Jork, diese hat die Planungshoheit, wird über eine Nachnutzung als Urlaubsresort, Campingplatz oder (nach einer Erhöhung mit Schlick) als Obstbaufläche diskutiert. Die Crux: Teile der Insel sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Phosphor und Munition schadstoffbelastet.