Industrie-Auftragseingang sinkt überraschend deutlich
Der Einbruch bei den Industrieaufträgen geht vorwiegend auf deutlich weniger Großaufträge für Militärfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und Züge zurück. Foto: Jens Büttner/dpa
Die Industrie-Auftragseingänge sinken stark. Was hinter den aktuellen Zahlen steckt und warum Ökonomen trotzdem vorsichtig optimistisch bleiben.
Wiesbaden. Dämpfer für die deutsche Wirtschaft: Der Auftragseingang in der deutschen Industrie ist im August überraschend deutlich eingebrochen. Der zweistellige Rückgang im Monatsvergleich geht allerdings auf den Einbruch bei Großaufträgen unter anderem im Verteidigungsbereich zurück. Bereinigt um den Wert von Großbestellungen lag der Auftragseingang fast auf dem Niveau des Vormonats. Experten wie Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft bei der Fondsgesellschaft Union Investment, sehen daher keine Trendwende des zuletzt positiven Bilds in der Industrie.
Konkret fielen die Bestellungen im August im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 10,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang um ein Prozent gerechnet. Im Juli war der Auftragseingang im Monatsvergleich noch um leicht nach oben revidierte 3,2 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat zog der Auftragseingang im August um 2,7 Prozent an.
Der Einbruch im Monatsvergleich geht vorwiegend auf deutlich weniger Großaufträge für Militärfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und Züge zurück. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen lag der Auftragseingang in der deutschen Industrie im August um 0,1 Prozent niedriger als im Juli. Bereits in den Vormonaten hatten große Bestellungen das Bild verzerrt.
„Auftragslage seit Herbst 2025 deutlich verbessert“
Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Juni bis August um 1,3 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor. Ohne Großaufträge sank er um 2,6 Prozent. Die Daten aus dem August ändern nach Einschätzung des Union-Investment-Experten Herzum wenig am Gesamtbild für den Sektor. „Die Auftragslage der deutschen Industrie hat sich seit Herbst 2025 deutlich verbessert.“
„Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und bieten der Industrie rechnerisch ein Polster von rund neun Monaten“, schrieb er in einer ersten Einschätzung. „Die Frühindikatoren sprechen zudem dafür, dass die Erholung weiter an Fahrt gewinnen kann.“ Doch bislang laufe die Produktion den Bestellungen noch hinterher.

Trotz des Rückgangs bei Großbestellungen bleibt der Ausblick für die Industrie positiv. Foto: Armin Weigel/dpa
Ökonom: Gute Perspektiven - aber noch kein Boom
„Viele Unternehmen arbeiten zusätzliche Aufträge mit ihren bestehenden Kapazitäten ab, statt ihre Fertigung auszuweiten“, so Herzum. „Ob aus den vollen Auftragsbüchern tatsächlich mehr Wachstum entsteht, entscheidet sich bei den Investitionen.“ Noch fehle den Unternehmen das Vertrauen, Produktion und Kapazitäten hochzufahren. „Die deutsche Industrie hat sich stabilisiert und die Perspektiven sind gut - ein Boom ist das aber noch nicht.“
VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel sieht dies ähnlich: „Es fehlt an einer neuen Investitionsdynamik, die auf einen dauerhaften Konjunkturaufschwung hindeuten würde“, schrieb er in seiner ersten Analyse des Auftragseingangs. „Beruhigend wirkt derweil der hohe Bestand an Aufträgen. Dieser sollte zumindest in den kommenden Monaten die Industrieproduktion stützen.“
Der derzeit optimistische Blick der Unternehmen auf die Zukunft spreche dafür, dass der Auftragseingang in den kommenden Monaten vielleicht dann doch mehr an Boden gewinnen sollte.