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Spekulationen um Sportchef

Krise bei Hannover 96: Boldt steht vor dem Aus

Hannovers Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt. (Archivbild)

Hannovers Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt. (Archivbild) Foto: David Inderlied/dpa

Hannover 96 hat eines der prominentesten Trainer-Manager-Duos der 2. Bundesliga. Doch mit Sandro Wagner und Jonas Boldt steckt der Club in der Krise. Jetzt wackelt vor allem einer der beiden.

Von Felix Schröder und Sebastian Stiekel, dpa 30.10.2026, 12:40 Uhr
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Hannover. Bei Hannover 96 deutet sich das Ende eines großen Missverständnisses an. Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt steht nach nur fünf Monaten vor dem Aus beim kriselnden niedersächsischen Fußball-Zweitligisten. Laut Informationen der „Neuen Presse“ und der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ ist das sportliche Aus des 44-Jährigen sowohl auf der Profi- als auch auf der Vereinsseite in dem komplizierten Club-Konstrukt beschlossen. 

Anfang kommender Woche könnte der Verein die Nachricht verkünden. Laut den Zeitungen wird noch an den Details der Trennung gearbeitet. Es scheint, dass das Spiel der seit vier Pflichtspielen sieglosen 96er gegen Dynamo Dresden am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) keinen Einfluss mehr haben dürfte. Boldt wurde im Sommer mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet. 

Weitermachen? „Ich wüsste nicht, warum nicht.“

Eine wenig überzeugende Transferbilanz und eine sportlich bedrohliche Situation beschädigten aber das Verhältnis zwischen Boldt und Aufsichtsrats-Chef Martin Kind. Einen Austausch zwischen beiden soll es nicht mehr geben. 

Zudem missfiel der Führungsebene wohl, dass Boldt vor dem Derby in Braunschweig (0:2) Informationen der Zeitungen zufolge bei einem Hyrox-Event auf einem Kreuzfahrtschiff war. Dafür soll er sich freigenommen haben, doch Kind und Co. waren mit Boldts Abwesenheit vor dem wichtigen Spiel nicht einverstanden. 

Vor der Pokalpleite gegen den 1. FC Kaiserslautern am Mittwoch berichtete die „Bild“, dass sich Kind von dem im Juni verpflichteten Sportchef abgewendet habe. Damit konfrontiert, sagte Boldt dem NDR: „Mir persönlich hat niemand gesagt, dass wir von einem Missverständnis reden.“ Ob er in Hannover weiterarbeiten werde? „Ich wüsste nicht, warum nicht.“

Maues Sommer-Transferfenster

Mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Boldt und Ex-Trainer Christian Titz (55) begann die Entfremdung. Sie fanden bei der Kaderplanung keinen gemeinsamen Nenner. Mit geringem Budget konnte der Club die hochkarätigen Abgänge wie Noel Aseko (Eintracht Frankfurt), Enzo Leopold (Borussia Mönchengladbach) oder Daisuke Yokota (Glasgow Rangers) nicht auffangen. Marcel Hartel (30) und Emir Sahiti (27) enttäuschen bislang. Der neue Torwart Pascal Loretz flog schon nach dem ersten Spieltag aus der Startelf.

Stimmung und Selbstvertrauen innerhalb des Clubs waren ohnehin im Keller, nachdem die Mannschaft im Mai unter Titz den greifbaren Bundesliga-Aufstieg verspielt hatte. Boldt ging mit Titz zwar in die Saison, doch nach fünf Spieltagen stoppte er die Zusammenarbeit und holte Sandro Wagner. Der 38-Jährige war zuvor beim Bundesligisten FC Augsburg gescheitert nach nur zwölf Partien. 

In der Krise: Sportchef Jonas Boldt und Trainer Sandro Wagner (r) bei Hannover 96.

In der Krise: Sportchef Jonas Boldt und Trainer Sandro Wagner (r) bei Hannover 96. Foto: Swen Pförtner/dpa

Was passiert mit Wagner?

Das Manager-Trainer-Duo ist vermutlich das bekannteste der 2. Liga. Doch wie in Augsburg läuft es für Wagner auch in Hannover bisher nicht. Schon nach vier Spielen als Trainer muss er die ersten Fragen nach seinem Job beantworten. Die Situation um Boldt beschäftigt ihn natürlich auch. „Jonas kenne ich schon viele Jahre“, sagte Wagner bei der Spieltags-Pressekonferenz. Dass es „unruhig ist für ihn wie für uns alle hier“, sei „blöd“, fügte er hinzu. Er habe Boldt nicht als geknickt wahrgenommen. „Ich sehe ihn eigentlich sehr stabil, also sehr stabil, sehr positiv“, meinte er. „Ich kann nur sagen, dass der Austausch mit Jonas sehr gut ist.“ 

Drei Niederlagen und ein Unentschieden aus vier Pflichtspielen lautet die Bilanz unter der Regie des ehemaligen Spielers und Co-Trainers der deutschen Nationalmannschaft. Der Aufstiegskandidat ist nah ans Tabellenende gerutscht. 

Wagner gerät mehr und mehr unter Zugzwang, auch wenn er den Druck von sich wegschiebt. Auf die Frage, ob der Trainer in Hannover bleibe, hatte Sport-Geschäftsführer Boldt der ARD gesagt: „Solange ich da bin, auf jeden Fall!“

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