Lidl will in Neu Wulmstorf neue Wohnungen bauen
Abreißen, umdrehen, neu bauen: Der Lidl-Markt an der B 73 soll versetzt werden und dadurch Fläche für Wohnbebauung freimachen. Foto: Wahba
Wohnungsbau bleibt in Neu Wulmstorf eines der wichtigsten Themen. Ein nächstes Bauprojekt für derzeit geplante etwa zehn neue Wohneinheiten soll an der Bahnhofstraße nördlich des jetzigen Lidl-Marktes entstehen. Investor für dieses Projekt ist die Lidl Vertriebs-GmbH selbst.
Architekt Christoph Frenzel vom Buxtehuder Planungsbüro Frenzel und Frenzel zeigte in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses erste Ideen, wie der Neubau aussehen könnte: Lidl will einen neuen, modernen Markt bauen, die Verkaufsfläche um 500 Quadratmeter erweitern. Der neue Lidl-Markt rückt weiter nach Westen. Die Fläche westlich neben Lidl an der B 73, derzeit mit einem Bretterzaun vom Lidl-Parkplatz getrennt, hat das Unternehmen bereits gekauft. Damit wird mehr Platz zwischen Lidl und der benachbarten Wohnbebauung an der Bahnhofstraße frei. Dort will der Discounter ein Wohnhaus bauen.
Die Zufahrt von der Bahnhofstraße würde es dann künftig nicht mehr geben. „Wir planen zum einen die Verlegung des Eingangsbereichs auf die gegenüberliegende Seite im Westen. Das bedeutet im Grunde eine Drehung des Marktes. Zum anderen soll der Markt im Innenbereich keine Zwischendecke mehr haben. Die Raumhöhe wird dann also bis unter das Dach reichen. Damit schaffen wir eine großzügige Optik auf der Verkaufsfläche und einen Markthallen-Charakter“, erklärte Reiner Wohlers, Abteilungsleiter Immobilien bei der Lidl Vertriebs-GmbH in Wenzendorf während der Sitzung. Zum neuen Lidl-Konzept gehören auch breitere Gänge. Wohlers machte klar, dass bei der Modernisierung des Lidl-Marktes keine Sortimentserweiterung anstehe. Die zusätzliche Fläche diene, so Wohlers, lediglich dazu, „das Sortiment anders zu präsentieren“.
Die neuen Nachbarn des Marktes würden, so die derzeitigen Planungen, die Lidl-Einfahrt an der Bundesstraße benutzen, um mit dem Auto zu ihren Stellplätzen zu kommen. „Grundsätzlich können wir die Wohnbebauung neben dem Lidl-Markt unterstützen. Auch eine Modernisierung des Marktes macht Sinn. Eine Erweiterung hingegen wäre eine ganz andere Sache. Ich erinnere daran, dass wir gerade im Famila-Verfahren über die Verkaufsflächen in Neu Wulmstorf diskutiert haben. Und da hieß es, wir seien, was die Versorgung angeht, am Limit dessen, was eine Gemeinde dieser Größe verträgt“, sagte Malte Kanebley, Fraktionschef der CDU.
Unter dem Strich heißt das: Kunden von Lidl, der Bäckerei Junge und die neuen Mieter würden künftig die Zufahrt von der B 73 benutzen. „Diese ganze Planung hat aus meiner Sicht viele Defizite“, kritisierte Uwe Stockleben die Pläne. „Wir haben jetzt dort einen riesengroßen Parkplatz, der im Grunde überhaupt nicht als Parkplatz geeignet ist. Der Markt ist einfach schlecht geplant. Eine zusätzliche Wohnbebauung an dieser Stelle würde die ohnehin beengte Parkplatz-Situation weiter verschlechtern. Und der Kreuzungsbereich an der B 73 ist ohnehin jetzt schon ausgesprochen unglücklich geplant“, so SPD-Mitglied Stockleben, der als zugewählter Bürger seiner Partei im Ausschuss sitzt. Stimmrecht hat er allerdings nicht.
Jan Lüdemann von der UWG hingegen hält die vorgestellten Pläne für ein gutes Konzept. „Wir sehen da wenig bis gar keine Probleme, das so zu bauen und zu erschließen“, so Lüdemann in der Sitzung. Problematisch könnte einzig die Höhe des neuen Lidl-Wohnhauses in unmittelbarer Nähe zu den Nachbarhäusern werden. Darauf machte auch der Ausschussvorsitzende, Thomas Grambow (SPD), aufmerksam. „Die Nachbargebäude sind kleiner. Das neue Haus muss nicht unbedingt dreigeschossig werden, sonst bekommen wir Probleme mit der Beschattung“, sagte Grambow.
Im weiteren Planverfahren, das der Bauausschuss einstimmig in die Wege geleitet hat, wird Bauherr Lidl sicherlich ein Verschattungsgutachten in Auftrag geben müssen. Ansonsten könnte es jetzt, nachdem der Bauausschuss das Konzept insgesamt abgesegnet hat, recht schnell mit der Realisierung der Pläne weitergehen. Grambow: „Die Auslegung dürfte relativ zügig gehen. Ich rechne nicht mit größeren Einwendungen.“ Im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst könnte dann im Rat der Satzungsbeschluss auf den Weg gebracht werden, so dass die Baugenehmigung etwa im Frühjahr an Lidl erteilt würde. Es ist damit zu rechnen, dass Lidl zuerst den alten Markt abreißen wird, einen neuen baut und dann mit dem Neubau für das Wohnhaus beginnt.