TNeubaugebiet Giselbertstraße: Wo es in Buxtehude günstige Wohnungen gibt
So soll der „Appelhoff“ einmal aussehen, wenn die Anlage Ende 2022 fertig ist. Grafik: Frenzel und Frenzel
Die Vergabe der Grundstücke im Neubaugebiet Giselbertstraße in Buxtehude schreitet voran. Die Stadt hat eines von drei zusammen ausgeschriebenen Grundstücken an den Buxtehuder Heiko Tornow vergeben. Das Konzept überzeugte.
In der Giselbertstraße sollen in den kommenden Jahren 400 bis 450 Wohnungen entstehen. Miteigentümer HBI baut bereits auf seinen Flächen. Jetzt wird zeitnah auch etwas auf den städtischen Flächen passieren. In einem aufwendigen kommunalen Wettbewerb gewann das Konzept von Bauherr Heiko Tornow und Architekt Christoph Frenzel. Tornow hat das ehrgeizige Ziel, im Spätherbst 2022 fertig zu sein.
Wohnungspolitische Ziele umsetzen
Gleich ein halbes Dutzend wohnungspolitischer Ziele werden mit dem Projekt „Appelhoff“ verwirklicht: Dieses hat Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat Michael Nyveld sowie Architekt Frenzel und Bauherr Tornow vorgestellt. Der siegreiche Entwurf an der Giselbertstraße bietet neben 48 Wohnungen für den freien Mietmarkt auch 26 gleichwertig ausgestattete preisgedämpfte Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen. Mindestens für 30 Jahre bleiben diese Mieten deutlich unter dem Buxtehuder Mietspiegel. Die Wohnungen sind wie alle anderen ausgestattet und über die Anlage verteilt. „Der Zuschlag erfolgte aufgrund der überaus gelungenen Kombination aus sehr guter Architektursprache, der angebotenen Mietpreise und Mietpreisdauer, als auch der Umsetzung der energetischen Komponenten in der Gebäudeplanung“, sagte Katja Oldenburg-Schmidt.
Aber auch die Mietwohnungen, die auf dem frei finanzierten Mietmarkt angeboten werden, werden moderat und erschwinglich ausfallen. Katja Oldenburg-Schmidt hob hervor, dass es gelungen sei, die preisgedämpften Wohnungen sowohl in ihrer baulichen und gestalterischen Qualität als auch hinsichtlich ihrer Verteilung im „Appelhoff“ mit den übrigen Wohnungen gleichzustellen: „Damit werden unsere wohnungspolitischen Vorgaben bestens erfüllt.“
Der Buxtehuder Bauherr und TAGEBLATT-Kolumnist Heiko Tornow schilderte aber auch die Schwierigkeiten, hochwertige Bauten unter diesen Rahmenbedingungen umzusetzen. „Ich mache das, weil mir die Stadt am Herzen liegt“, sagte er. Auch aufgrund der explodierenden Baustoffkosten rechnet er nicht mit einer Rendite. „Ich freue mich schon, wenn wir keine Verluste machen“, sagte der Familienunternehmer.
Bauherr setzt auf Qualität und viel Grün
Tornow nutzte die Präsentation des Projekts, um die Buxtehuder Verwaltung massiv zu loben und seinem Ärger über die Hamburger Kollegen Luft zu machen. Buxtehude bekomme eine Eins minus, Hamburg eine Sechs minus. Die städtische Tochter IBA Hamburg, mit der Tornow bei der Umsetzung eines Projekts in Fischbek zusammengearbeitet habe, sei ein „Moloch“, „überbürokratisiert und unfreundlich“. Buxtehude hatte für die Vergabe das sogenannte Anhandgabeverfahren ausgewählt. Das besitzt den Vorteil, dass die Stadt lange mitbestimmen kann, was in der Giselbertstraße gebaut werden soll. Bei dem Tornow-Projekt eine überflüssige Maßnahme. Er und Architekt Christoph Frenzel hatten von Anfang an das Ziel, hochwertig und innovativ zu bauen. „Wir haben auch alle wesentlichen Gewerke an Firmen aus der Region vergeben“, sagte Tornow. Das garantiere gute Qualität und eine schnelle Umsetzung. Nach Fertigstellung bleiben die Wohnungen im Besitz der Familie Tornow. Der große, helle und sehr grüne Innenhof – der „Appelhoff“ – soll Wohnen neu denken. Der Name des Projektes ist Programm: Er hat einen Bezug zur heimischen Sprache und beinhaltet den Hinweis auf das vorherrschende Grün. Weil der gesamte Innenhof frei von Verkehr bleibt, soll er als Lebensraum eine zentrale Bedeutung bekommen.
Bauherr Heiko Tornow und Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt . Foto: Wisser
Das 5000 Quadratmeter große Grundstück hat einschließlich Erschließung rund zwei Millionen Euro gekostet. Der Quadratmeterpreis von 340 Euro ist allerdings weit entfernt von dem, was am freien Markt ohne die wohnungspolitischen Ziele hätte erzielt werden können. „Wir nehmen nur das Geld, was wir haushaltsrechtlich nehmen müssen“, sagte Stadtplanerin Annette Mojik-Schneede. Sie geht davon aus, dass der Erlös ohne die Vorgaben dreimal so hoch gelegen hätte.
Weitere Grundstücke vergeben
Gleichzeitig mit dem Tornow-Grundstück wurden zwei weitere Flächen aus der ersten Vergaberunde vergeben. Hier laufen die Verfahren, die der Zustimmung der Politik bedürfen, noch. Aktuell gibt es eine Ausschreibung für zwei Grundstücke im Norden des Gebiets. Auch dafür hatte Heiko Tornow Pläne. Er wollte sich mit einem Gebäude aus Holz bewerben. Angesichts der explodierenden Preise für Holz sei die Realisierung aber schwierig.
Die beiden in Höhe und Tiefe stark gegliederten Baukörper im „Appelhoff“ umfassen einen autofreien und begrünten Innenhof. Auf den Dächern liefert eine leistungsstarke Photovoltaikanlage Strom. Eine Fernwärmestation der Stadtwerke liefert Energie für Heizung und Warmwasser. In der Tiefgarage mit 84 Plätzen unter dem gesamten Gebäude werden viele Ladestationen für Elektroautos installiert. Fahrräder haben reichlich Platz, Lastenfahrräder können ausgeliehen werden. Bauherr Tornow betonte noch ein besonderes Anliegen: Eine Wohnung solle einem Hausmeister vorbehalten sein. Die Mieterinnen und Mieter hätten so einen Ansprechpartner. „Technische Mängel und Probleme werden schnell erkannt und ihnen kann rasch begegnet werden.“