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Wahlen in Spanien

Spaniens Regierungschef Sánchez kündigt Neuwahlen an

Seine Regierung habe viel erreicht, es blieben aber viele Probleme zu lösen, sagte Sánchez bei seiner Ankündigung. (Archivbild)

Seine Regierung habe viel erreicht, es blieben aber viele Probleme zu lösen, sagte Sánchez bei seiner Ankündigung. (Archivbild) Foto: Eduardo Parra/EUROPA PRESS/dpa

Nach dem Scheitern zweier Mieterschutz-Dekrete im Parlament steht Spaniens Regierung unter Druck. Nun geht Ministerpräsident Pedro Sánchez auf volles Risiko.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa 05.10.2026, 09:45 Uhr
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Madrid. Nach dem Scheitern seiner Dekrete zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Spanien im Parlament hat Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez die Flucht nach vorn angetreten. Er kündigte Neuwahlen für den 29. November an. Seine Regierung habe schon viel erreicht, aber es bleibe noch viel zu tun, sagte er bei einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. Dafür brauche es aber eine „sehr viel breitere Mehrheit im Parlament“. „Spanien muss sich entscheiden, ob es sich der rechtsextremen Welle anschließen oder weiterhin eine Bastion der sozialen Gerechtigkeit bleiben will“, fügte der Sozialist hinzu.

Seine Minderheitsregierung aus sozialistischer PSOE und dem linksalternativen Bündnis Sumar hat keine parlamentarische Mehrheit mehr, seit die konservative separatistische Katalanenpartei Junts von Carles Puigdemont vor knapp einem Jahr ins Lager der Opposition wechselte. Sánchez bekommt seither kaum noch Initiativen durchs Parlament. Der letzte reguläre Haushalt ist wegen fehlender Mehrheiten von 2023. Regulär wäre die Wahl im Sommer kommenden Jahres.

Neuwahl mit hohem Risiko

Die Entscheidung für eine Neuwahl ist für Sánchez sehr riskant. Fast allen Umfragen zufolge würde die konservative Volkspartei PP mit der rechtspopulistischen Vox eine solide Mehrheit von rund 200 der 350 Sitze im Parlament erobern. Eine Brandmauer wie in Deutschland zur AfD gibt es in Spanien nicht. Die PP regiert schon in vier autonomen Regionen mit Vox. Sánchez könnte sich trotz dieses für ihn ungünstigen Panoramas für einen Urnengang entschieden haben, weil seine Partei dann zumindest gestärkt in die Opposition ginge, spekulierten spanische Medien wie der staatliche TV-Sender RTVE.

Sánchez, der seit 2018 Ministerpräsident ist, und sein linksalternativer Koalitionspartner Sumar hoffen, mit der Empörung vieler Bürger über die steigenden Mieten und fehlenden Wohnraum ihre Wählerschaft zu mobilisieren. Die Neuwahl werde zu einem „Referendum über die Wohnungspolitik“, sagte Sozialminister Pablo Bustinduy (Sumar) RTVE vor Sánchez‘ Ankündigung. Die Wähler würden sehen, wer für die Menschen arbeite. Ein Mieten-Wahlkampf würde auch etwas von den Korruptionsfällen im Bereich der Regierung und von dem Umgang mit der Migrationskrise in Ceuta ablenken, den Umfragen zufolge viele Spanier für sehr schlecht halten. 

Separatisten stimmen zusammen mit Gegnern jeglicher Autonomie

Vor der entscheidenden Abstimmung über die beiden Mieten-Dekrete am Freitag hatte Junts angekündigt, dagegen zu stimmen. Zwar hatte Junts mit ihren sieben Abgeordneten Sánchez nach der ebenfalls vorgezogenen Wahl im Juli 2023 mit in den Sattel gehoben. Vor knapp einem Jahr kündigte die Partei jedoch die Unterstützung der Regierung Sánchez auf und stimmt seither immer mal zusammen mit PP und Vox gegen die Regierung.

Dass eine Separatistenpartei wie Junts zusammen mit Vox stimmt, einer Partei, die alle Autonomierechte abschaffen will, ist eine der Widersprüche der spanischen Politik. Junts begründete den Bruch mit der Regierung mit der Verschleppung der Amnestie für Puigdemont, der seit dem illegalen Abspaltungsprozess Kataloniens 2017 in Belgien im Exil lebt, weil es einen Haftbefehl gegen ihn gibt. 

Dieser könnte jedoch nach einer für Dienstag erwarteten Grundsatzentscheidung des Verfassungsgerichts zum Amnestiegesetz von 2024 für katalanische Separatisten aufgehoben werden. Eine triumphale Rückkehr Puigdemonts nach Katalonien mitten im Wahlkampf könnte der konservativen und rechtspopulistischen Opposition Munition liefern, schrieb die Zeitung „El País“. Sánchez habe Spanien mit der Amnestie gedemütigt und gefährde den Bestand des Staates, lautet die Kritik von PP und Vox.

Zwangsräumung für 87-Jährige nach 70 Jahren

Die Regierung hatte am Dienstag nach der aufsehenerregenden Zwangsräumung der Wohnung einer 87-Jährigen und massiven Protesten ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen die Wohnungsnot beschlossen. Vorgesehen waren unter anderem eine Verlängerung des Schutzes vor Zwangsräumungen, eine stärkere Regulierung von Mietverträgen und ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch „Geierfonds“ bis 2028. Auch sollte es steuerliche Vergünstigungen für Mieter und Vermieter geben. Zudem war in einem zweiten Dekret eine zweijährige Verlängerung bestehender Mietverträge vorgesehen, die bis Ende 2028 auslaufen.

Die Empörung über den Fall der Seniorin war riesig: In Madrid und anderen Städten gingen am Wochenende wieder Zehntausende unter dem Motto „Ni una Maricarmen más“ („Nicht eine weitere Maricarmen“) auf die Straße. In der Hauptstadt wurde vor dem Sitz der konservativen Regionalregierung auf dem Platz Puerta del Sol ein Protestcamp mit Dutzenden Zelten errichtet.

Steigender Bedarf an Wohnungen - Zu wenige Neubauten 

Die Krise auf dem Wohnungsmarkt Spaniens hat viele Gründe. Die Bevölkerungszahl ist seit 2015 um drei Millionen Einwohner gestiegen, ein Plus von sieben Prozent, wie aus Zahlen des nationalen Statistikamtes Ine hervorgeht. Zudem steigen die Touristenzahlen stark an, seit 2018 hat sich die Zahl der Übernachtungen in Ferienwohnungen verdoppelt, berichtete die Zeitung „El País“. 

In Urlaubsregionen wie den Balearen mit Mallorca, Alicante, Málaga oder den Kanaren treten zudem viele ausländische Käufer in Konkurrenz zu Einheimischen und treiben die Immobilienpreise in die Höhe. Zugleich werden zu wenige Wohnungen neu gebaut. Spaniens Zentralbank geht davon aus, dass das Wohnungsdefizit bis 2028 auf eine Million Einheiten steigen werde, wenn sich nichts ändert.

Zehntausende haben am Wochenende in Spanien wie hier in der Hauptstadt Madrid gegen die Wohnungsnot demonstriert. (Archivbild)

Zehntausende haben am Wochenende in Spanien wie hier in der Hauptstadt Madrid gegen die Wohnungsnot demonstriert. (Archivbild) Foto: Bernat Armangue/ZUMA Press Wire/AP/dpa

Die Forderung vieler Menschen: dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. (Archivbild)

Die Forderung vieler Menschen: dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. (Archivbild) Foto: Bernat Armangue/ZUMA Press Wire/AP/dpa

Nach der krachenden Niederlage seiner Dekrete zur Wohnungspolitik hat Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez (l) die Notbremse gezogen und Neuwahlen angekündigt. (Archivbild)

Nach der krachenden Niederlage seiner Dekrete zur Wohnungspolitik hat Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez (l) die Notbremse gezogen und Neuwahlen angekündigt. (Archivbild) Foto: Eduardo Parra/EUROPA PRESS/dpa

Proteste gab es nicht nur in Madrid, sondern landesweit. (Archivbild)

Proteste gab es nicht nur in Madrid, sondern landesweit. (Archivbild) Foto: Carlos Luján/EUROPA PRESS/dpa

Eine 87-Jährige wurde nach 70 Jahren von der Polizei aus ihrer Wohnung geholt. (Archivbild)

Eine 87-Jährige wurde nach 70 Jahren von der Polizei aus ihrer Wohnung geholt. (Archivbild) Foto: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa

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