Stolperstein-Initiative feiert 20 Jahre Biografienforschung
Zahlreiche Kerzen stehen am Gedenktag an die Pogromnacht am 09. November neben Stolpersteinen. Seit 20 Jahren forschen Historikerinnen und Historiker der Hamburger Stolperstein-Initiative zu den Biografien der im Nationalsozialismus Verfolgten. (Archivbild) Foto: Georg Wendt/dpa
Sie wollen dem Namen eine Lebensgeschichte geben: Seit 20 Jahren forschen Historikerinnen und Historiker an den Biografien von Hamburger Opfern des Nationalsozialismus.
Hamburg. Einem Namen eine Biografie hinzufügen - das ist das Anliegen der Hamburger Stolperstein-Initiative: Seit 20 Jahren erforscht sie die Lebensgeschichten ermordeter und deportierter Jüdinnen und Juden sowie weiterer Verfolgter des Nationalsozialismus. Eine Arbeitsgruppe aus Historikerinnen und Historikern veröffentlicht die Biografien online und in Büchern. In Gehwege eingelassene Steine vor den ehemaligen Wohnhäusern der Verfolgten machen auf deren Schicksale aufmerksam. Nun feiert die Initiative das 20-jährige Bestehen ihrer Biografienforschung mit einer öffentlichen und kostenlosen Veranstaltung.
In der Kunstklinik in Hamburg-Eppendorf werden am heutigen Mittwochabend die Arbeit des Stolperstein-Vereins, die Anfänge der Biografienforschung und neue Lebensgeschichten vorgestellt.
5.500 erforschte Biografien
Initiiert wurde die Biografienforschung von Rita Bake, damals stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, und Beate Meyer, damals wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Gemeinsam mit interessierten Laienforscherinnen und weiteren Historikern hat die Initiative nach eigenen Angaben bis heute rund 5.500 Biografien erarbeitet.
7.500 Stolpersteine in Hamburg
2002 wurde demnach der erste Stolperstein in Hamburg verlegt. Mittlerweile sei die Zahl der Stolpersteine auf rund 7.500 gestiegen.
Kunstsammler Peter Hess hatte die Stolpersteine nach Hamburg geholt. 2001 war er auf das Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig aufmerksam geworden. „Mir war sofort klar: Wenn irgendwann mal tausende dieser Steine vor den Häusern der Opfer liegen würden, würde kein Mensch mehr sagen können, dass diese ermordeten Menschen hier nicht gewohnt haben.“
In die Messingplatten der Stolpersteine sind die Lebensdaten der vom Nationalsozialismus Verfolgten eingraviert. Sie werden vor den Wohnhäusern verlegt, in denen die Opfer zuletzt freiwillig lebten. Auch für Holocaust-Überlebende werden Stolpersteine zum Gedenken verlegt, heißt es auf der Webseite der Stolperstein-Stiftung.
Zuletzt hatte ein Beschluss des Stadtrats im sächsischen Heidenau bundesweit für Empörung gesorgt, mit dem die Verlegung der Steine künftig unterbunden werden soll. Der Antrag wurde mit den Stimmen von AfD und CDU angenommen.