Straßenhunde in Türkei eingesammelt - Tierschützer alarmiert
Seit zwei Jahren sorgt das Gesetz zu Straßenhunden für Diskussionen. (Archivbild) Foto: Francisco Seco/AP/dpa
Die türkische Regierung gibt an, fast alle Straßenhunde eingesammelt zu haben. Das wirft bei Tierschützern Fragen auf.
Istanbul. In der Türkei sorgen sich Tierschützer nach einer umstrittenen staatlichen Aktion zur Einsammlung von Straßenhunden um deren Schicksal. Hunde seien in den Heimen nach Beobachtungen ihrer Organisation teils grausamen Bedingungen ausgesetzt und etwa schutzlos Sonne und Kälte ausgeliefert, sagte Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, der Deutschen Presse-Agentur.
Die Kapazitäten seien zudem unzureichend und es sei schlicht unmöglich, alle Hunde unterzubringen. Kasa warf den Behörden zudem unrechtmäßige Tötungen und Intransparenz vor. Die zuständigen Ministerien äußerten sich auf Anfrage nicht dazu.
Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung vor rund zwei Jahren sind Kommunen dazu verpflichtet, Straßenhunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen. Ziel ist der Regierung zufolge deren Vermittlung, in bestimmten Fällen wie Krankheit oder Aggressivität ist aber auch die Tötung erlaubt.
Umstrittene Gesetzesänderung
Innenminister Mustafa Ciftci hatte vergangene Woche erklärt, dass rund 99 Prozent der Straßentiere eingefangen worden seien. Angaben dazu, wie viele Tiere in Heimen untergebracht, vermittelt oder eingeschläfert wurden, machte er nicht.
Auch der Deutsche Tierschutzbund hatte im August die Bedingungen in türkischen Tierheimen kritisiert und unter Berufung auf Partnerorganisationen vor Ort erklärt, zu viele Hunde seien auf engem Raum untergebracht und die Kapazitäten reichten nicht aus, um sie angemessen zu versorgen.
Unklare Datenlage
Bei der Verabschiedung der umstrittenen Gesetzesänderung im Sommer 2024 war die Regierung von rund 4 Millionen Straßenhunden ausgegangen, hatte die Anzahl aber später auf rund 1,2 Millionen nach unten korrigiert.
Im April standen dem rund 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen entgegen, wie aus einer Antwort des Forstministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Rund 97.000 herrenlose Tiere waren demnach bis dahin an neue Besitzer vermittelt worden. Aktuelle Angaben machte die Regierung auf Anfrage der dpa nicht.
Umsorgt oder gehasst
Straßenhunde gehörten in der Türkei bislang vielerorts zum Stadtbild dazu und wurden teils liebevoll von Anwohnern umsorgt. Immer wieder wird aber auch berichtet, dass Rudel von Streunerhunden Menschen angreifen - die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet die Maßnahmen auch damit und will die Population eindämmen.
Tierschützern zufolge lässt sich die Straßentierproblematik nachhaltig nur durch Einfangen, gezielte Kastrierung, Impfung und anschließende Rückkehr der Tiere in ihr Herkunftsgebiet sowie durch eine Eindämmung des Tierhandels lösen.