Zähl Pixel
Über 30 Grad

Von Menthol-Spray bis Fußbad: Tipps von Hitze-Arbeitsplätzen

Um sich Pausen zu verschaffen, arbeiten in dem Hühnchen-Imbiss normalerweise zwei Personen.

Um sich Pausen zu verschaffen, arbeiten in dem Hühnchen-Imbiss normalerweise zwei Personen. Foto: Lilli Förter/dpa

Während viele Menschen unter der Hitzewelle ächzen, gehört sie für andere zum Arbeitsalltag. Wie Beschäftigte im Stahlwerk, im Grillimbiss und in der Bäckerei mit den Temperaturen umgehen.

Von dpa 29.07.2026, 04:20 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Hamburg. Hitzefrei oder eine Siesta am Mittag? Für die meisten Beschäftigten in Deutschland ist das noch keine Realität. Während die Hitzewelle vielen schon in ihrer Freizeit ordentlich zusetzt, gehören hohe Temperaturen an manchen Arbeitsplätzen ganzjährig zum Alltag. Was wir von den Beschäftigten dort lernen können.

Menthol zur Abkühlung im Imbissladen

„Wenn ich hier arbeite, immer mit Spaghettiträgern“, sagt Sema Cimen. Hinter ihr brutzeln ganze Hühner auf Spießen vor einem offenen Grillfeuer. Nur durch eine Scheibe ist die kleine Küche von den Flammen abgeschirmt. Cimen ist Inhaberin eines Hähnchen-Imbisses im Hamburger Schanzenviertel. Neben der 50-Jährigen steht eine große Wasserflasche, aus der sie regelmäßig trinkt. 

Wie heißt der Grill genau ist, weiß Cimen nicht. Wenn ein Kunde kommt, öffnet sie den Ofen, schiebt ein Hähnchen vom Spieß und schmeißt den Herd an, um es noch einmal anzubraten. Daneben frittieren Pommes in brutzelnd heißem Fett.

Der Grill, der mit Gas betrieben wird, läuft den ganzen Tag.

Der Grill, der mit Gas betrieben wird, läuft den ganzen Tag. Foto: Lilli Förter/dpa

Immer, wenn gerade keine Kundschaft im Laden sei, nutze sie die Gelegenheit, um vor der Tür Luft zu schnappen. „Im Moment ist da draußen, wenn man sich hinsetzt, ein bisschen Wind.“ Normalerweise seien sie zu zweit – auch, damit sich eine Person von der Wärme am Grill erholen könne.

Pünktlich zur Hitzewelle fährt Cimen härtere Geschütze auf: Sie hat eine mobile Klimaanlage aus den Hinterräumen geholt und vorsorglich schon mal angeschlossen. Mit dem Anschalten wartet die Restaurantinhaberin noch, bis es richtig heiß wird. „Er ist ein Stromfresser und für den Körper ist es auch nicht gut. Man wird schnell krank, wenn man das die ganze Zeit hier hinstellt und laufen lässt.“

Für die Zwischenzeit sorgen andere Hausmittelchen für Abkühlung: Nach den hohen Temperaturen am vergangenen Wochenende hat sich Cimen Mentholspray gekauft, das sie im Nacken aufträgt. Damit werde jeder Windstoß zu einer kleinen Erfrischung. Auch an heißen Tagen kommt die leidenschaftliche Köchin gern in den Laden, um Hähnchen zu braten. Und empfiehlt, die Hitze nicht zu sehr an sich ranzulassen: „Als ich reinkam, habe ich mir Musik angemacht, die mir gefällt. Das ist meine Eigenschaft: Immer positiv bleiben, egal, was draußen passiert.“

Schwitzen bei 90 Grad und mehr - und dann Fußbad

Auch bestimmte Mitarbeiter des Hamburger Bäderbetreibers Bäderland müssen sich regelmäßig hoher Hitze stellen: das Sauna-Personal. Die Beschäftigten arbeiten bei Aufgüssen bei einer Temperatur von 90 Grad und mehr. „Allerdings nur für etwa acht Minuten“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel. 

Mehrere Minuten mehr als 90 Grad - auch das Sauna-Personal muss Hitze gut abkönnen. (Illustration)

Mehrere Minuten mehr als 90 Grad - auch das Sauna-Personal muss Hitze gut abkönnen. (Illustration) Foto: Lars Penning/dpa

Daher sei die Belastung dann natürlich unter dem Strich geringer, als wenn man 32 Grad Celsius oder mehr den ganzen Tag aushalten müsse. Außerdem: „Das Saunapersonal kühlt sich danach 20 bis 30 Minuten ab. Das ist bei Hitze im Freibad nur bedingt möglich.“ Einen guten Tipp hat Dietel dennoch: „Lauwarmes Fußbad. An den Fußsohlen sind viele Wärmerezeptoren. Dadurch kann dann die Wärme besser aus dem Körper entlassen werden.“ Das sei ein Sauna-Tipp gegen das Nachschwitzen. „Hilft sicher auch dieser Tage.“

Im Stahlwerk werden Oberkörper gekühlt

An den sogenannten Heißarbeitsplätzen im Stahlwerk in Hamburg werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch spezielle Kühlfunktionskleidung vor Hitze und Stahlspritzern geschützt. „Hohe Temperaturen führen zu Konzentrations- und Leistungsabfall, es kann zu Herz-Kreislaufproblemen oder auch Erschöpfung kommen“, erklärt Arne Langner, Sprecher von ArcelorMittal. 

Schon 36 Grad Celsius auf der Haut stellten eine kritische Grenze dar, weil die Temperatur im Körperinnern nicht mehr abgeleitet werden könne. Durch die Kühlwesten könnte die Körperoberflächentemperatur um 6 Grad Celsius runterreguliert werden, so dass sie im physiologischen Bereich bleibe. Der liegt bei 29 bis 31 Grad Celsius. 

Spezielle Kleidung schützt Arbeitende im Stahlwerk vor Hitze. (Illustration)

Spezielle Kleidung schützt Arbeitende im Stahlwerk vor Hitze. (Illustration) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das schone Umwelt und Körper. „Denn mit Kühlwesten wird nicht der ganze Raum gekühlt, sondern der Körper reguliert seine Temperatur selbst“, sagt Langner. Die Kühlung des Oberkörpers sei dabei am effektivsten, weil dort das Herz- und Kreislaufsystem sitze. Zudem trockneten herkömmliche Klimaanlagen Schleimhäute und Augen aus – und führten im schlimmsten Fall sogar zu einer Erkältung. 

Mit Mineralwasser und einem speziellen Getränkepulver, das beim Schwitzen verloren gegangene Mineralstoffe und Zucker enthält, versorgen sich die Mitarbeitenden zudem mit Flüssigkeit und Energie. Das funktioniere wie im Leistungssport auch, erklärt Langner.

Auch in der Backstube geht’s heiß her

Hitze außerhalb von Hitzewellen ist auch in den Backstuben der Stadt ein Thema: „Wärme ist in einer Bäckerei kein kurzfristiges Phänomen, sondern Teil bestimmter Produktionsprozesse“, erklärt die Sprecherin der Hamburger Großbäckerei Harry Brot, Kathrin Krützfeldt. Die zusätzliche körperliche Belastung durch die hohen Temperaturen in der Nähe von Öfen, Gär- und Backanlagen oder in Bereichen, in denen frisch gebackene Produkte auskühlten, erfordere ganzjährige Schutzmaßnahmen. 

„Wer regelmäßig in warmen Produktionsbereichen arbeitet, entwickelt Erfahrung im Umgang mit solchen Bedingungen. Das heißt aber nicht, dass Wärme unterschätzt werden darf“, sagt Krützfeldt. Auch erfahrene Beschäftigte müssten trinken, Pausen einhalten, auf den eigenen Körper achten und Schutzmaßnahmen konsequent nutzen.

Auch da, wo Brötchen und Brot gebacken werden, kann es sehr heiß werden. (Illustration)

Auch da, wo Brötchen und Brot gebacken werden, kann es sehr heiß werden. (Illustration) Foto: Soeren Stache/dpa/dpa-Zentralbild

„Führungskräfte und Beschäftigte sind zudem dafür sensibilisiert, Warnzeichen von Überlastung ernst zu nehmen und frühzeitig zu reagieren“, sagt Krützfeldt. Durch besondere Lüftungskonzepte, geeignete Arbeitskleidung, angepasste Pausenregelungen und Trinkmöglichkeiten werde versucht, besonders belastende Tätigkeiten zu begrenzen. 

Komme zu den ohnehin warmen Produktionsbedingungen zusätzlich eine sommerliche Hitzewelle, werde die Belastung noch einmal höher: „Dann prüfen wir die Situation besonders aufmerksam und passen Maßnahmen bei Bedarf an.“

Die Ladeninhaberin schwört zur Erfrischung auf Mentholspray.

Die Ladeninhaberin schwört zur Erfrischung auf Mentholspray. Foto: Lilli Förter/dpa

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Wieder Wal im Hafen von Wismar aufgetaucht

Erneut sorgt ein Wal im Hafen von Wismar für Aufmerksamkeit. Bereits Anfang März war hier ein großer Wal aufgetaucht und hielt in den Wochen danach nicht nur Menschen in Deutschland in Atem.