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„Bittere Bilanz“ in Hobart

Walschutzgebiet im Südatlantik scheitert erneut an Blockade

Zahlreiche Länder fordern seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Walschutzgebiet im Südatlantik. (Archivbild)

Zahlreiche Länder fordern seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Walschutzgebiet im Südatlantik. (Archivbild) Foto: Mark Baker/AP/dpa

Seit den 1990er Jahren wird um ein Walschutzgebiet im Südatlantik gerungen. Bei einer Fachkonferenz in Australien reicht es wieder nicht für die nötige Mehrheit. Auch die Schweiz sorgt für Kritik.

Von dpa 02.10.2026, 06:20 Uhr
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Hobart. Die Einrichtung eines neuen Walschutzgebiets im Südatlantik ist bei der Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart erneut gescheitert. Der von Argentinien, Brasilien und Uruguay schon Ende der 1990er Jahre eingebrachte Vorschlag verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit um vier Stimmen, wie Teilnehmer berichteten. Es wäre weltweit das dritte Schutzgebiet für Wale nach einem in der Antarktis und einem im Indischen Ozean gewesen. 

Deutschland stimmte für das Schutzgebiet. Wichtige weitere Unterstützer wie Finnland und Luxemburg seien nicht vor Ort auf der Insel Tasmanien gewesen, während die Gegner ihre Blockade aufrechterhalten hätten, teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit. 

Minderheit stellt sich gegen Mehrheit

„Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik - mehr als doppelt so groß wie die USA - hätte den Meeresschutz einen wichtigen Schritt vorangebracht und das Momentum für weitere Schutzmaßnahmen geliefert“, sagte Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace, die die Verhandlungen vor Ort begleitete. „Diese Konferenz hätte ein historischer Erfolg zum 40. Jahrestag des Walfang-Moratoriums werden können“, betonte sie. 

Doch auch im 80. Jahr des IWC-Bestehens werde der weltweite Schutz der Wale von den immer gleichen Ländern ausgebremst - darunter Norwegen, aber auch durch die Elfenbeinküste und mehrere Karibikstaaten.

Nach ihrem Austritt aus der IWC 2019 hat die Walfangnation Japan nach Einschätzung von Umweltschutzorganisationen eine Allianz aus einigen afrikanischen und karibischen Staaten geschmiedet, die nun die Interessen Tokios in der Kommission vertritt.

„Es ist empörend, dass Walfangnationen und ihre Unterstützer diesen Vorschlag in einer Region, in der sie nicht einmal selbst Wale jagen, weiterhin blockieren“, sagte Matt Collis, Experte beim International Fund for Animal Welfare (IFAW). Seit mehr als zwei Jahrzehnten stelle sich eine Minderheit gegen den Willen der Mehrheit der Anrainerstaaten.

Was macht die IWC?

Rund 300 Delegierte aus mehr als 60 Mitgliedsstaaten hatten seit Montag über den Schutz und die Nutzung von Walen beraten. Die Kommission, der insgesamt 89 Staaten angehören, wurde 1946 gegründet - ursprünglich, um den stark industrialisierten Walfang zu regulieren und die Bestände zu erhalten. Trotz des 1985/86 in Kraft getretenen weltweiten Moratoriums für den kommerziellen Walfang halten Norwegen, Island und Japan bisher an der kommerziellen Jagd fest.

Norwegen betonte erneut, Wale müssten grundsätzlich nutzbar sein. Die isländische Regierung hatte zuletzt hingegen angekündigt, im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den kommerziellen Walfang in isländischen Gewässern dauerhaft beenden könnte.

Schweiz zieht eigene Resolution zurück

Die Schweiz hatte bereits am Mittwoch eine von ihr selbst eingebrachte Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurückgezogen - noch bevor die bereits angesetzte Arbeitsgruppe über Änderungen am Text verhandeln konnte. 

Die Schweiz hat eine Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen wieder zurückgezogen. (Archivbild)

Die Schweiz hat eine Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen wieder zurückgezogen. (Archivbild) Foto: Liu Lei/XinHua/dpa

„Das Verhalten der Schweiz ist absolut nicht nachvollziehbar und ein schwerer Schlag für den Artenschutz: Die Resolution hätte die erforderliche Mehrheit problemlos erreicht“, sagte die Meeresschutz-Expertin Mona Schweizer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Die Gründe für den Rückzug blieben unklar.

„Bittere Bilanz“

Greenpeace sprach von einem „völlig unverständlichen Schritt“. Über 100 000 Delfine und Kleinwale würden jährlich durch gezielte Jagd getötet - denn das Moratorium für kommerziellen Walfang gelte nur für Großwale. Daran werde sich nun auch weiterhin nichts ändern. „Für ein Jubiläumsjahr ist das eine bittere Bilanz“, betonte Pro Wildlife.

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