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Kanzler zurück in der Schule

Warum das Abi-Zeugnis des Kanzlers unter Verschluss ist

Beim Deutschen Schulpreis gab es für Merz endlich mal positive Impulse. (Archivfoto)

Beim Deutschen Schulpreis gab es für Merz endlich mal positive Impulse. (Archivfoto) Foto: Fabian Sommer/dpa

Der Kanzler kehrt heute an das Gymnasium zurück, an dem er vor 51 Jahren Abitur gemacht hat. Wird er den Schülern seine Note verraten? Bisher gibt es dazu nur Andeutungen von ihm. Aus gutem Grund.

Von Michael Fischer, dpa 05.10.2026, 04:35 Uhr
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Berlin. Es ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des Bundeskanzlers. „Mein Abiturzeugnis liegt bei mir zu Hause im Tresor und kommt auch nicht raus“, antwortet der Sauerländer Anfang vergangenen Jahres im „Zeit“-Podcast „Alles gesagt?“ scherzhaft auf die Frage nach seiner Abiturnote. Er liefert dafür auch eine Begründung: „Ich habe mittlerweile Enkelkinder, die auf die Schule gehen, und ich möchte, dass denen die Motivation erhalten bleibt.“

3,8? Wirklich?

Auf Nachhaken verrät der 70-jährige Großvater von sieben Enkeln dann aber doch noch, wo ungefähr sein Abi-Schnitt liegt - nämlich ganz unten. Als die Zahl 3,8 fällt, sagt er: „Gehen Sie mal davon aus, dass es in dieser Bandbreite war.“ Auf die ungläubige Nachfrage „3,8?“, antwortet er dann nur noch: „So, lassen wir es dabei.“

3,8 ist so ziemlich die schlechteste Note, die man beim Abitur erreichen kann, ohne durchzufallen. Und Merz‘ Heimatland Nordrhein-Westfalen war schon damals dafür bekannt, nicht gerade die härtesten Abi-Standards zu haben.

Merz hatte einfach „keinen Bock“ auf Schule 

Heute kehrt der Kanzler an die Schule zurück, an der er nach einmal Sitzenbleiben und einem Schulwechsel wegen Disziplinlosigkeit mit 19 dann doch noch die allgemeine Hochschulreife erreicht hat: an das Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen im Sauerland.

Die Schule wird 100 Jahre alt, und der Kanzler tritt aus diesem Anlass in der Reihe „Ehemalige erzählen“ auf. Das Gespräch mit Schülern findet hinter verschlossenen Türen statt, es kann also offen geredet werden. Und es ist gut möglich, dass er dann noch einmal gefragt wird, warum er eigentlich so ein schlechter Schüler war.

In dem Podcast spricht er darüber, dass er damals keine Disziplin und „echte Motivationsprobleme“ gehabt habe - und einen Freundeskreis, „der mich da eher zusätzlich demotiviert hat“. Er habe ganz einfach „keinen Bock“ auf Schule gehabt. 

In seiner Rede wirkte er aufgekratzt.

In seiner Rede wirkte er aufgekratzt. Foto: Fabian Sommer/dpa

Mit dem „Stöckchen“ vom Lehrer verprügelt

Auch die Lehrer hätten nicht gerade zur Motivation beigetragen - im Gegenteil. „Wir hatten noch Lehrer, die Weltkriegsteilnehmer waren. Einer der Lehrer warf beständig mit seinem schweren Schlüsselbund durch die Klasse“, erzählt Merz über seine Grundschulzeit in den 1960er Jahren. 

Es habe damals noch die Prügelstrafe gegeben. Er selbst sei „mit dem Stöckchen auf die Finger und auf den Hintern“ geschlagen worden. Das sei in der dritten Klasse gewesen. „Ich kann mich an den damaligen Lehrer erinnern, eigentlich ein Pfundskerl, aber jemand, der auch zum Stöckchen griff.“ Erst 1973 wurde die Prügelstrafe in fast allen Bundesländern verboten, nur in Bayern gab es sie noch ein paar Jahre länger. 

Merz gründete 2005 eigene Stiftung für Bildung 

Vielleicht sind es die eigenen Erfahrungen als Schüler, die Merz 2005 nach seinem zwischenzeitlichen Ausscheiden aus der Politik dazu brachten, zusammen mit seiner Frau eine eigene Stiftung für Bildung und Ausbildung zu gründen - die Friedrich und Charlotte Merz-Stiftung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen aus sozial schwachen Familien mit besonderen Projekten Hilfestellung in Schule und Ausbildung zu geben.

Als Kanzler hat er sich nun vorgenommen, sich auch ganz persönlich mehr in der Bildungspolitik zu engagieren. Er sehe es als „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft“ an, dass Kinder und Jugendliche eine gute Ausbildung bekommen, sagt er vergangene Woche bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin. 

Kanzler will jetzt wieder mehr in die Schulen gehen

Merz wirkt bei der Veranstaltung aufgekratzt. Man merkt ihm an, dass es hier um etwas geht, das ihm ganz persönlich wichtig ist. Lehrerinnen und Lehrer bezeichnet er - vielleicht auch vor dem Hintergrund eigener schlechter Erfahrungen - als „die wichtigste Berufsgruppe“ des Landes. „Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder“, sagt er als Vater und Großvater. Und er würdigt den Enthusiasmus der anwesenden Schülerinnen und Schüler, der ihm selbst nicht gegeben war. „Ich freue mich, wenn ich diese strahlenden, optimistischen Gesichter von Euch sehe.“ 

Und am Ende kamen ihm die Tränen. (Archivfoto)

Und am Ende kamen ihm die Tränen. (Archivfoto) Foto: Fabian Sommer/dpa

Nach seiner Rede fragt ihn die Moderation, ob er angesichts dieser ganzen positiven Impulse nicht selbst noch einmal Lust bekomme, in die Schule zu gehen. Da verschränkt der Kanzler die Arme und sagt: „Ehrlich gesagt, ich hatte dazu selten Lust“ - als Schüler. Aber als Kanzler werde er nun wieder mehr in die Schulen gehen. Was er beim Schulpreis gesehen habe, sei für ihn „eine großartige Motivation“. 

Als er dann den Preis an die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule aus Mörfelden-Walldorf in Hessen übergibt und ihm gleich mehrere Lehrerinnen der Schule dafür um den Hals fallen, kommen ihm sogar ganz kurz die Tränen.

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