Gelenkschmerzen: Diagnose Arthrose – Was nun?

STADE. Millionen Deutsche leiden an einer Arthrose, einem schmerzhaften Verschleiß der Gelenke. Ist der Leidensdruck groß, gelten Prothesen als letzter Ausweg. Welche Alternativen es zu einem künstlichen Gelenkersatz gibt, weiß Jörg Witwity, Chirurg und Chefarzt der Stader Klinik Dr. Witwity.

Arthrose trifft niemanden von heute auf morgen. Der Gelenkverschleiß entwickelt sich über Jahre. „Eine Arthrose wird häufig erst erkannt, wenn sie weit fortgeschritten ist“, sagt Jörg Witwity, der in seiner  Fachklinik für arthroskopische Gelenkchirurgie jedes Jahr mehr als 2000 Eingriffe sowohl an Privat- als auch an Kassenpatienten vornimmt. 

Im Grunde kann Arthrose  alle Gelenke treffen, am häufigsten betroffen sind Hüfte, Knie und Schulter. Arthrose-Patienten klagen über bohrende oder stechende Schmerzen. Mitunter „knirschen“ die Gelenke bei Bewegung. Im Verlauf einer Hüft- oder Kniearthrose kommt es zu Steifheit und Anlaufschmerzen, also Schmerzen, die zu Beginn des Laufens auftreten. „Die Bewegungsfähigkeit des Gelenks nimmt ab. Irgendwann schmerzt es nicht nur beim Treppensteigen, bei der Arbeit oder beim Sport, sondern auch in Ruhepositionen und nachts“, erklärt Witwity. 

Am Anfang der Arthrose steht der Knorpelschaden

Gelenke müssen teils großen Belastungen standhalten. Knorpelgewebe sorgt dafür, dass sie das können. Es überzieht die Gelenkknochen wie eine Schutzschicht und verhindert, dass sie aufeinander reiben. Der Knorpel ermöglicht die reibungslose Bewegung des Gelenks, er dämpft Belastungen und Stöße. Das Problem: „Ist der Gelenkknorpel beschädigt, heilt er nicht von allein. Je mehr er sich abnutzt, desto größer wird der Druck auf den Knochen“, erklärt Witwity, „bis das Gelenk Belastungen ungeschützt ausgesetzt ist.“ 

Knorpelschäden können, altersbedingt durch Belastung (Sport, Beruf, Übergewicht), oder nach Unfällen auftreten. Weil Knorpelgewebe nicht regeneriert, führen tiefergehende Knorpelschäden, wenn sie unbehandelt bleiben, zu einer Arthrose. „Leider werden die Veränderungen im Knorpel meist erst entdeckt, wenn das Gelenk schmerzt“, sagt Witwity. Welche Behandlung eines Knorpelschadens die beste sei, hänge entscheidend von dem Ausmaß des Knorpelschadens ab. 

Klassifikation nach Schweregraden

  • Grad I: Knorpelerweichung, intakte Oberfläche
  • Grad II: oberflächliche Risse des Knorpels
  • Grad III: tiefgreifende Risse des Knorpels
  • Grad IV: vollständiger Knorpeldefekt, Knochen liegt frei

Bioprothese: körpereigener Ersatzknorpel

„Die Diagnose einer Arthrose, auch einer schweren, bedeutet nicht, dass ein künstliches Gelenk unausweichlich ist“, sagt der Chirurg. „Bevor wir eine Prothese einsetzen, stehen uns in unserer Fachklinik mehrere Verfahren zur Verfügung, um eine Arthrose erfolgreich zu therapieren und das eigene Gelenk zu erhalten.“ 

Eine davon: die Bioprothese fürs Gelenk. Bei diesem Verfahren, das die Stader Klinik mit entwickelt hat, nutzen Witwity und seine Kollegen die Eigenschaften körpereigener Stammzellen. Im Rahmen einer Arthroskopie (Kniespiegelung), bei der wenige Millimeter lange Schnitte am Gelenk gemacht werden, um eine kleine Kamera und andere Instrumente für die Behandlung in die Gelenkhöhle einzuführen, stimuliert der Chirurg den Knochen millimetergenau mit einer Art Fräse, bis aus den Blutkanälen im Knochen Stammzellen herausquellen.

Schonender Eingriff

Aus ihnen bildet sich im Laufe von etwa drei Monaten ein Blutkuchen, ein neues knorpeliges Gewebe, das den Knorpeldefekt versiegelt. Patienten entlasten das Gelenk nach dem Eingriff für sechs bis zwölf Wochen, ehe sie mit dem Kraft- und Mobilisierungstraining starten. Nach einigen Monaten steht auch sportlichen Aktivitäten nichts mehr im Wege.

Weil dieser vom Körper des Patienten selbst hergestellte Ersatzknorpel den ursprünglichen nahezu perfekt ersetzt, wird er Bioprothese genannt. Die Vorteile liegen auf der Hand: schonender Eingriff, kein körperfremdes Material, das Gelenk bleibt erhalten. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Bioprothese.

Die Klinik Dr. Witwity hat diesen Eingriff bereits in mehr als 50.000 Fällen erfolgreich durchgeführt.„Arthrosepatienten mit tiefgreifendem Knorpelschaden (Grad IV) bietet die Bioprothese einen vergleichsweise schonenden Ausweg aus der Schmerzhölle“, sagt Witwity. Sollte die Bioprothese wider Erwarten nicht den gewünschten Erfolg bringen, sei es ohne weitere Risiken möglich, einen künstlichen Gelenkersatz einzusetzen. 

Knorpelzell-Transplantation: körpereigener Knorpel aus dem Labor

Jörg Witwity: „Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, defekten Knorpel tatsächlich neu aufzubauen. Wir transplantieren körpereigenen Gelenkknorpel, um den Knorpelschaden zu beheben und die Arthrose zu unterbinden.“ Bei der Knorpelzell-Transplantation entnimmt der Chirurg dem Gelenk ein Stück Knorpel aus einem weniger belasteten Teil. Aus diesem entstehen anschließend im Reagenzglas viele neue Knorpelzellen. „Wir vermehren den körpereigenen Knorpel.“

Bei einer zweiten Arthroskopie werden sechs Wochen später die neuen Knorpelzellen in den Defekt gegeben, wo sie sich an den Knochen heften und vermehren. Acht bis zwölf Wochen später ist vom Knorpelschaden nichts mehr zu sehen, eine ebene Fläche ist entstanden. „Dieses natürliche Verfahren basiert auf körpereigenen Zellen, sodass Abwehrreaktionen ausgeschlossen sind“, sagt der Mediziner. Auf diese Weise würden auch größere Knorpelschäden erfolgreich therapiert. „Eine vollständige Heilung ist möglich.“ Grundsätzlich wird eine Knorpelzelltransplantation am Knie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. 

Osteotomie: Knochenumstellung nimmt Belastung vom Gelenk

Eine isolierte Behandlung eines Knorpelschadens sei in vielen Fällen wenig nachhaltig, betont Witwity. Eine X- oder O-Beinstellung beispielweise führe zu einer einseitigen Belastung des Kniegelenks, in deren Folge das Gelenk verschleißt. Daran ändere die Therapie des Knorpelschadens allein nichts. „Mit einer Knochenumstellungsoperation stellen wir die Beine gerade und verteilen die Belastung gleichmäßig auf das Knie, um die Arthrose zu stoppen.“

Am ersten Tag nach dem arthroskopischen Eingriff können die Patienten aufstehen, nach etwa vier bis sechs Wochen können sie die Beine in der Regel ohne Gehstützen voll belasten. Sport und andere stärkere körperliche Aktivitäten sind nach einem halben Jahr möglich.

Kontakt zum Experten aufnehmen

Klinik Dr. Witwity
Neubourgstraße 4
21682 Stade

Tel: 0 41 41/95 90
E-Mail: info(at)arthroclinic-witwity.de
Web: www.arthrose-klinik-witwity.de

Praxis Jörg Witwity
Neubourgstraße 4
21682 Stade

Tel.: 0 41 41/78 91 191
E-Mail: info(at)chirurgische-ambulanz-stade.de
Web: www.chirurgische-ambulanz-stade.de

Jörg Witwity, Chefarzt der Stader Klinik Dr. Witwity.

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