25.12.2019, 09:00
Jahresrückblick: Fußball-Farce beim BSV

In der laufenden Fußballsaison spielt der Buxtehuder SV keine Rolle mehr. Der große Sportverein hat seit Ende der vergangenen Saison keine Ligamannschaften mehr. Ein interner Streit zwischen den Fußballverantwortlichen und dem Vereinsvorstand endete im Debakel.

Der erste Tag in der Redaktion nach meinem alljährlichen Winterurlaub ist stets ruhig und von Einarbeiten ins aktuelle Tagesgeschäft geprägt. Im März 2019 liegt ein Zettel auf meiner Tastatur. Ich solle bei René Klawon anrufen, stand da geschrieben, weil beim BSV irgendwas im Busch sei. Ich dachte mir nicht viel dabei. Ich wählte kurzerhand die Nummer. Klawon, der seit 2009 mit seinem Team für den leistungsorientierten Ligafußball beim BSV verantwortlich war, und ich haben immer ein offenes Verhältnis geführt, auch inklusive gegenseitiger sachlicher Kritik.

Klawon berichtete mir dann sogleich, wie vertrackt und zugespitzt die Situation nun Anfang März ist und dass am 6. März die Abteilungsversammlung ist. Klawon wollte, dass ich mir vor Ort ein Bild mache. Dass dies nicht üblich sei und ich vom Vorstand nicht gern gesehen bin, folgte als Ausladung nur kurze Zeit später. Der Beginn einer dreimonatigen Farce, die am Ende nur Verlierer kannte.

Unmittelbar nach der Abteilungsversammlung veröffentlichte ich eine ganze Seite über den desaströsen Ist-Zustand. Das Klawon-Team hatte Vertragskündigungen eingereicht, Mitglieder traten aus, die Abteilung stand ohne Führung da, weil Abteilungsleiter Karl-Heinz auf`m Kampe nicht mehr zur Wahl stand. Die Fußballverantwortlichen fühlten sich vom Vereinsvorstand beschnitten und gegängelt. Es drehte sich ums liebe Geld. Der Ligabetrieb durfte sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr selbst durch ein Marketing verwalten und über ein Unterkonto, mittlerweile stillgelegt, hatte die Fußballabteilung Schulden angehäuft.

Vorstand zeigte sich wenig auskunftsfreudig

Klawon räumte Fehler ein. Sein größter Fehler sei aber gewesen, dass er seinerzeit gegenüber dem Verein kleinbeigegeben habe. Er musste alle Einnahmen, inklusive der nicht geringfügigen Sponsorengelder, an den Verein abführen. Wegen jeder Kleinigkeit müsse er zur Geschäftsführung rennen, so Klawon, als Manager sei er komplett beschnitten. Klawon und sein Team bestanden somit kompromisslos darauf, als Verantwortliche ihre alten Handlungsfähigkeiten zurückzubekommen.

Der Vorstand um die damalige Geschäftsführerin Stefanie Teske (mittlerweile Vorstand) war von dem öffentlich ausgetragenen Streit wenig amüsiert und wenig auskunftsfreudig. Teskes Stellungnahmen waren stets „satzungsbedingt“. Dass der anwesende Vorstand bei der Abteilungsversammlung sagte, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden solle und dass Fußball ein Hauptbestandteil des Vereins sei – am Ende leere Worte. Obwohl sich alle Beteiligten Anfang März „gesprächsbereit“ erklärten, folgte nach einem wenig konstruktiven Hin und Her das unausweichliche Aus.

Die Fußballverantwortlichen hatten ihren Standpunkt: Wenn der Verein weiterhin leistungsorientierten Fußball wolle, müsse er den Machern Zugeständnisse machen. Die Vereinsverantwortlichen zeigten sich „satzungsbedingt“ nicht handlungsfähig. Am Ende war es den Fußballern selbst zu dumm geworden. Die Landesligamannschaft trat geschlossen zurück. Daraufhin zog der Verein die Mannschaft vor dem letzten Spieltag zurück. Eine neue Mannschaft müsste nun in der Kreisklasse starten.

Mein Moment 2019

Jan Bröhan hat den Buxtehuder SV als Sportredakteur seit 2004 begleitet, von der Oberliga in die Bezirksliga und zurück. Das Aus verursachte Kopfschütteln.

Alle Artikel zum Jahresrückblick gibt es unter: www.tageblatt.de/specials/jahresrueckblick

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