Aus für Beachbar am Bassenflether Strand
"Wir sind bereit“, sagen Rosita Chorengel, Tochter Kania und Sabine Reichow (von links) und zeigen wieder verwendbare Flaschen. Der Wagen ist neu hergerichtet. Foto: Lankuttis
Sommer, Sonne, Strand – das lässt sich in Bassenfleth wunderbar erleben. Nur an der Infrastruktur hapert es. Rosita Chorengel und Sabine Reichow wollen das ändern und eine Beachbar am Bassenflether Strand einrichten. Vergeblich.
Der Gemeinderat Hollern-Twielenfleth ist von der Idee begeistert. Doch das Projekt scheitert bislang an den Bauvorschriften. Der Landkreis Stade verlangt, einen aufwendigen Bebauungsplan aufzustellen. Die Idee: Dabei handelt es sich um einen Imbisswagen für Getränke und kleine Snacks und einen Toilettenwagen auf einem privaten Grundstück, das bis an die Wasserlinie reicht. Mit einem leckeren Cappuccino unterm Sonnensegel oder einem Eis mit Erdbeeren und Blick auf die Elbe ließe sich gut chillen, sagt Chorengel. Außerdem sei es unwürdig, sich für die Notdurft in die Büsche schlagen zu müssen.
Sie würden außerdem den Strand sauber halten und kein Einweggeschirr benutzen. „Wir schaffen keine Probleme, sondern lösen welche“, sagt die Dollernerin. Von einer Holzterasse haben die beiden mittlerweile abgesehen. „Alles ist in zwei Stunden abbaubar.“ An den Wochenenden würden sie gerne Kulturarbeit für die Gemeinde anbieten, ein Drachenfest, Lesungen oder eine Strandmodenschau. „Wir haben hunderttausend Ideen“, sagt Reichow. Der Strand soll zu einem Treffpunkt werden.
Die Betreiberinnen: „Wir lieben diesen Strand, aber uns fehlt hier was“, sagen die beiden Freundinnen, die selber gerne den Sommer in Bassenfleth genießen. Sie kennen Beachbars nicht nur aus Hamburg. Die Dollernerin Chorengel hat auf Ibiza, die gebürtige Horneburgerin Reichow lange in den Niederlanden an der Nordsee gelebt. Unterstützt von Familien, Freunden und einer Fachkraft wollen sie das Strandcafé betreiben. „Wir sind ein Team von Endfünfzigern, die kreative Aufgaben kurz vor der Rente suchen.“
Gemeinsam haben sie einen alten Imbisswagen gekauft, selber neu ausgebaut und folieren lassen. Von einem „Herzensprojekt“ spricht Chorengel. Die Marketing- und Kommunikationswirtin, die jetzt bei einer Zeitung arbeitet, hat schon als Projektleiterin einer Messe gerne Events organisiert. Mit viel Schwung haben die beiden das Projekt, das im Mai starten sollte, vorangetrieben und noch nicht aufgegeben.
Die Reaktionen: „Wir sind bei den Behördengängen und im Gespräch mit Leuten aus der Region auf so viele leuchtende Augen gestoßen“, erzählen die Initiatorinnen. „Es täte uns leid für die vielen netten Leute, die sich schon auf mehr Lifestyle im Alten Land gefreut haben.“
Viel Zustimmung, unter anderem vom Grundstücksbesitzer, Bürgermeister, Ordnungsamt und der Firma Pape Logistics, haben die 58-Jährigen erfahren, bis das Bauamt des Landkreises ihnen eine Absage erteilte und einen teuren und langwierigen Weg aufzeigte: Die Gemeinde muss für den Bereich einen Bebauungsplan aufstellen. Ob der genehmigt würde, ist offen. Dafür muss zudem die Samtgemeinde den Flächennutzungsplan ändern. Dann erst könnte die Baugenehmigung beantragt werden.
Dass ihr mobiler Imbiss-Trailer auf Rädern als Bau eingestuft wird, leuchtet den Betreiberinnen nicht ein. Als sogenannte „Fliegende Bauten“ könnte der Hänger mit einer Fläche von acht Quadratmetern als privilegiertes Vorhaben deklariert werden, meinen sie. „Es gäbe doch auch Ausnahmeregelungen, wenn man denn nur wollen würde.“
Doch am Strand als sogenannten Außenbereich gelten verschärfte Vorschriften. Darauf weist Landkreis-Sprecher Christian Schmidt auf Anfrage hin. „Da für den Betrieb eines Imbisswagens zumindest gewisse bauliche Anlagen wie etwa ein Stellplatz erforderlich sind und dieser im Außenbereich nicht ‚privilegiert‘ ist, muss dafür zunächst das Planungsrecht geschaffen werden.“
Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Timo Gerke findet das Projekt „genial“. Der Gemeinderat unterstütze die tolle Sache in jeder Form. Laut Beschluss sei der Rat auch bereit, einen B-Plan aufzustellen, könne ihn aber nicht finanzieren. Gerke schätzt die Kosten auf 20 000 Euro.
Der Deichverband: Als Alternative haben sich die Initiatorinnen einen Eisverkauf vor dem Deich überlegt. Doch das erlaubt der Deichverband nicht. Die Fläche des Parkplatzes gehört dem Deichverband, der sie kostenlos an die Gemeinde verpachtet hat. Verkaufsstände seien laut Vertrag nicht zugelassen, sagt Oberdeichrichter Klaus Jarck. „Wir wollen keine Aufwertung der Fläche“, sagt Jarck. „Dann kommen noch mehr Leute. Wir haben schon Ärger genug.“ Über die zugeparkte Straße, Staub und Müll beschwerten sich die Anwohner jetzt schon.
Es sei auch schon lange mit der Gemeinde vereinbart, dass eine Aufwertung des Strandes nicht gewünscht werde. Mehr Leute, mehr Müll ist seine Befürchtung. In einem möglichen Bebauungsplanverfahren würde er eine Stellungnahme abgeben, weil der Weg zu dem Privatgrundstück über den Deich führt. Veranstaltungen im Außendeich sieht er „skeptisch“. Besucher würden nicht die regulären Übergänge, sondern einfach den kürzesten Weg über den Deich laufen. „Die Menschen kommen sowieso an den Strand“, meint Rosita Chorengel enttäuscht: „Nur den Wohlfühlfaktor will man so gering wie möglich halten. Das ist eine Verwaltung am Bürger vorbei.“
Rosita Chorengel und Sabine Reichow laden ihre Unterstützer zu einer Offensive an den Strand von Bassenfleth ein. Am Mittwoch, 19. Juni, ab 17 Uhr sollen alle Befürworter der Beachbar kommen. Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Timo Gerke unterstützt die Aktion. Chorengel und Reichow sorgen für Snacks und Getränke. Das Grundstück liegt am östlichen Anfang des Strandes.