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Corona-Pandemie

TDas lange Warten auf die Ware

Neuwagen stehen zur Verschiffung bereit – allerdings übersteigt die Nachfrage mitunter das Angebot, lange Wartezeiten sind die Folge.

Neuwagen stehen zur Verschiffung bereit – allerdings übersteigt die Nachfrage mitunter das Angebot, lange Wartezeiten sind die Folge.

In der Corona-Krise ist häufig Geduld gefragt – auch und vor allem bei bestellten Waren. Ob Auto oder Fahrrad, Küche oder Bürostuhl, Kopierer oder Spielekonsole – wochenlange Lieferzeiten sind keine Seltenheit. Ein Hauptproblem sind die Container.

Von Anping Richter Sonntag, 14.03.2021, 19:30 Uhr

Was Händler und Kunden im Landkreis Stade umtreibt, lässt sich in ganz Europa beobachten: Es gibt in vielen Bereichen massive Lieferverzögerungen. Und die Gründe dafür sind vielfältig. „Schwankungen von Angebot und Nachfrage, nicht nur durch die Corona-Krise, führen zu längerfristigen Verwerfungen“, weiß Hubert Bühne, Leiter International und Service bei der IHK Stade. Schon im Zusammenhang mit dem ersten Corona-Lockdown gab es Lieferprobleme. Aus China wurden kaum mehr Container Richtung Europa geschickt. Dann ging Europa in den Lockdown, und es wurden keine Container Richtung China geschickt, auch keine leeren. Nun herrscht dort akuter Containermangel, was sich auf die Lieferungen auswirkt – und auf die Preise. Hinzu kommt in einigen Bereichen steigende Nachfrage.

Elektrische Geräte und Elektronik

„Laptops, Drucker, Webcams – bei allem, was den Homeoffice-Bereich betrifft, war der Ansturm riesig“, berichtet Andre Seifert von Expert Bening in Stade. Die komplette Wirtschaft arbeite noch Bestellungen ab. Das betrifft auch Geräte zum Backen und Kochen – ein Trend in Zeiten des Zuhausebleibens. Ebenso Spielekonsolen, und zwar nicht nur die Playstation 5. „Ich habe Kunden, die warten bis zu drei Monate auf einen bestimmten Kühlschrank“, berichtet Seifert. Wenn sie offen für Alternativprodukte seien, sei es aber fast immer möglich, eine Lösung zu finden.

Das bestätigt auch Ulrich Wiegel von Euronics Wiegel in Buxtehude und Harsefeld. Er rät seinen Kunden dazu, flexibel zu sein und sich nicht auf ein bestimmtes Modell zu fixieren. Das sei der Vorteil des stationären Handels: Wer online bestelle, müsse sich derzeit oft immer wieder vertrösten lassen, habe aber keine Alternative. Wiegel versucht, im Vorlauf zu bestellen, um möglichst etwas da zu haben. Seine Lagerkapazitäten seien aber begrenzt, und er habe auch seit mehr als einem halben Jahr ein erhebliches Problem, zu disponieren. Selbst die Stammlieferanten könnten nicht mehr hundertprozentig liefern. Die Umsätze sind gestiegen, einige Küchengeräte-Hersteller produzieren aber nicht mit voller Kraft.

Das Homeoffice bringt es mit sich: Die Nachfrage bei Bürobedarf ist stark gestiegen, vor allem bei Bürostühlen.

Das Homeoffice bringt es mit sich: Die Nachfrage bei Bürobedarf ist stark gestiegen, vor allem bei Bürostühlen.

Büroausstattung

Es gibt einen Nachfrage-Boom bei Kopierern, Druckern und Multifunktionsgeräten, sagt Helmut Schulze von Schulze Bürobedarf in Buxtehude. Wer jetzt einen kleinen Kopierer einer bestimmten Marke haben möchte, könnte Pech haben. Oft kann er aber gleichwertige Alternativen anbieten. Auch bei ergonomischen Stühlen gebe es bereits Lieferverzögerungen: „Ein skandinavischer Hersteller berichtet, dass es auf dem Weltmarkt plötzlich an Stahl fehlt.“ Schulze hat ein großes Lager, vorsorglich einiges bestellt und kann dadurch vieles auffangen. Erst waren fürs Homeoffice unverzichtbare Geräte gefragt, jetzt, so glaubt Schulze, habe der Nachfrageschub bei Bürostühlen gerade erst angefangen.

Möbel

„Nicht nur Stahl, auch Holz wird allmählich Mangelware“, weiß Arndt Grube von Möbel Jähnichen in Stade. Bei Küchengeräten arbeiten sie oft mit zwei Terminen: einem für den Aufbau der Küche, einem für den Einbau der Geräte. Es komme sogar vor, dass Importeure ihre Jahresvereinbarungen aufkündigen, vor allem bei Produkten aus Asien, denn: Durch die Engpässe beim Containertransport und teilweise um das Vierfache gestiegenen Frachtpreisen lohne sich die Sache für sie oft kaum noch. Außerdem habe sich in Folge des Lockdowns viel aufgestaut: „Die Masse an Ware, die jetzt benötigt wird, kann in den Lagern gar nicht vorgehalten werden.“

Wie bei Jähnichen werden auch bei Möbel Dreyer in Buxtehude Kunden vorgewarnt, wenn es länger dauern kann, berichtet Christian Dreyer. Sein Geschäft sei aber nicht so stark betroffen, weil der Anteil deutscher Produktion sehr hoch sei. Eine in Deutschland produzierte Einbauküche habe Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen. Aber Ware aus Indien oder China könne von den Lieferkettenproblemen schon betroffen sein.

Fahrräder

Thomas Ropers von L&M in Apensen weiß, dass die ganze Fahrradbranche stark von Lieferengpässen betroffen ist, „wir natürlich auch“. Vor allem Ersatzteile fehlen – „wie alles, was aus Asien und per Schiff kommt“. Dabei sei die Nachfrage stark gestiegen: „Zurzeit sind Reisen, Konzerte oder Theater ja nicht drin – aber Fahrradfahren geht immer.“

Nicht erst seit der Corona-Krise im Trend, aber seit den Lockdowns noch begehrter: Fahrräder . Fotos: dpa

Nicht erst seit der Corona-Krise im Trend, aber seit den Lockdowns noch begehrter: Fahrräder . Fotos: dpa

Autos

„Bei mir stehen seit Januar zwei Fahrzeuge auf dem Hof und warten auf Bauteile für Fensterheber“, berichtet Ulrich Tietjen, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung im Landkreis Stade, der selbst Autohäuser in Stade, Buxtehude und Harsefeld betreibt. Auch die Rückmeldungen seiner Kollegen aus der Branche zeigten: „Engpässe gibt es zurzeit überall, von Ersatzteilen bis zu Neuwagenlieferungen.“

Skoda beispielsweise sei von Tschechien abhängig, wo die Produktion verlangsamt laufe, weil das Land stark von Corona betroffen ist. Aber auch bei anderen Konzernen und Zulieferern sei die Taktung langsamer geworden, teilweise krankheitsbedingt, aber auch aus Mangel an Halbleitern. Nicht nur Mikrochips, wichtig in der Steuerung von Bremssystemen oder Motoren, sind weltweit knapp.

Logistik

Bedingt durch die aktuelle Situation gibt es an nahezu jeder Grenze Probleme, berichtet der Logistik-Unternehmer Andreas Meyer aus Bremervörde, der auch Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses ist.

Viele Branchen, gerade die Elektronik- und Elektro-Zulieferer, seien auf Importe aus Fernost angewiesen, wo Flug- und Schiffsverkehr pandemiebedingt stark eingeschränkt und reglementiert sei. Bei einfachsten Ersatzteilen und Komponenten kommt es so zu deutlichen Verzögerungen, was wiederum die Lieferzeiten in allen Bereichen massiv verlängert. Auch wegen der Schließung des Einzelhandels hatten Fabriken ihre Produktion heruntergefahren.

Lockdown-Zeit bedeutet auch mehr freie Zeit – etwa zum Daddeln. Spielekonsolen sind derzeit nachgefragt.

Lockdown-Zeit bedeutet auch mehr freie Zeit – etwa zum Daddeln. Spielekonsolen sind derzeit nachgefragt.

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