Neue Jazzbar belebt das Fleth
Jan Sauerwein holt den Jazz ans Fleth : Am Sonnabend eröffnet er im ehemaligen „Friends“ die neue Jazzbar „Bebop“. Foto Richter
Es soll eine neue Kultstätte in Buxtehude werden: Der Fotograf und Wahl-Buxtehuder Jan Sauerwein eröffnet am Sonnabend in der seit langem leerstehenden Kneipe „Friends“am Ostfleth das „Bebop“– eine Jazzbar, in der die Musik eine Hauptrolle spielen soll.
Zur Einführung serviert Jan Sauerwein einen doppelten Donny Hathaway. Das ist kein Drink, sondern ein Soulsänger, der als großformatiges Gemälde an der Wand hängt. Das Live-Album von 1972, dessen Cover als Vorlage für das Werk des Trommlers und Künstlers Roberto Doku diente, dreht sich auf dem Plattenteller.
Jazz und Soul, die in Großstadtclubs zurzeit ein Comeback erleben, werden in Sauerweins neuer Jazzbar „Bebop“ die Hauptrolle spielen. Seine Plattensammlung und zwei Plattenspieler stehen hinter dem Tresen der Kneipe, die Sauerwein jazzgerecht überarbeitet hat. Die Wände hat er teils mit echten Notenblättern tapeziert, teils in elegantem Grau gestrichen und mit Instrumenten vom Tenorhorn bis zur Jazzgitarre behängt. Ein Jugendstilklavier und ein funktionstüchtiges Trichtergrammophon, auf dem nach ausreichendem Kurbeln Schellackplatten die 20er Jahre heraufbeschwören, komplettieren die musikalische Ausstattung.
Den 33-jährigen Hamburger Fotografen hat es durch einen Kontakt zu dem Buxtehuder Fotografen Jan Iso Jürgens hierher verschlagen. Die beiden eröffneten am Westfleth gemeinsam ein Studio. Seither gehören Jürgens und Sauerwein mittags bei gutem Wetter zum Stadtbild. Dann sitzen sie vor der Tür in der Sonne.
Sauerwein hat dabei oft auf leerstehende Lokale geschaut: Das ehemalige Restaurant Voss steht seit Jahren leer, ebenso das darunterliegende Ladengeschäft. Die Kneipe „Friends“ war schon seit mehr als einem Jahr geschlossen, und genau die machte Jan Sauerwein nachdenklich.
Er ist zwar Fotograf, aber Musik hat ihn immer interessiert. Schon als kleiner Junge lernte er Trompete spielen, als Fotograf ist Bühnenfotografie bei Konzerten sein Steckenpferd. „Eigentlich bin ich darüber zum Jazz gekommen“, sagt Sauerwein. In der Buxtehuder Kultkneipe „Opi“, wo er einige Zeit an den Wochenenden hinterm Tresen stand, führte er einen Vinyl-Plattenspieler ein und beobachtete, wie andere Musik nach und nach auch anderes Publikum anzog – und auch, wie Leute, die sich nie mit Jazz auseinandergesetzt hatten, ihn plötzlich für sich entdeckten.
Nachdem Freunde, die ebenso wie er Jazz und Soul mögen, ihm gut zuredeten, beschloss Sauerwein, das leerstehende „Friends“ zu übernehmen. Im neuen „Bebop“ soll seine Plattensammlung jetzt zum Großeinsatz kommen: In diagonal entgegengesetzten Ecken des Ladens stehen zwei Klipschorn-Standlautsprecher – Legenden der Audio-Technik. Allein der Name sei Musik in den Ohren von Sound- und Akustikexperten, erläutert Jan Sauerwein. Gerne gesehen sind bei ihm übrigens auch Freunde von Jazz und Soul, die eigene Scheiben mitbringen. Außer Musik wird es nur Flüssiges geben, denn die neue Jazzbar wird eine Raucherkneipe. Auch die Tische am Fleth draußen vor der Tür werden wieder aktiviert.
Im Lokal nebenan am Ostfleth 14 wird es hinter den seit fünf Jahren toten Schaufenstern demnächst ein Nagelstudio geben.