19.04.2019, 19:30
Torwart Philipp Kühn zu Gast bei seinen alten Kumpels

DROCHTERSEN/OSNABRüCK. Wie geht es eigentlich Philipp Kühn, Ex-Torwart der SV Drochtersen/Assel? Der spielt jetzt beim VfL Osnabrück, dem D/A-Gegner im Pokal-Halbfinale am Mittwoch. Vor dem Spiel laufen die Chats heiß. Das TAGEBLATT bietet Einblicke in die nicht ganz erstgemeinten Gespräche.

Gemeinhin lassen sich Fußballtrainer Tage vor wichtigen Spielen nicht in die Karten schauen, was die Aufstellung angeht. Daniel Thioune macht da eine Ausnahme. Der Trainer des Drittligaspitzenreiters VfL Osnabrück verrät, dass Torwart Philipp Kühn am Mittwoch, wenn das Landespokal-Halbfinale beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel im Kehdinger Stadion ansteht, zwischen den Pfosten stehen wird.

Die Personalie ist deshalb so interessant, weil Kühn in der vergangenen Saison noch das Trikot der Drochterser trug, weil er im Elfmeterschießen eben gegen jenen VfL Osnabrück im Halbfinale zum Pokalhelden avancierte und sich mit dieser Leistung gleich um eine Rückkehr in den Profifußball bewarb. Dort ist er jetzt nach einem Ausflug in den Amateurfußball wieder angekommen. Kühn sagt, sportlich und privat laufe es in Osnabrück überragend.

Kühn: „Ein bisschen Glück war auch dabei“

90 Minuten lang hielt Kühn gegen den VfL vor gut einem Jahr die Null. Im Landespokalwettbewerb gibt es keine Verlängerung. Dort beginnt gleich nach der regulären Spielzeit das Glücksspiel vom Elfmeterpunkt. Osnabrücks Ahmet Arslan, der alles hätte entscheiden können, kickte den VfL mit einem überheblich wirkenden Elfmeter-Lupfer aus dem Wettbewerb und sich selbst wenig später aus dem Osnabrücker Kader. Kühn verhalf D/A in den DFB-Pokal und zum Jahrhundertspiel gegen die Bayern und spielte sich mit seiner Gala-Vorstellung in den Kopf und auf den Notizzettel des VfL-Trainers und schließlich auf die Gehaltsliste des nun vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga stehenden Traditionsvereins. „Ein bisschen Glück war auch dabei“, sagt Kühn heute.

Mit Viktoria Köln klopfte Kühn schon im Jahr 2017 an die Tür der Dritten Liga, scheiterte aber in der Relegation. Der Club plante nicht mehr mit seinem Torwart und Kühn löste den Vertrag auf. So stand er ohne Verein da. Das Jahr danach in Drochtersen verstand der heute 26-Jährige von Anfang an als Zwischenstopp zurück in den richtig bezahlten Fußball. Weil sich D/A-Stammtorhüter Patrick Siefkes das Kreuzband riss, reagierten die Kehdinger spontan auf dem Spielermarkt und holten den erfahrenen Mann an die Elbe.

„Das war ein schwieriges Jahr“, sagt Kühn mit ein wenig Abstand. Solche Bedingungen, das Kicken nach Feierabend kannte er bis dahin nicht. Er lebte weit weg von zu Hause. „Rein sportlich war es ein Schritt zurück“, sagt Kühn. Dass er zwölf Monate später zwei Schritte nach vorne machen würde, wusste er damals noch nicht. Rein menschlich war das Jahr keineswegs verschenkt. „Ich weiß jetzt viele Dinge wieder zu schätzen“, sagt Kühn. Die Saison beim selbsternannten Dorfverein mit Herz hat ihn geerdet.

Nummer zwei bei Osnabrück

Jetzt ist er wieder da, wo er hinwollte. Kühn steckt gerade in den Vertragsverhandlungen mit dem VfL Osnabrück für die kommende Saison. Viel gespielt hat Kühn nicht in den vergangenen Monaten. Zwei Liga-Einsätze und zwei Partien im Landespokal stehen in seiner Statistik als VfL-Torwart. Kühn ist die Nummer zwei hinter dem 22-jährigen Nils Körber, den der Niedersächsische Fußballverband mit den Stimmen der Sportjournalisten des Landes erst am Dienstag zu Niedersachsens Fußballer des Jahres 2019 kürte.

Selbstbewusst sagt Kühn, dass der VfL Osnabrück das „beste Torhüter-Duo der Liga“ stelle. Die Beiden kassierten in 33 Spielen 23 Gegentore. So wenig wie keine andere Mannschaft der Liga. Der VfL verlor ohnehin erst drei Spiele in dieser Saison, eines davon mit Kühn im Tor.

Er verstehe sich mit Nils Körber, sagt Kühn. Aber Körber ist neben Teamkollege auch Konkurrent. „Wir messen uns auf hohem Niveau“, sagt Kühn. Er, Kühn, mache Körber Druck. Die Nummer eins im VfL-Tor weiß durchaus, dass da jemand auf Einsätze und einen Machtwechsel hinter ihm lauert. „Er weiß, dass ich hinten dran bin“, sagt Kühn. Bei einer möglichen Vertragsverlängerung würden die Karten spätestens in der Saisonvorbereitung im Sommer neu gemischt.

Kühn: "Beeindruckend, was wir abliefern“

„Es ist beeindruckend, was wir da abliefern“, sagt Kühn über die Mannschaft und den Erfolg in dieser Saison. Kritiker hätten dem VfL nach der Hinrunde einen schnellen Einbruch vorausgesagt. In der Vorsaison kämpfte Osnabrück lange gegen den Abstieg. Das Pokal-Aus gegen D/A war das i-Tüpfelchen auf einer völlig verkorksten Spielzeit. Der Verein hat im letzten Sommer ordentlich ausgemistet. Von den Spielern der Vorsaison stehen heute noch drei oder vier Akteure in der Startelf. Mit Erfolg. Mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten VfR Aalen könnte Daniel Thiounes Team bereits am heutigen Sonnabend fünf Spieltage vor Schluss den Aufstieg und die Meisterschaft vorzeitig perfekt machen.

„Wir haben nicht die besten Einzelspieler. Wir kommen über das Team“, sagt Kühn. Beeindruckend sei vor allem die Defensivleistung. Selbst die Offensiven schalten sich hinten ein. „Jeder wird gebraucht. Jeder ist wichtig“, sagt Kühn hinsichtlich seines Status` als Ersatzspieler. Diese Aussage klingt glaubhaft und ist nicht als die Floskel eines Spielers aus der zweiten Reihe zu interpretieren. Beim Feiern nach den Siegen steht Kühn nämlich meistens mittendrin.

Der VfL Osnabrück hat die Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals 2019/20 längst in der Tasche als Tabellenführer der Dritten Liga. „Aber wir wollen das Double“, sagt Kühn. Mal ganz davon ab, dass er jede sich bietende Spielminute nutzen muss, um den Trainer zu überzeugen, vielleicht doch lieber auf ihn zu setzen, ist mit einem Gastgeschenk für die SV Drochtersen/Assel nicht zu rechnen. Kühn will kein Elfmeterschießen, lieber ein frühes Osnabrücker Tor. Nur eines könne zum Vorteil für seinen früheren Club geraten. Wenn Osnabrück heute Aufstieg und Meisterschaft perfekt macht. „Vielleicht hofft D/A, dass wir am Mittwoch noch vom Feiern verkatert sind“, sagt Kühn.

Tickets für das Pokalspiel

Die SV Drochtersen/Assel spielt im Halbfinale um den Niedersachsenpokal am Mittwoch, 24. April, um 19 Uhr im Kehdinger Stadion gegen den Tabellenführer der 3. Liga, VfL Osnabrück. Parallel spielen der TSV Havelse und Drittligist Meppen den zweiten Finalisten aus. Die Sitzplätze auf der Haupttribüne sind den Dauerkarteninhabern vorbehalten. Stehplatzkarten gibt es für Jugendliche bis 15 Jahre im Vorverkauf für 8 und an der Abendkasse für 10 Euro. Erwachsene zahlen 12 beziehungsweise 14 Euro. VIP-Tickets kosten 80 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei Freudenthal in Drochtersen und in der Stadtschänke in Stade.

Das Chatprotokoll vor dem Pokalspiel:

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