Forschungsprojekt: Studie über Allergiker-Äpfel

LANDKREIS. Vier Millionen Menschen in Deutschland sind Apfel-Allergiker: Allerdings gibt es viele alte Sorten, in die viele von ihnen „ohne Beschwerden beißen könnten“, ist Bio-Obstbauer Eckart Brandt überzeugt. Ein Forschungsprojekt soll Fakten liefern.


Ein Forschungsprojekt soll jetzt herausfinden, ob bestimmte alte Apfelsorten von Apfelallergikern gut vertragen werden und ob deren Verzehr möglicherweise zu einer natürlichen Verträglichkeit gegenüber allen anderen Sorten führt. Mit im Boot sitzen die Europäische Stiftung für Allergieforschung, das Allergie-Centrum der Universitätsklinik Charité in Berlin, der BUND, die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, das Institut für Lebensmitteltechnologie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe – und der Bio-Obstbauer und Pomologe Eckart Brandt.

Der Boomgarden-Gründer liefert die Äpfel für die von der Charité ausgesuchten 150 Probanden. „Ziel der bundesweiten Studie ist, herauszufinden, ob der Verzehr von allergenarmen Äpfeln bei den Probanden möglicherweise eine Art Desensibilisierung bewirkt, wie manche Allergiker – etwa bei uns auf dem Wochenmarkt – aus eigener Erfahrung behaupten“, sagte Brandt dem TAGEBLATT.

Finkenwerder Herbstprinz und Altländer Pfannkuchen

In drei Paketen werden insgesamt 90 Äpfel verschickt, unter ihnen sind die Sorten Alkmene, Holsteiner Cox, Finkenwerder Herbstprinz, Roter Boskoop und Altländer Pfannkuchen. Die werden in der Regel von vielen Allergikern „gut vertragen“, so Brandt. Hinzu kommt ein Golden Delicious – als Prototyp eines für Allergiker unverträglichen Apfels. Der wird unter ärztlicher Aufsicht zu Beginn der Studie verzehrt. Hochgradig allergisch reagierende Menschen sollten Äpfel ohnehin nur in Absprache mit ihrem Arzt essen.

Des Weiteren interessieren sich die Forscher dafür, ob es möglich ist, Allergiesymptome durch das eigene Essverhalten zu reduzieren und „eine Hyposensibilisierung auf natürliche Weise durchzuführen“, sagt Matthias Colli von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung in Berlin. Das Projekt greife Ergebnisse von Studien aus Japan auf. Dort haben Forscher festgestellt, die orale Einnahme von Polyphenolen aus Äpfeln mildernden Einfluss auf die Symptome einer allergischen Rhinitis haben kann. Bei den Polyphenolen handelt es sich um Pflanzenstoffe, die dem Apfel die Farbe und den Geschmack geben.

Polyphenole inaktivieren das Apfelallergen

In vielen alten Apfelsorten sind Polyphenole in hohen Konzentrationen vorhanden. Sie sind verantwortlich für den herben, säuerlichen Geschmack und für die schnelle Bräunung nach dem Anschnitt des Apfels. In neueren Apfelsorten wurden die Polyphenole weitestgehend herausgezüchtet. Sie inaktivieren das Apfelallergen. Die Aufnahme des Proteins, das Apfelallergikern den Genuss verleidet, wird blockiert. Allerdings gibt es neben alten auch moderne Sorten, die der BUND für Leidende empfiehlt, wie den allergen-armen Santana.

Beim „Tag des offenen Boomgardens“ in Helmste informieren Brandt & Co. am Sonntag, 18. September, von 10 bis 17 Uhr, über ihre Projekte. Um 11 Uhr, um 13.30 Uhr und um 15 Uhr gibt es Führungen. Es lockt eine Sortenausstellung, das Wohnprojekt Geest stellt sich vor.

www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html

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