Wie Helfer nicht zum Opfer werden

NEU WULMSTORF. Wegschauen ist ebenso falsch wie den Helden zu spielen, wenn es darum geht, anderen Menschen in einer akuten Notlage zu helfen. Polizei und Weißer Ring zeigen einen ganzen Tag lang in Neu Wulmstorf, wie sich Zivilcourage für alle Beteiligten sinnvoll praktizieren lässt.


Es kann jeden plötzlich treffen im Alltag – auf der Straße, in der Bahn: Man wird Zeuge der Notlage eines anderen, soll nicht wegschauen, sich überwinden und aktiv helfen, kurzum: Zivilcourage zeigen. Aber wie lässt sich das tun, ohne sich selbst zu gefährden? Zu diesem wichtigen Thema veranstalten der Weiße Ring und die Bundespolizei zum „Tag der Zivilcourage“ am Donnerstag, 19. September, einen gemeinsamen Informationstag in Neu Wulmstorf.

Von 10 bis 18 Uhr sind Bundespolizei und Weißer Ring von 10 Uhr bis 18 Uhr mit dem Infostand vor dem Edeka-Markt Warncke zugegen und wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Außer einem von der Bundespolizei organisierten Zeugenspiel, bei dem die Teilnehmer auch ihre Erinnerungsfähigkeit unter Beweis stellen können, geben die Experten den Besuchern Informationen und Tipps zum Thema Zivilcourage, aber auch rund um die Opferhilfe.

„Entgegen der häufig vorherrschenden Meinung wird von den Bürgern in solchen Situationen kein heldenhaftes Verhalten erwartet“, weiß Michael Kropp vom Weißen Ring im Landkreis Harburg. Andere Leute hinzuholen und zur Mithilfe auffordern, die Polizei zu alarmieren und bereit zu sein, sich später als Zeuge zur Verfügung zu stellen, seien immer die besseren Alternativen.

Situationen gedanklich durchspielen

Er empfiehlt allen Bürgern, sich vorsorglich mit dem Thema zu beschäftigen, denn wer sich darüber im Klaren sei und sich vorab schon einmal gedanklich mit derartigen Situationen beschäftigt habe, werde auch in konkreten Notsituationen eher bereit sein, einzuschreiten und dem Opfer zu helfen. Sind Polizei und Mithelfer alarmiert, sollten Zeugen gut beobachten und sich Merkmale des oder der Täter einprägen, und sich dann um die Opfer kümmern.

Präventionsspezialist Detlef Moors von der Bundespolizei in Lüneburg ist mit Tipps der Polizei vor Ort. Wer selbst Opfer einer Straftat geworden ist, sollte sofort Anzeige erstatten, bei der Polizei, oder über sogenannte Internetwachen, die Anzeigen online entgegennehmen. Sobald Polizei oder Staatsanwaltschaft vom Verdacht einer Straftat Kenntnis erhalten, sind sie verpflichtet, den Sachverhalt zu erforschen, weiß Moors.

Hilfe finden Geschädigte bei Opfer-Hilfeorganisationen wie dem „Weißen Ring“. In einem Strafverfahren sind die Geschädigten als Zeugen besonders wichtig, so Moors. Opfer schwerer Gewalt- oder Sexualstraftaten können sich während des Verfahrens und auch danach professionell betreuen lassen. So können sich Opfer zur Verhandlung begleiten lassen und werden informiert, wenn der Täter aus der Haft entlassen wird. Wer durch eine Gewalttat einen gesundheitlichen Schaden erlitten hat, kann nach dem Opferentschädigungsgesetz Behandlungs-, Renten- und Fürsorgeleistungen bekommen.

Zivilcourage zeigen - so geht's

  • Schon vorab mögliche Notsituationen gedanklich durchspielen. Auf diese Weise ist man eher bereit, Opfern Hilfe zu leisten.
  • Nicht den Helden spielen, sondern andere Menschen zur Mithilfe auffordern und direkt ansprechen: "Sie, mit der grünen Jacke, ich brauche Ihre Hilfe."
  • Die Polizei alarmieren (Rufnummer: 110).
  • Gut beobachten und sich die Merkmale des Täters einprägen.
  • Wer selbst Opfer einer Straftat geworden ist, sollte sofort Anzeige bei der Polizei erstatten (auch online möglich).
  • Hilfe finden Geschädigte bei Opfer-Hilfeorganisationen wie dem „Weißen Ring“. 
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