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Elbstrand

TBassenfleth: Viel mehr als nur eine neue Toilette

Hier wird dem Radwanderer geholfen: Timo Gerke zeigt die Werkzeugauswahl der Fahrradservicestation, die demnächst am Elbdeich in Bassenfleth eröffnet wird. Fotos: Stief

Hier wird dem Radwanderer geholfen: Timo Gerke zeigt die Werkzeugauswahl der Fahrradservicestation, die demnächst am Elbdeich in Bassenfleth eröffnet wird. Fotos: Stief

Am neuen Bauwerk am Elbdeich in Bassenfleth scheiden sich die Geister: Für manche ist es ein Luxusklo, für andere ein unverzichtbarer Haltepunkt für Fahrradtouristen und für wieder andere ein Ärgernis, weil hier bald Parkgebühren verlangt werden.

Freitag, 17.04.2020, 06:00 Uhr

Für Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Timo Gerke jedenfalls ist klar, dass die neue Servicestation vielen viele Vorteile bringt. Und die einzige ihrer Art ist sie weit und breit ebenfalls.

An der vier mal drei Meter großen Box in Holzoptik, die nur wenige Meter entfernt vom Deichfuß steht, kommen so manche Funktionen zusammen. Und die orientieren sich am wahren Leben, das das ganze Jahr über in Bassenfleth tobt. Denn der ausgedehnte Sandstrand ist beliebt bei Einheimischen und Touristen, die mit dem Hund Gassi gehen, ihre Badedecke ausbreiten oder eben mal in die Elbe hüpfen wollen.

Unappetitliches in der Grünzone am Strand

Doch der rege Besucherandrang bringt jede Menge Probleme mit sich. Wer am Strand feststellt, dass er mal dringend muss, hat sich bislang mehr oder weniger verschämt in die Büsche verdrückt. „Widerlich“, findet Bürgermeister Timo Gerke, der mit freiwilligen Helfern zum Beispiel der Jugendfeuerwehr bei Reinigungsaktionen schon viel Unappetitliches in der Grünzone am Strand erlebt hat.

Die Holzbox mit ihrem hochmodernen Innenleben macht da jetzt ein gutes Angebot. Das Urinal darf kostenlos betreten und benutzt werden. Dass das Kritik hervorrufen könne, sei ihm bewusst, sagt Gerke. Aber es orientiert sich daran, dass Männer lieber nach dem nächsten Baum Ausschau halten würden als 50 Cent auszugeben.

Timo Gerke im Toilettenraum am Klopapierspender.

Timo Gerke im Toilettenraum am Klopapierspender.

Wer auf der Kloschüssel Platz nehmen möchte oder muss, hat vorher zu zahlen. Dafür bekommt er ein aufwendig gereinigtes und desinfiziertes WC. Es verschwindet nach jeder Benutzung in einer Art Spülmaschine in der Wand und erscheint dann wieder blitzblank. Auch der Fußboden wird automatisch gereinigt. Noch eine Besonderheit: Das Klopapier wird abgezählt. Mehr als zehn Blatt rückt der automatische Spender nicht heraus.

Es gibt noch andere Notlagen: der platte Reifen zum Beispiel. Da ist der Radwanderer froh, dass ihm in Bassenfleth geholfen ist. Denn die Fahrradservicestation hält Werkzeug und Druckluft bereit. Wenn die Fahrt weitergehen kann, hilft eine große Infotafel, die noch installiert werden muss, bei der Orientierung. Auch das WLAN-Angebot im Umkreis der Servicestation kann gute Dienste leisten.

250.000 Euro für Parkplatz und Servicestation

Keine große Freude wird der Parkscheinautomat auslösen. Aber die Gebühr halte sich in Grenzen, sagt Timo Gerke. Die erste Stunde ist kostenlos und zum Beispiel für Gassi-Geher gedacht oder für die, die mal eben über den Deich schauen wollen. Die zweite Stunde kostet 50 Cent, die Tageskarte drei Euro. Mit 300 Parkplätzen soll das Angebot auch an den beliebten Badetagen ausreichen und das Zuparken von Ausfahrten in der Umgebung verhindern. Auch das war ein Ärgernis.

Die Nachteile für die Nachbarn in Bassenfleth zu minimieren – das sei mit ein Ziel für die Investition am Deich gewesen, die die Gemeinde jetzt umgesetzt hat. Parkplatzanlage und die Servicestation hätten zusammen 250 000 Euro gekostet, 120 000 Euro kamen als Fördergelder dazu, weil Samtgemeinde und Amt für Landentwicklung kräftig bezuschussten. Dass der Landkreis nichts dazugab, ärgere die Politik, sagt Gerke, denn schließlich kämen viele Besucher aus der weiteren Umgebung an den Strand.

Die hochmoderne Toilette am Deich kostete an die 150 000 Euro. „Das ist viel Geld, aber wir haben uns viele Gedanken zur Nutzung gemacht“, sagt Bürgermeister Timo Gerke, der sich zum Beispiel in Frankfurt/Main über die guten Erfahrungen mit der Box schlaugemacht hatte. Nach der Inbetriebnahme wird eine Videokamera ein Auge auf die Servicestation haben.

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