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Praxissterben

TÄrztemangel in Apensen: Das könnten Lösungen sein

Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck. Der Ärztemangel macht den Menschen in Apensen große Sorgen. Foto: picture alliance

Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck. Der Ärztemangel macht den Menschen in Apensen große Sorgen. Foto: picture alliance

Wie lässt sich die ärztliche Versorgung in Apensen wieder sicherstellen? Verwaltung und Politik müssen schnell eine Lösung finden. Eine Möglichkeit zeichnet sich aktuell ab.

Von Susanne Laudien Donnerstag, 15.12.2022, 12:00 Uhr

Nach dem anfänglichen Schock über die kurzfristige Schließung der Apenser „Praxis am Teich“ zum 31. Januar 2023 sorgen sich nicht nur die Patienten, sondern auch Kommunalpolitiker und die Verwaltung über die ärztliche Versorgung in Apensen. „Die Schließung ist dramatisch und eine sehr unglückliche Situation für Apensens Bürgerinnen und Bürger“, sagt Dagmar Wosik-Dessel, die als parteilose Einzelkandidatin dem Gemeinderat angehört.

Es sei löblich, dass die Verwaltung jetzt zusammen mit dem Rat eine Lösung finden will, so Wosik-Dessel. Aber letztlich sei es die Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, hier möglichst schnell die ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Jetzt müssen neue Wege gefunden werden. Keine leichte Aufgabe angesichts der allgemeinen Unterversorgung mit Hausärzten auch andernorts. Es dürfte daher nicht leicht werden, einen Ersatz zu finden. Immerhin stünden in Apensen gleich vier Ärzte auf einen Schlag nicht mehr zur Verfügung. Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) hält Wosik-Dessel zwar nicht für verkehrt. Das sei aber keine Lösung, die den Bürgerinnen und Bürgern jetzt hilft, sondern ein langfristiges Projekt.

Auch in der Sitzung im Planungs-, Klimaschutz-, Umwelt- und Kanalisationsausschuss am Montagabend wurde die Schließung der Arztpraxis thematisiert. Sauensieks Bürgermeister Rolf Suhr (CDU) warf der Samtgemeindebürgermeisterin Petra Beckmann-Frelock gegen Ende der Sitzung kollektives Versagen in dieser Angelegenheit vor - und stellte die Frage: „Was ist da schiefgelaufen? Das kommt doch nicht über Nacht?“ In Sauensiek habe man hingegen rechtzeitig für die ärztliche Versorgung vor Ort mit der Praxis am Litberg in dem Dorfzentrum vorgesorgt.

Wünsche des Arztes wurden erfüllt

Daraufhin äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Siegfried Schwarzer, der wie viele andere von der Schließung der Praxis überrascht wurde. Er selbst sei Patient in der Praxis am Teich und habe schließlich erst über seine Tochter von der Schließung erfahren, die lediglich auf der Homepage der Arztpraxis bekanntgegeben wurde.

Die Gemeinde habe seinerzeit für die Arztpraxis Geld in die Hand genommen und nach Wünschen des Arztes Parkplätze dort gebaut, betonte Schwarzer.

Eine Unzufriedenheit des Arztes Patrick Weinmann-Linne oder weitere Wünsche seien nicht bekannt gewesen, betonte auch Apensens Bürgermeister Frank Buchholz (FWG). Schon vor zehn Jahren sei ein Ärztezentrum ein Thema in Apensen gewesen, so Buchholz. Dieses sei aber von der Kassenärztlichen Vereinigung damals abgebügelt worden, da Apensen zu nah an Harsefeld und Buxtehude liege.

Erste Gespräche mit Harsefeld geführt

Letztlich beschäftigt jetzt Verwaltung und Politiker die Frage: „Was können wir unternehmen?“ Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten. Neben einer langfristigen Lösung mit einem medizinischen Versorgungszentrum am Ortsrand wäre die schnellere Lösung die Übernahme beziehungsweise der Kauf der Praxis am Teich und eine Weiterführung durch einen neuen Arzt.

Licht am Ende des Tunnels bringt diesbezüglich womöglich eine Übernahme der Praxis am Teich als Außenstelle des MVZ Harsefeld. Dadurch könnten auch potenzielle Ärzte im Angestelltenverhältnis schneller gefunden werden, da sich heutzutage immer weniger Ärzte selbstständig machen wollen, so Dr. Siegfried Schwarzer.

Erste Gespräche zwischen Bürgermeister Frank Buchholz und Harsefelds Bürgermeisterin Susanne de Bruijn hätten bereits stattgefunden. Auch das Arzt-Ehepaar Weinmann-Linne habe laut Information von Dr. Siegfried Schwarzer signalisiert, dass es dem Verkauf seiner Praxis als MVZ-Außenstelle zustimmen würde. Erste Gespräche mit allen Verantwortlichen werden noch vor Weihnachten geführt, versichert Schwarzer.

Ein Stethoskop liegt in der Praxis eines Hausarztes. Foto: Stephan Jansen/dpa

Ein Stethoskop liegt in der Praxis eines Hausarztes. Foto: Stephan Jansen/dpa

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