TFachwerksanierung am Jorker Rathaus abgeschlossen - mit einer Neuerung
Auch der Ostgiebel des historischen Gräfenhofs ist jetzt saniert. Auf der Spitze ist der Windanzeiger zu sehen. Fotos: Battmer, privat
Der Lack war ab. Der historische Gräfenhof, das Jorker Rathaus, erstrahlt nach der Fachwerksanierung wieder in neuem Glanz. Und nicht nur das: Auch der historische Windrichtungsanzeiger ist wieder stabil und funktionsfähig. Das ist einem ehrenamtlichen Jorker zu verdanken.
Gerhard Höltje (77) hat in kompletter Handarbeit eine neue Wetterfahne gebaut. Beim Schnack mit Rathausmitarbeiter Peter Mordhorst sei ihm aufgefallen, wie „alt und rostig“ der alte Windrichtungszeiger war. „Nicht mehr lange und der wäre jemandem auf den Kopf gefallen“, sagt Höltje.
Also legte der 77-Jährige Hand an. 50 oder 60 Stunden Arbeit hat der frühere Handwerksmeister binnen sechs Wochen in den Windrichtungsanzeiger gesteckt. Aus alten Resten aus der Firma hat er den etwa 1,4 Meter hohen und 1 Meter breiten Windanzeiger aus Messing zusammengebaut. Die Formen - also den Hahn und die Buchstaben für die Himmelsrichtungen - hat er aus dem Metall ausgeschnitten. Gerade die geschwungenen Bereiche seien schwierig gewesen. Das nötige Werkzeug hatte er „als Handwerker natürlich zu Hause“.
Handwerksmeister baut Windanzeiger neu
1972 legte Gerhard Höltje seinen Meister ab, wechselte aber kurz danach in den öffentlichen Dienst. Bis zur Rente arbeitete er im Gefängnis auf Hahnöfersand. „Einmal Handwerker, immer Handwerker“, sagt er. Und so zieht er sich heute immer noch gerne in seine Werkstatt zurück und geht seiner alten Arbeit als Hobby nach - so wie jetzt mit dem Windanzeiger. „Das war für mich auch ein Vergnügen“, sagt er. Und auch das Ergebnis kann sich sehen lassen - im wahrsten Sinne des Wortes: Wer die Wetterfahne im Wind beobachtet, kann sehen, dass sie sich bewegt und die Windrichtung anzeigt. Das Prinzip funktioniert über eine Drehachse, auf die der Wind ein Drehmoment ausübt - um sie parallel zum Wind zu drehen. So kann man sehen, woher der Wind weht.
Jetzt die neue TAGEBLATT-Nachrichten-App
Mindestens von 1893 stammt der frühere Anzeiger. Das haben die Recherchen von Gerhard Höltje ergeben. Er wird dazu seine Archivarbeiten noch vertiefen und von der Neugestaltung eine kleine Fotodokumentation zusammenstellen, kündigte Bürgermeister Matthias Riel an - für den Familienbesitz, aber auch für das Altländer Archiv. „Seine Begeisterung für dieses Projekt und unseren historischen Gräfenhof war nicht zu übersehen – vielen Dank im Namen von Rat und Verwaltung für diese bemerkenswerte ehrenamtliche Unterstützung“.
Vor allem an historischen Gebäuden
Windanzeiger sind heutzutage vor allem an Denkmälern oder alten Gebäuden zu finden - wie eben dem Jorker Rathaus. Der Gräfenhof, 1649/1651 errichtet, wurde in den vergangenen Jahren saniert. 2020/2021 hatten die Handwerker bereits die Fachwerkfassade grundsaniert. Nun war der Ostgiebel an der Reihe. Knapp 100 000 Euro sind für die Restaurierung in diesem Jahr eingeplant, sagt Verwaltungsvize Arne Krüger.
Inzwischen sind die Arbeiten abgeschlossen, und auch das Gerüst um das alte Gebäude ist verschwunden. Nicht nur die alte Fassade strahlt in frischer Farbe, auch an der Giebelspitze glänzt der Windanzeiger und zeigt, woher der Wind weht.
Gerhard Höltje mit dem Ergebnis von sechs Wochen Arbeit.