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TNach Insolvenz: So planen die Gastronomen den Neustart im Windmüller

Gastronom Jürgen Giese (links) und Küchenchef Christian Warner haben mit einem Unternehmensberater ein neues Konzept erarbeitet. Foto: Battmer

Gastronom Jürgen Giese (links) und Küchenchef Christian Warner haben mit einem Unternehmensberater ein neues Konzept erarbeitet. Foto: Battmer

Neustart nach der Insolvenz: Das Restaurant Windmüller in Steinkirchen hat seit einigen Wochen wieder geöffnet. Gastronom Jürgen Griese und Küchenchef Christian Warner haben dem TAGEBLATT ihr neues Konzept vorgestellt. Das sind ihre Pläne.

Von Mario Battmer Sonntag, 04.06.2023, 08:00 Uhr

Es soll ein kleiner Neustart werden. „Groß ist erst mal nicht drin“, sagt Küchenchef Christian Warner. Denn noch immer haben sie ein Personalproblem: Die beiden schmeißen den Windmüller unter der Woche nur noch zu zweit. Nur am Wochenende stehen zwei Aushilfen bereit. „Personal ist schwer zu kriegen“, sagt Jürgen Griese.

Am Sonnabend vor Muttertag ging der Windmüller wieder an den Start. Jetzt hat das Restaurant wieder an fünf Tagen ganztägig geöffnet, Donnerstag sei flexibel und Mittwoch Ruhetag. Das Geschäft die ersten Tage sei ganz gut gewesen, bilanzieren die beiden Gastronomen.

Wie berichtet soll es gerade mittags leichtere und schnellere Gerichte geben. Abends soll es dann aber auch wieder hochwertigere Küche geben. Küchenchef Christian Warner schwebt etwa „Fisch & Steak“ als gangbares Konzept vor. Außerdem kündigte Jürgen Griese etwas an, das es gastronomisch in der Region noch nicht gebe. Das sei dann ein Alleinstellungsmerkmal - in der Wirtschaft auch USP („Unique Selling Point“) genannt. Was genau, wollte er nicht verraten.

Küchenchef Christian Warner dachte ans Aufgeben

Fürs Erste setzen Griese und Warner nur auf kleine Feiern - der Saal wird eher für geschlossene als für große Gesellschaften genutzt. Große Veranstaltungen wie ein Krimi-Dinner oder Musical-Abend sind noch nicht drin. Stattdessen soll es Motto-Abende wie „Sommer-Grillen“ geben.

Die beiden Gastronomen haben sich inmitten vieler Krisen mit dem Windmüller selbstständig gemacht. Küchenchef Christian Warner gibt offen zu, dass er mit dem Gedanken gespielt hatte, aufzugeben. „Aber wir wollen den Leuten hier weiter etwas bieten“, sagt er. Ob die nahezu zeitgleiche Eröffnung der „Heimatliebe“ am Alten Marktplatz eine Rolle gespielt hat? „Auf jeden Fall“, glaubt Warner. „Wir sind in zweiter Reihe, haben weniger Impuls-Besucher“, sagt der Küchenchef, der die schnelle Küche der „Heimatliebe“ als weiteren Vorteil nannte. Gerade die kleineren Gerichte, dazu auch Kuchen und Torten, sollen dem Windmüller jetzt beim Neustart helfen. „Wir hoffen auf Verständnis, wenn etwas fehlt oder noch nicht funktioniert“, sagt Warner.

Berater: Idee hinter Insolvenzrecht ist Neustart

Unternehmensberater Dr. Hartmut Meyer begleitet den Windmüller beim Neustart. „Wir fangen auf kleiner Flamme an und wollen das Unternehmen auf eine stabile Basis stellen“, sagt er.

Das Restaurant Windmüller in Steinkirchen. Foto: Vasel

Das Restaurant Windmüller in Steinkirchen. Foto: Vasel

Durch die Bank weg sei in der Gastronomie die hohe Konsumzurückhaltung zu spüren. Dennoch sei gerade lokaler Tourismus - mit dem Alten Land als beliebtem Reiseziel - ein Vorteil. Der Deutschland-Urlaub sei kein Corona-Trend, sagt Hartmut Meyer. Die Pandemie und die Energiekrise hätten allerdings wie „ein Brandbeschleuniger“ diese Entwicklung angefeuert.

Insolvenz als „Eisenkugel, wie ein Gefangener“

Insolvenz sei in Deutschland extrem negativ behaftet, so Meyer. Es stellt sich die Frage, wieso ein Unternehmen, das erst vor kurzem Insolvenz angemeldet hat, schon wieder laufen kann? „Die Idee hinter dem Insolvenzrecht ist der Neustart“, erklärt Hartmut Meyer. Dafür werde anhand mehrerer Kriterien geprüft, ob das Unternehmen sanierungsfähig und sanierungswürdig ist. Schulden seien „hier wenig“, so der Unternehmensberater. Und: Unter Corona-Bedingungen sei gut gewirtschaftet worden.

Die beiden Gastronomen seien jetzt quasi wie Existenzgründer - mit der Insolvenz als „Eisenkugel, wie ein Gefangener“, sagt Meyer. Banken und Co waren entsprechend zurückhaltend, dennoch wurde ein Kredit gewährt. Zudem ermöglichten zwei Investoren den Neustart.

Gastronomen loben Zusammenarbeit mit dem DRK

Die Pächter Griese und Warner lobten die Zusammenarbeit mit dem DRK, dem Inhaber der Immobilie. „Das Vertrauen zeigt, dass es hier ein gutes Konzept gibt. Die Insolvenz war eher der allgemeinen Situation geschuldet“, sagt Meyer.

Damit der Neustart gelingt, wird das Restaurant auch die Vereine und andere Institutionen stärker von sich überzeugen müssen. Doch das steht für die Gastronomen zunächst hinten an. „Wir lassen die Sommersaison jetzt erst mal mitlaufen und wenden uns dann an die Vereine“, sagt Jürgen Griese. Er und sein Küchenchef Christian Warner sind trotz allem überzeugt: „Stück für Stück schaffen wir den Restart.“

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