TNeuer Chef des Mühlenvereins: Er setzt sich für die "Venti Amica" ein
Dennis Trautmann ist zum neuen Vorsitzenden des Mühlenvereins „Venti Amica“ gewählt worden. Foto: Lankuttis
Der Mühlenverein „Venti Amica“ hat einen neuen Vorsitzenden. Dennis Trautmann leitet künftig den Verein und hat sich vorgenommen: „Ich will den Mühlenverein präsenter machen, auch in den sozialen Netzwerken.“
Der 39-Jährige will zeigen: „Wir setzen uns für die Mühle ein und schießen viel Geld zu.“ Das bekannter zu machen, hilft bei der wichtigsten Aufgabe: weitere Fördertöpfe aufzutun und Spenden einzuwerben. 160 000 Euro braucht der Mühlenverein für notwendige Reparaturen. Fördermittel zu bekommen, ist oft kompliziert und aufwendig. Das traut sich der Wirtschaftsingenieur zweifellos zu. „Das ist eine Stärke von mir“, sagt Trautmann. Im Beruf sei er den Umgang mit Behörden gewohnt.
Der Hollern-Twielenflether arbeitet bei der Firma Jack Wolfskin im Zentrallager in Neu Wulmstorf. Er ist Logistikleiter für ganz Europa und verantwortlich dafür, wie die Waren von Asien bis in die Geschäfte kommen. Mit der Gemeinde Neu Wulmstorf pflegt er bei neuen Projekten einen engen Austausch.
Über die Windmühle gerät der Logistiker ins Schwärmen, obwohl er sich um den neuen Posten nicht gedrängt hat. „Sie hat Strahlkraft über Hollern-Twielenfleth hinaus und ist ganz klar ein Wahrzeichen.“ Da könne er sich zukunftweisend engagieren.
Ursprünglich wollte Dennis Trautmann in der Kommunalpolitik mitmischen. Bei der Wahl im Herbst hatte er für die Freie Wählergemeinschaft kandidiert. Er sei knapp gescheitert, könne jetzt aber nicht fünf Jahre nichts machen, sagt der Ehrenamtliche: „Ich möchte etwas für die Gemeinde und die Samtgemeinde tun.“ Denn er sei mit seiner Familie „sehr, sehr gut im Alten Land angekommen“.
Verein sorgt für die Instandhaltung des Baudenkmals
Seit zwölf Jahren lebt Dennis Trautmann mit seiner Ehefrau, die in Stade arbeitet, an der Elbe. Durch die neun und fünf Jahre alten Söhne hätten sie schnell Kontakt bekommen. „Wenn ich mich wohlfühle und sesshaft werde, möchte ich auch mitgestalten und Einfluss darauf nehmen, wie sich die Gemeinde entwickelt“, sagt Trautmann, der in Geestland (früher Langen) an der Weser aufgewachsen ist.
Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke hat den Mühlenverein mit dem motivierten Mann zusammengebracht. Denn ein neuer Vorsitzender wurde dringend gesucht, nachdem Gert Melchert zurückgetreten war. „Gert Melchert hat eine tolle, engagierte Arbeit gemacht“, sagt der 2. Vorsitzende Jörg Oellrich. Der Verein mit knapp 100 Mitgliedern sorgt für die Instandhaltung des Kultur- und Baudenkmals. Er hat schon rund 280 000 Euro eingeworben, um zwei schwere Sturmschäden aus den Jahren 2009 und 2017 zu reparieren.
„Ohne den Mühlenverein wären die Reparaturen nicht möglich gewesen“, sagt Trautmann. Über die sozialen Netzwerke und auch den Internetauftritt möchte er die Bindung an den Verein stärken und Jüngere ansprechen. Freiwillige mit Medienkompetenz, die ihn unterstützen, seien willkommen. Außerdem wünscht er sich mehr Fernsehsendungen über die Mühle. Schließlich gebe es hier zwei charakterstarke Müller. Vielleicht sei sie auch als Ort für Hochzeiten geeignet, meint Trautmann, der auf einem Leuchtturm geheiratet hat.
Seine Söhne kennen selbstverständlich – „wie jedes Kind in Hollern-Twielenfleth“ – die Mehlrutsche der „Venti Amica“, der Freundin des Windes. Der neue Vorsitzende, der in seiner Freizeit gern Rennrad fährt und Golf spielt, staunt über das Wissen von Müller Hein Noodt. „Er ist ein wandelndes Lexikon und hat mir schon viel über die Ortsgeschichte erzählt.“
Mühlenverein sammelt für drei neue Projekte
In fünfter Generation ist der Galerieholländer „Venti Amica“ im Besitz der Familie Noodt. Pächter Volkmar Dinglinger hat den Verkaufsraum für den Landhandel aufgepeppt und beliebte Backmischungen auf den Markt gebracht, die er auch online anbietet. Der Müller ist auch bei Facebook präsent und beschwichtigt momentan seine Kunden, dass Hamsterkäufe nicht nötig sind.
Dass die Windmühle in der Hollernstraße noch gewerblich genutzt wird, ist eine Seltenheit. Seit kurzem zählt sie zum immateriellen Weltkulturerbe. Der Mühlenverein sammelt jetzt Spenden für drei Projekte. Die grüne Aluminiumverkleidung des Achtkantes unter der neuen Haube muss erneuert werden. Das Maschinenhaus und das Silo brauchen neue Dächer. Zusagen gebe es bereits, sagt der 2. Vorsitzende Jörg Oellrich. Und zwar vom Amt für regionale Landesentwicklung (29 500 Euro), von der Kulturstiftung Altes Land (12 000 Euro), der Gemeinde Hollern-Twielenfleth (6000 Euro) und der Bingo-Stiftung (5000 Euro). Ein kleiner Teil, so hoffen die Aktiven, könnte aus dem Topf für die Leader-Region fließen.
www.windmuehle-hollern-twielenfleth.de