T153.280 Übernachtungen: Was die Menschen in die Urlaubsregion Kehdingen zieht
Kerstin Fahle und Harald Bunge aus Essen kommen seit elf Jahren immer wieder nach Krautsand zum Campen. Fotos: Helfferich
Der Tourismus boomt in Kehdingen. Im vergangenen Jahr zählte der Touristikverein 153.280 Übernachtungen, weit mehr als vor der Corona-Pandemie. Und der Trend setzt sich offenkundig fort. Warum Touristen so gerne nach Kehdingen kommen.
Die Urlaubsregion Kehdingen verfügt über mehr als 700 Betten, zwei Campingplätze auf Krautsand, zehn Wohnmobilplätze und mehrere Wassersporthäfen mit Gastliegeplätzen. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer betrug 2022 knapp drei Nächte. Vor zwei Jahren wurden vom dwif-Institut schon mal 160.000 Übernachtungen gezählt. „Aber die nahmen vier Personen pro Wohnmobil an. Wir gehen von zwei Personen aus“, erklärt Karin Mietzner, Geschäftsführerin der Tourist-Info Kehdingen.
Viele Anfragen kommen kurzfristig
Auch in diesem Jahr läuft es gut an. Sie hat sich bei den Vermietern umgehört und kann bestätigen: „Alle berichten von guten Buchungszahlen. Es sind ja jetzt auch in allen Bundesländern Ferien. Allerdings wird deutlich kurzfristiger gebucht.“
Während vor Corona 70 bis 80 Tage vor Urlaubsbeginn gebucht wurde, kämen jetzt die Anfragen häufig erst eine Woche vorher. Ihre Vermutung: So mancher Urlauber habe angesichts der Hitze in Südeuropa seine Pläne umgeworfen und erholt sich lieber im Norden.
Gut frequentiert seien auch die Wohnmobilplätze. „Wer sich zu Beginn der Pandemie ein Wohnmobil gekauft hat, nutzt es auch jetzt und die kommenden Jahre“, so Mietzner.
Selbst die Campingplätze sind trotz des schlechten Wetters voll. Campingplatzbetreiber Christian Kurz: „Wir hatten schon im April und Mai 20,4 Prozent mehr Gäste als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Und das Jahr war schon das beste in den vergangenen elf Jahren.“
Ute Döhring (links) und Nicole Drews sind erstmals mit dem Rad in Kehdingen unterwegs und machen auf ihrer Tour von Cuxhaven nach Hamburg Kaffeepause in Freiburg.
Die Zahl der Radtouristen steigt weiter
Stetig steigend ist inzwischen auch die Zahl der Radtouristen. Auf dem Fahrradweg hinter der Klappbrücke in Dornbusch und am Ruthenstrom-Sperrwerk bestätigen das seit vergangenem Jahr zwei kleine dort installierte Zählanlagen.
Ein Teil der Radfahrer miete sich in Ferienwohnungen ein und mache von dort aus Tagestouren im Landkreis, so Mietzner, viele kämen aber auch als Tagestouristen oder als Durchreisende.
Auf dem Elbe-Radweg immer am Wasser entlang
So auch Ute Döhring aus Wulfsen und Nicole Drews aus Lauenburg. Die beiden sind mit ihren E-Bikes auf dem Weg von Cuxhaven nach Hamburg. In Otterndorf hatten sie übernachtet und werden in Wischhafen nach Glückstadt übersetzen. „Wir wollten ein bisschen am Wasser entlang“, erzählt Ute Döhring, da habe sich der Elberadweg angeboten.
Kehdingen kannten die beiden vorher nicht, aber sie sind ganz angetan: „Die historischen Ortskerne sind so schön erhalten“, sagt Nicole Drews, besonders Freiburg und Neuhaus auf der anderen Seite der Oste hätten ihr gut gefallen. Was ihnen noch aufgefallen ist: „Die Ruhe, man kann sich hier richtig treiben lassen.“ Beide sind sich einig: „Kehdingen können wir weiterempfehlen.“
Stammgäste mit Wohnwagen und Motorrädern
Stammgäste sind Kerstin Fahle und Harald Bunge aus Essen. Seit elf Jahren urlauben sie mit ihrem Wohnwagen regelmäßig auf dem Campingplatz Krautsand. Ende der 1990er Jahre hatte Harald Bunge seine Tante in Assel besucht und bei einem Ausflug die Elbinsel kennengelernt. „Das hatte mir sofort gefallen: Einmal über den Deich und man ist sofort am Strand.“
Als ein Highlight bezeichnet Kerstin Fahle das Bistro „Strandzeit“. Als Ruhrpottler seien sie imbissaffin, einen solchen Imbiss, „mit Hotelcharakter“, hätten sie noch nie erlebt. Und beide lieben die Ungezwungenheit beim Campen.
Während sie sonst die Fahrräder dabei hatten, haben sie diesmal ihre Motorräder mitgebracht. „Wir haben unsere Erkundungskreise deutlich erweitert“, so Bunge, und ja: „Auch in Norddeutschland gibt es Kurven.“ Und viel zu entdecken.
Kehdingen als Ausgangspunkt für viele Ausflüge
Alle Jahre wieder mieten sich Markus Wichert und Madeleine Wilde aus Oberense bei Soest beim Ferienhaus Reuels in Hamelwörden ein. Auf die Frage weshalb, antwortet er spontan: „Wegen der Ruhe. Es ist komplett das Gegenteil von dem, was man zu Hause hat.“ Seine Lebensgefährtin Madeleine Wilde genießt die große Auswahl an frischem Obst und freut sich über den nur 20 Meter entfernten Spielplatz. „Und man kommt von hier überall gut hin“, sagt ihr Partner. So waren sie zweimal in Hamburg, einmal in Cuxhaven, in der Spielscheune Otterndorf, im Natureum und auf Krautsand.
Also ist Kehdingen die ideale Urlaubsregion? Karin Mietzner fühlt sich bestätigt. Für die Radtouristen wünscht sie sich ein angepasstes gastronomisches Angebot. „Der kleine Snack in der Mittagszeit ist nicht überall zu bekommen“, sagt sie. Es gibt also noch Luft nach oben.
Markus Wichert und Madeleine Wilde mit Quentin (links) machen jedes Jahr Urlaub in Hamelwörden; diesmal in Begleitung ihrer Freunde Jan und Jessica Morwitz mit Noah und Melina.