30 Jahre alte Platane vergiftet
Die letzten Blätter hängen von der Baumkrone herab. Die mehr als 30 Jahre alte Platane wurde vergiftet. Foto: Meybohm
Das grüne Idyll in Nottensdorf ist angeschlagen: Unbekannte haben in der Straße „Am Stühbusch“ einen alten Baum vergiftet. Jetzt ermittelt die Polizei.
Von der Baumkrone hängen nur noch einzelne braune Blätter herab. Unten am Stamm steigt ein fauliger Geruch auf. Die alte Platane in der Straße „Am Stühbusch“ ist nicht mehr zu retten. Sie wurde vergiftet. Ein Bohrloch am Fuß des Stammes belegt, dass der Platane mutwillig Schaden zugefügt wurde.
„So etwas hat es hier noch nie gegeben“, sagt Torsten Milter vom Bauamt der Samtgemeinde Horneburg. Der Baum, der an der Straße steht, gehört zum Besitz der Gemeinde. Sie hatte ihn vor mehr als 30 Jahren hier gepflanzt, als das Baugebiet entstanden ist. In der verkehrsberuhigten Straße stehen links und rechts Platanen. Doch speziell diese eine muss jemandem ein Dorn im Auge gewesen sein.
Gegen den oder die Unbekannte ermittelt jetzt die Polizei. Die Kommune hat die Sachbeschädigung angezeigt. Laut Bauamtsleiter Roger Courtault sei eine Platane dieses Alters etwa 6000 Euro wert. Die Kosten, sie zu fällen und einen neuen Baum zu pflanzen, kommen noch dazu.
Über dieses Loch wurde dem Baum das Gift eingeflößt.
Lucia Baumgärtner wohnt schräg gegenüber. Sie pflegt die Pflanzen in ihrem Garten voller Hingabe – und war sprachlos, als sie gesehen hat, wie neue Triebe an dem Baum sofort abstarben. „Die Menschen in Nottensdorf sind auf besondere Art mit der Natur verbunden“, sagt sie. Das Dorf liegt zwischen Wald und Feldern. Mitten im Grünen.
Auch ein Mitarbeiter des Umweltamtes des Landkreises Stade war vor Ort, um den Baum zu begutachten. Der Fall aus Nottensdorf ist dort nichts Alltägliches. Es komme gelegentlich vor, dass Äste fremder Bäume gestutzt werden, wenn sie über das Grundstück ragen. Auch Nachbars Busch werde ab und zu mit Kupfernägeln ganz der Garaus gemacht. Grüne Ringe weisen dann darauf hin.
In Nottensdorf deutet nichts auf Kupfer hin. Hier, so die Vermutung, habe sich der Täter eines einfachen Mittels bedient: Salz. Dadurch trocknet der Baum von der Krone bis zu den Wurzeln aus. In der Wachstumsphase hat ein Baum einen hohen Bedarf an Feuchtigkeit. Wenn ihm dann Salz eingeflößt wird, geht das, was Jahrzehnte lang gewachsen ist, innerhalb kürzester Zeit ein. Und dem Verursacher ist die Tat kaum nachzuweisen.
Wer in dem Fall Beobachtungen gemacht hat oder sonstige sachdienliche Hinweise geben kann, meldet sich bei der Polizeistation Horneburg unter Telefon 0 41 63 / 82 64 90
Unter Baumfrevel versteht man das unerlaubte absichtliche Fällen oder Beschädigen eines Baumes. Bereits bei den Germanen galt die Beschädigung eines Baumes als hohes Vergehen, das zum Teil mit der Androhung einer göttlichen Strafe geahndet wurde. In der germanischen Mythologie waren bestimmte Bäume geweiht.
Im Mittelalter stand Baumfrevel unter Strafe, um Obstbäume oder Weiden vor Diebstahl oder Zerstörung zu schützen. Im 13 Jahrhundert in Augsburg das Abhacken einer Hand als angemessenes Strafmaß für das Fällen eines gesunden und tragenden Obstbaumes. Einem Bürger aus Coburg wurden im Oktober 1557 für das „Abhauen von Reben und Bäumen“ beide Augen ausgestochen. Heute wird Baumfrevel als Sachbeschädigung oder Ordnungswidrigkeit geahndet.
(Quellen: www.baumpruefung.de; www.wikipedia.de)