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50 Jahre DLRG in Drochtersen

Bereiten die Jubiläumsfeier vor und blicken zurück: Die DLRG-Retter Thorsten Braack, Jan-Hendrik Brandt und Gerhard Klefke (von links). Foto Beneke

Bereiten die Jubiläumsfeier vor und blicken zurück: Die DLRG-Retter Thorsten Braack, Jan-Hendrik Brandt und Gerhard Klefke (von links). Foto Beneke

Mit der Schwimmausbildung fing alles an. Heute ist sie vor allem für ihre Wachdienste am Strand der Elbinsel Krautsand bekannt. Die Drochterser Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) wird 50 Jahre alt.

Von Daniel Beneke Montag, 16.04.2018, 09:00 Uhr

An den Wänden im DLRG-Haus am Nagelsweg in Drochtersen hängen Fotos von historischem Einsatzgerät und von Einsätzen, die den Helfern im Gedächtnis geblieben sind. Festausschussmitglied Jan-Hendrik Brandt und die langjährigen Wasserretter Gerhard Klefke und Thorsten Braack haben Fotos und Zeitungsausschnitte aus der fünf Jahrzehnte währenden Geschichte der Ortsgruppe zusammengetragen.

Das Naturbad in Krummendeich und die Nebenarme der Elbe bei Krautsand waren vor 50 Jahren die Orte, an denen die DLRGler den jungen Kehdingern das Schwimmen beibrachten. „In freien Gewässern“, erinnert sich der ehemalige Vorsitzende Gerhard Klefke, fand damals der Unterricht statt. Unter dem Vorsitzenden Heino Nagel ging 1975 die Rettungswache auf Krautsand in Betrieb – verglichen mit der Situation heute in eher provisorischen Verhältnissen. An den Sonnabenden und Sonntagen verbrachten die Ehrenamtlichen jeweils mindestens neun Stunden in einem VW-Bus. Einen Container gab es noch nicht.

Bis 1983 ging das so. Ein 4,80 Meter langes Boot mit einem 3,9-PS-Außenbordmotor stand den Einsatzkräften zur Verfügung. 1979 erhielten die Wasserretter ihr erstes Einsatzfahrzeug. „Von da an ging es stetig bergauf“, sagt der Leiter Technik, Thorsten Braack. Ein größeres Boot mit 35-PS-Motor ermöglichte ein schnelleres Ausrücken im Ernstfall. Die Ortsgruppe zählte 100 Mitglieder.

Inzwischen sind 400 Kehdinger bei der DLRG organisiert. Der harte Kern der Wachmannschaft besteht aus 30 Wasserrettern und Ausbildern. In den 1980ern stellten sie einen Bauwagen am Elbstrand auf, der 1994 durch einen Container ersetzt wurde. Früher kümmerten sie sich nur um die Sicherheit der Schwimmer im Fluss, heute sind die Ehrenamtlichen mit weiteren Ortsgruppen im Wasserrettungszug der DLRG auf Landkreisebene eingebunden. Zusammen mit den Feuerwehren rücken sie aus, wenn Freizeitskipper oder Berufsschiffer auf der Elbe zwischen Schwarztonnensand und der Ostemündung in Not geraten. Im Katastrophenfall sind sie bundesweit unterwegs – beim Oderbruch 1998 oder der Elbeflut 2002. 14 Tage waren die Drochterser bei Dresden im Einsatz.

Ihr Domizil am Nagelsweg haben die Mitglieder in den vergangenen 30 Jahren in Eigenregie ausgebaut. Die Gemeinde Drochtersen stellte ihnen einst den ehemaligen Schweinestall mit angrenzendem Heulager zur Verfügung. Das Gebäude haben sie um ein Carport erweitert. Das Material haben örtliche Firmen gesponsert. „Unser Haus platzt aus allen Nähten“, sagt Jan-Hendrik Brandt. Auf längere Sicht werden die Wasserretter wohl umziehen müssen. Spruchreif ist das aber noch nicht.

„Es ist schon gigantisch, was in den 50 Jahren alles passiert ist“, sagt Gerhard Klefke nach dem Blick in die Fotos und Zeitungsartikel. Er berichtet von spannenden und skurrilen Einsätzen. Ein in der Elbe gestrandeter Weißwal oder ein quer durch den Fluss geschwommenes Kalb – immer wieder haben es die Drochterser mit Tierrettungen zu tun. „Das Kalb bekam eine Rettungsdecke übergestülpt und alles war wieder gut“, sagt Thorsten Braack. Der Landwirt aus Schleswig-Holstein holte sein Tier später ab.

Dramatischer war die Situation 1983, als ein Schiff auf der Brammer Bank aufgelaufen war und 70.000 Liter Treibstoff verlor. Bei der Kollision eines Containerschiffs mit einem Binnenschiff vor der Elbinsel Pagensand 2004 starb ein Seemann. 2010 lief ein mit Kies beladenes Binnenschiff im Ruthenstrom auf einen Leitdamm auf. Es drohte auseinanderzubrechen, die Einsatzkräfte konnten dies verhindern. „Zwei Drehsätze haben das Schiff gerettet“, erzählt Gerhard Klefke.

„Wir machen nicht nur Wasserrettung“, betont er und hebt die enge Zusammenarbeit mit Feuerwehren, Wassersportvereinen und TVG hervor. Bei den Weihnachtsmärkten in Assel und Drochtersen präsentieren sie sich ebenso wie beim Blütenfest. In den Kindergärten erklären die Einsatzkräfte den Mädchen und Jungen die Baderegeln und die Gefahren, die vom Spielen auf zugefrorenen Gewässern ausgehen.

Ein Kerngebiet ihrer Tätigkeit ist nach wie vor die Schwimmausbildung – jeden späten Donnerstagnachmittag im Drochterser Schwimmbad, das die Gemeinde ihnen kostenlos zur Verfügung stellt. Zwei Drittel der 400 Mitglieder sind Jugendliche. Die DLRG-Jugendgruppe startet nach einer längeren Pause gerade wieder neu durch.

Jetzt steht aber erst einmal das Jubiläumsfest im Fokus. Seit vergangenem Jahr laufen die Vorbereitungen. Der Festausschuss kümmert sich um die Plakatwerbung, organisiert die Helfer für Hüpfburg und Kinderschminken. Während des Festaktes am Sonnabend, 28. April, erhalten die Drochterser DRLG-Retter auch ein neues Gefährt: ein Allrad-Quad. Außerdem haben sie einen Wunsch: eine „möglichst tidenunabhängige“ Slip-Bahn auf Krautsand, um die Boote leichter zu Wasser lassen zu können. Davon könnten auch Feuerwehr und Vereine profitieren, sagen die DLRG-Ehrenamtlichen.

Wer sich in der Ortsgruppe engagieren möchte, ist willkommen. Jeden Dienstagabend ab 19.30 Uhr treffen sich die Drochterser Wasserretter im Vereinsheim am Nagelsweg.

Die Feiern zum Jubiläum steigen am Sonnabend, 28. April, bei der Rettungswache auf der Elbinsel Krautsand. Um 11 Uhr startet ein Festakt für geladene Gäste. Ab 14 Uhr organisieren die Wasserretter einen Tag der offenen Wache mit Programm für die ganze Familie. Die Kleinen können sich auf der Hüpfburg oder beim Kinderschminken vergnügen. In einem Container simulieren Taucher einen Rettungseinsatz. Fahrzeuge und Boote werden ausgestellt. Es gibt Speisen und Getränke. Weitere Informationen gibt es im Internet.

www.drochtersen.dlrg.de

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