Abschied vom Musical „Liebe stirbt nie“
Das Musical „Liebe stirbt nie – Phantom II“ , im Stage Operettenhaus auf der Reeperbahn, verabschiedet sich in dieser Woche aus Hamburg. Foto Charisius/dpa
In dieser Woche verabschiedet sich „Liebe stirbt nie“ von den Hamburgern. Und auch für „Das Wunder von Bern“ wird es in wenigen Monaten nicht weiter gehen. Es scheint, als könnte sich kein Musical von Stage Entertainment auf Dauer in Hamburg halten. Mit einer Ausnahme: „Der König der Löwen“.
So richtig verstanden hatte das keiner so recht, warum „Das Wunder von Bern“ vor gut zwei Monaten in „Das Wunder“ umbenannt wurde. Neue Plakatkampagne, neuer Slogan, neue Marketingstrategie. Und warum das Ganze? In der Begründung des Konzerns Stage Entertainment hieß es, „Die meisten unserer Gäste reden nur über ‚Das Wunder‘. Hinzu kommt, dass für uns ‚Das Wunder‘ viel besser zur Geschichte passt.“ Dass nun trotzdem alle davon sprechen, dass „Das Wunder von Bern“ – und nicht „Das Wunder“ – nach mehr als zwei Jahren Spielzeit nur noch bis Januar 2017 im Stage Theater an der Elbe zu sehen sein wird, ist genau so komisch wie die Umbenennung, und jetzt eben das Ende. Recht plötzlich kam die Entscheidung. War der Name ein letzter Versuch den Ticketverkauf noch einmal anzukurbeln? Für die restlichen vier Monate zumindest gibt es für wirklich fast jeden Aufführungstag noch reichlich Karten zu kaufen. Übrigens für „Das Wunder von Bern“, nicht etwa „Das Wunder“.
Fakt ist, der Musicalmetropole Hamburg geht es laut der Zahlen des Konzerns besser, denn je. Über zwei Millionen Zuschauer in den vier Stage-Theatern der Hansestadt ließen die Verantwortlichen positiv stimmen: Damit ist Hamburg nach New York und London der drittgrößte Musicalstandort der Welt, freute sich auch Uschi Neuss, Geschäftsführerin von Stage Entertainment in Deutschland. Erfreut über zwei Millionen Gäste war sie allerdings auch schon vor dem Bau des neuen und 65 Millionen schweren Stage Theater an der Elbe, das am 23. November 2014 eröffnet wurde. Zuvor hatten die Verantwortlichen gehofft die jährlich „rund zwei Millionen Menschen“ mit dem Wunder um „circa 650 000 Gäste pro Jahr“ zu ergänzen. Das Wunder blieb aus. Stattdessen folgten Negativ-Schlagzeilen. Im Fokus: Der Sparzwang des Weltkonzerns. Dass die Orchester nicht nur einmal um die Hälfte verkleinert wurden, und die Live-Musik so zum Teil vom Band kommt, fällt gerade bei den Musicals auf, die durch die Jahrzehnte – wenn auch in unterschiedlichen Häusern – überlebt haben, wie „Tanz der Vampire“, „Mamma Mia“ oder auch unser „Phantom der Oper“. In Hamburg gab es trotz Einsparungen zwar ein neues Theaterhaus, doch dafür gab es auch das Aus für die renommierte Ausbildungsschule Joop van den Enden Academy, benannt nach seinem Produzenten und Gründer. Dem Namensgeber liegt stets die Förderung junger Talente und die Investition in gut ausgebildeten Musicalnachwuchs am Herzen, so heißt es auf der Homepage. Jetzt wohl nicht mehr.
Schuld am Sparkurs soll der neue Hauptgesellschafter sein, der Finanzinvestor CVC Capital Partners, der für 2015 ein Minus von 19 Millionen Euro vermeldet hat. Während die Mitarbeiter von Stage in Hamburg alles dafür geben, das gute Image aufrecht zu erhalten, scheint es die Machthaber in der Amsterdamer Zentrale nicht groß zu tangieren. Sonst wären sie wohl an der einen oder anderen Stelle taktvoller. Eins ist wohl klar, die Verantwortlichen setzen auf Produktionen mit kürzeren Laufzeiten. Meist schaffen die Shows nur noch ein Jahr. Stellt sich die Frage, wie lange das Disney-Musical „Aladdin“ noch an der Elbe bleiben darf, das im vergangenen Jahr seine Premiere in Hamburg feierte. In dieser Woche verabschiedet sich nun erstmal das Musical „Liebe stirbt nie“. Die Fortsetzung des Phantoms wurde nach nicht mal einem Jahr Spielzeit abgesetzt. Das Stück sei von Anfang an für eine Laufzeit von einem Jahr konzipiert gewesen - mit der Option für eine Verlängerung, von der aber kein Gebrauch gemacht werde. Auch „Hinterm Horizont“ hat eine knappe Laufzeit. Am 10. November feiert das Udo Lindenberg-Musical im Stage Operettenhaus seine Hamburg-Premiere. Im Sommer 2017 aber soll schon wieder Schluss sein.
Gut, dass es da noch den Hamburg-Klassiker gibt, der alle Rekorde bricht und so auch 2015 für ein Plus in Hamburg sorgte: Seit 15 Jahren ist Disneys „Der König der Löwen“ ein Erfolgsgarant. Das Musical hat mit über elf Millionen Besuchern in über 6000 Vorstellungen sogar „Cats“ (6,2 Millionen) und „Das Phantom der Oper“ (6,8 Millionen) überholt. Es ist damit das Aushängeschild für die Musicalhauptstadt Hamburg. Vielleicht auch für Stage Entertainment.
Sicherheitshalber ist Stage Entertainment nun auch ins Tourneegeschäft eingestiegen, bringt „Tanz der Vampire“ und „Ich war noch niemals in New York“ in einer abgespeckten Tourneeversion auf die deutschen Bühnen. Nach Hamburg werden sie so nicht kommen. Allerdings könnte „Ich war noch niemals in New York“ schon bald wieder an der Elbe zu Haus sein. Stage Entertainment sucht in einer aktuellen Ausschreibung eine neue Crew für das Udo Jürgens-Musical.