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Zukunft

TAcht Kirchen in Kehdingen bilden eine Gesamtgemeinde

Zum Guten Hirten auf Krautsand - eine der acht Kirchen, die nun zur Gesamtkirchengemeinde gehört.

Zum Guten Hirten auf Krautsand - eine der acht Kirchen, die nun zur Gesamtkirchengemeinde gehört.

Gut zwei Jahre Arbeit liegt hinter den Kirchenvorständen in Kehdingen. Es war ein Ringen um Identität und Zukunftsperspektiven. Im November war man sich einig: Die Kirchen in Kehdingen werden Gesamtkirchengemeinde.

Von Susanne Helfferich Samstag, 28.01.2023, 09:00 Uhr

Bundesweit haben die Kirchen mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Weniger Mitglieder heißt auch weniger Kirchensteuereinnahmen. Die Konsequenz: Die knappen Kassen wirken sich auf den Personalschlüssel aus. Und Kirchengemeinden mit weniger als 300 Gemeindegliedern droht der Verlust von Zuwendungen der Landeskirche. Betroffen davon wären absehbar Krummendeich und Krautsand. Gemeinden unter 1000 Mitgliedern, wie Balje und Oederquart, könnten nur noch die Hälfte bekommen.

Die Folge: Kirchen könnten geschlossen werden, weil die Gemeinden sie nicht mehr unterhalten können. Oder kleine Gemeinden werden den großen zugeschlagen, so Rolf Brandt aus Assel und Susanne Kuhlmann aus Krummendeich.

Ortskirchengemeinden bleiben dennoch erhalten

Beide saßen mit im Arbeitskreis „Kirchen in Kehdingen“, der mehr als zwei Jahre einen Weg aus diesem Dilemma suchte. Im November haben sich die Kirchenvorstände der acht Kehdinger Gemeinden dafür entschieden, eine Gesamtkirchengemeinde mit einem gemeinsamen Pfarramt zu gründen.

Künftig werden also alle acht Kirchengemeinden von Assel bis Balje eine gemeinsame große Gemeinde sein: die Gesamtkirchengemeinde Kehdingen. Aber: Alle Ortskirchengemeinden bleiben erhalten und sind im Gesamtkirchenvorstand vertreten.

25 Gesamtkirchengemeinden in der Landeskirche Hannover

Die Gesamtkirchengemeinde ist ein relativ neues Modell, um die Herausforderungen durch Mitgliederschwund und Personalmangel zu meistern. In der Landeskirche Hannover gibt es 25 Gesamtkirchengemeinden, die sich bereits gefunden haben oder auf dem Weg dahin sind. Zum Vergleich: Die Landeskirche zählt insgesamt 1219 Kirchengemeinden.

Der Weg zum Zusammenschluss in Kehdingen war nicht einfach. „Es gab die Sorge, Eigenständigkeit und Mitbestimmung für die eigenen Gebäude und Friedhöfe zu verlieren“, erzählt Susanne Kuhlmann, bisher Kirchenvorstandsvorsitzende in Krummendeich.Sie hofft auf Entlastung der Verwaltung. So wird es künftig nicht acht Haushalte geben, sondern nur noch einen. Immobilien, Spenden oder Erbschaften bleiben in der jeweiligen Ortskirchengemeinde.

Pastoren können Schwerpunkt einbringen

„Es wird keine Standortpastoren mehr geben, sondern es werden Seelsorgbezirke innerhalb der Gesamtkirchengemeinde gebildet“, erklärt Rolf Brandt, Kirchenvorstandsmitglied in Assel. „Denkbar ist, dass jeder Pastor oder jede Pastorin einen Seelsorgbezirk und einen weiteren übergreifenden Arbeitsschwerpunkt übernimmt, etwa die Kinder- und Jugendarbeit.“ Das sei eine Chance, eigene Schwerpunkte für die Gesamtkirchengemeinde einzubringen und könne die Attraktivität der Pastorenstellen in Kehdingen steigern.

Weitere übergreifende Themen, wie eben Kinder- und Jugendarbeit, sind Finanzen, Bau, Personal und Friedhöfe, für die Ausschüsse gebildet werden. Die Herausforderungen bleiben: Die Zahl der Pastorenstellen ist im Laufe der Jahre von ehemals 7 auf 3,75 für 11.400 Gemeindeglieder geschrumpft, plus eine halbe Diakonstelle.

Weite Wege und Personalmangel

Unverändert bleiben die weiten Wege: Zwischen Assel im Südosten und Balje-Hörne im Nordwesten liegen gut 40 Kilometer. Erschwerend kommt der Personalmangel hinzu: Die Pastorenstelle Oederquart/Hamelwörden ist seit fast einem Jahr vakant, in Assel geht Pastorin Ellen Rüther im Sommer in Ruhestand - bleiben noch Johanna Flade in Freiburg und Sascha Hintzpeter in Drochtersen. „Es ist ein großer organisatorischer Aufwand, unter diesen Umständen jeden Sonntag in jeder Kirche Gottesdienst oder geistliche Ansprache zu halten“, sagt Kuhlmann. Aber dies sei nur ein kleiner Teil der Gemeindearbeit, „es gibt andere Themen, die wir auch bedienen müssen“. Und so wird wie bisher das Ehrenamt, die Kümmerer vor Ort, gefordert sein.

Umsetzung Anfang 2024

Im künftigen Gesamtkirchenvorstand soll aus jeder Ortskirchengemeinde mindestens ein Kirchenvorstand gewählt werden. Über die Anzahl pro Ort müsse noch gesprochen werden, so Brandt. Die Gesamtkirchengemeinde soll zu Beginn des kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen.

St. Martin in Assel.

St. Martin in Assel.

St. Marien in Balje.

St. Marien in Balje.

St. Johannis und Catharinen in Drochtersen.

St. Johannis und Catharinen in Drochtersen.

St. Wulphardi in Freiburg.

St. Wulphardi in Freiburg.

St. Dionysius in Hamelwörden.

St. Dionysius in Hamelwörden.

Zum Guten Hirten auf Krautsand.

Zum Guten Hirten auf Krautsand.

St. Nicolai in Krummendeich.

St. Nicolai in Krummendeich.

St. Johannis in Oederquart.

St. Johannis in Oederquart.

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