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Dösemoor

Acht tote Schafe in Oederquart – War es der Wolf?

Diese Muttertiere hatten Glück. Da sie kurz vor dem Lammen sind, stehen sie näher am Haus und wurden nicht angegriffen.

Diese Muttertiere hatten Glück. Da sie kurz vor dem Lammen sind, stehen sie näher am Haus und wurden nicht angegriffen.

Auf einer Weide in Dösemoor bei Oederquart sind acht Schafe gerissen worden, neun weitere Tiere wurden verletzt. Ob dort ein Wolf zugeschlagen hat oder wildernde Hunde die Schafe gerissen haben, ist noch offen.

Von Susanne Helfferich Sonntag, 29.01.2017, 19:59 Uhr

Wolfsberater Heiko Hellmann aus dem Landkreis Cuxhaven hat vor Ort DNA-Proben entnommen. Doch die Auswertung kann dauern. Bereits am Freitagvormittag hatte Schäfer Sören Stehr die gerissenen Tiere auf seiner Winterweide entdeckt, eineinhalb Kilometer von seinem Hof entfernt: „Ich wollte den Schafen Heu bringen, da lagen sie da.“ Von den elf verletzten Tieren starb eines später, ein weiteres musste nach Auskunft von Hellmann eingeschläfert werden.

Der Wolfsberater aus dem Landkreis Cuxhaven erklärte am Sonnabend auf Anfrage, dass er noch keine Aussagen darüber treffen könne, ob der Verursacher der Risse ein Hund oder ein Wolf gewesen war. Er habe am Freitag gut auswertbare DNA-Proben nehmen können, da die Risse zeitnah gemeldet worden seien. Weitere Spuren habe er nicht finden können. Für Trittsiegel (Fußspuren) sei der Boden zu gefroren gewesen, eine Losung (Kot) habe er nicht entdeckt. Zahnabdrücke am Hals der Schafe seien nicht sehr ausgeprägt gewesen.

Wie Schäfer Stehr berichtet, seien die Tiere am Donnerstagnachmittag noch unversehrt gewesen. Er ist froh, dass es nur eine kleine Gruppe seiner insgesamt 400 Tiere umfassenden Herde traf, die er auf der Winderweide hatte. „Das waren die Tiere, die erst im März lammen sollten“, erzählte er. Jetzt habe er aber auch die letzten Schafe zum Haus geholt. Für ihn wiegt der Verlust doppelt. Denn mit jedem Schaf, das jetzt getötet wurde, geht ihm auch ein Lamm verloren. Rein finanziell sei es ein Schaden von etwa 2000 Euro. „Dabei wissen wir noch nicht, wie viele der Mutterschafe jetzt noch verlammen“, ergänzt seine Frau Jana. Viele Schafe reagieren nach einem solchen Schock mit einer Frühgeburt. Falls nachgewiesen wird, dass ein Wolf die Schafe getötet hat, ist eine Entschädigung durch das Land sehr wahrscheinlich.

Bitter für den Schäfer ist, dass er Anfang Januar beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) einen Antrag auf Bezuschussung einer wolfssicheren Einzäunung gestellt habe. Als Antwort sei ihm gemailt worden, dass die Behörde den Antrag noch nicht bearbeiten könne und dass er sich gedulden müsse.

Seit 49 Jahren hält die Oederquarter Familie Schafe. Vater Kurt Stehr hat mit sechs Tieren angefangen. Fast alle 400 Schafe heute stammen von diesen Muttertieren ab. Nur einmal habe er 20 Schwarzkopfschafe dazu gekauft. Vor fünf oder sechs Jahre seien schon einmal Lämmer auf seiner Weide gerissen worden, berichtet Kurt Stehr. Das sei aber nicht weiter untersucht worden. „Damals hatte man den Wolf noch nicht auf dem Schirm“, so Sören Stehr. Ob der Übeltäter diesmal ein Wolf war, wisse er nicht. „Das muss der DNA-Test ergeben“, sagt er. Was ihn ärgert, ist, dass die Auswertung drei Monate dauern soll. Ein Schnelltest sei zu teuer, wurde ihm gesagt.

Auch Wolfsberater Hellmann ist vorsichtig mit ersten Schlüssen: „Das einzig Auffällige ist, dass nur ein Schaf ausgewaidet war, aber zu wenig Fleisch genutzt wurde.“ Das könne auf einen Hund hindeuten, der aufgrund von Unerfahrenheit nicht wusste, was mit der Beute anzufangen sei. „Es kann aber auch sein, dass es ein Wolf war, der gestört wurde“, so Hellmann. Üblicherweise würde ein Wolf sich über die Innereien hermachen. „Ein Wolf mit leerem Magen kann bis zu zehn Kilo Fleisch aufnehmen“, so Hellmann. Er betont: „Es werden immer noch mehr Schafe durch wildernde Hunde getötet als durch Wölfe.“

Wie Baljes Bürgermeister Hermann Bösch Sonntagabend am Rande des Neujahrsempfangs in Oederquart berichtete, habe ein Jäger aus Geversdorf am Sonntag im Pappelwald in Hörne einen Wolf gesehen. Der Mann war telefonisch nicht erreichbar.

Vor gut einem Jahr sind erstmals Wölfe im Nordkehdinger Außendeich gesichtet worden, unter anderem von erfahrenen Jägern. Allerdings fehlt bis heute ein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass das Raubtier sich diesseits der Oste angesiedelt hat. Im Nachbarkreis Cuxhaven ist sein Vorkommen mittlerweile belegt.

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