TAlbtraum Bahn: Junge Mutter erlebt Irrfahrt zwischen Hamburg und Bremerhaven
Izabella Lapysz fordert Aufklärung nach nächtlicher Busaktion nach Stubben. Ihre beiden Kinder strandeten dort auf der Rückfahrt nach Bremerhaven in der Nacht von Freitag auf Samstag. Foto: rp
Eine nächtliche Zugfahrt entwickelt sich für Shirin Lapysz ab Bremen zu einem Albtraum, als sie und andere Fahrgäste plötzlich in einem ihnen unbekannten Dorf stranden.
Bremerhaven. Bahnfahrer sind einiges gewohnt. Aber so etwas hat Shirin Lapysz nicht erlebt. Die Fahrt der Bremerhavenerin von Hamburg nach Bremerhaven gerät am vergangenen Freitag in der Nacht zu Samstag ab Bremen zu einer Irrfahrt, bis sie in Stubben abgesetzt und ihrem Schicksal überlassen werden. Dabei fährt sie oft mit der Bahn. „Ich habe in den letzten zwei Monaten immer wieder Probleme erlebt. Aber so einen Knaller habe ich nicht gehabt“, sagt die 26-Jährige.
Shirin Lapysz besucht am Freitag mit ihrem 21-jährigen Bruder in Hamburg ihren Vater, der schwer krank ist. Daher befindet sie sich an diesem Abend auch emotional in einer Ausnahmesituation. Laut Fahrplan müsste sie um Mitternacht am Bremerhavener Hauptbahnhof ankommen. Das ist wichtig, da sie zwei Kinder im Alter von einem und sechs Jahren hat und ihr Partner am nächsten Morgen zur Frühschicht muss. Doch es kommt nicht, wie es der Fahrplan der Bahn verspricht.
Ab Bremen-Burg nimmt die Irrfahrt ihren Anfang
Doch schon an der nächsten Haltestelle nach der Abfahrt in Bremen hält der Zug in Bremen-Burg, wartet dort etwa zwanzig Minuten. Als Begründung wird in der Durchsage eine Baustelle angegeben, so die 26-Jährige. An der nächsten Haltestelle Ritterhude wartet der Zug erneut 45 Minuten. Dann heißt es, die Fahrgäste sollen aussteigen, es komme Schienenersatzverkehr in Form von Bussen. Schließlich kommen nach weiterem Warten zwei Busse, allerdings zeigen sie oben als Zielort das Dorf Stubben an.
Schienenersatzverkehr
Bauarbeiten: Pendler müssen im Landkreis Stade von S5 auf Busse umsteigen
Shirin Lapysz fragt sich: „Sind der Bahn die Haltestellen nicht bekannt? Warum wird der Schienenersatzverkehr nicht von Bremen aus angeboten.? Und warum fahren die Busse ausgerechnet nur bis Stubben, obwohl viele der Fahrgäste bis nach Bremerhaven weiterfahren wollen? Unterwegs nach Stubben verfahren sich die beiden Busfahrer zweimal, da der zweite Fahrer sich am vorausfahrenden Bus orientiert und beide ortsunkundig sind.
Kinder mit Reisegepäck stranden in Stubben
Schließlich setzen die Busfahrer die Fahrgäste in Stubben ab. Auf den Einwand der Fahrgäste, dass sie weiterfahren müssen, bekommen sie die lapidare Antwort: „Ist nicht mein Problem.“ Und so stranden Dutzende Fahrgäste in Stubben. „Aus unserem Bus stiegen etwa 40 Fahrgäste aus, in dem anderen Bus waren auch viele Kinder mit ihrem Reisegepäck“, sagt die 26-Jährige.
Und weiter: „Der Ort war mir bis dahin unbekannt. Wären wir in Bremen geblieben, hätten wir ein Hotel suchen oder ein Taxi rufen können. Zudem war mein Akku fast leer und die Kinder warteten zu Hause. Das hat den Stresspegel bei mir ziemlich hochsteigen lassen.“

Auf der Strecke zwischen Bremerhaven und Bremen werden zwischen dem 2. und 6. Oktober keine Züge fahren. Die Bauarbeiten führen zu Problemen im Bahnverkehr. Foto: Sina Schuldt
Als sie und ihr Bruder sehen, dass sie endgültig gestrandet sind und nicht weiterkommen, benachrichtigen sie ihre Mutter Izabela in Bremerhaven und bitten sie, sie dort abzuholen. Daraufhin muss die 44-Jährige in der Nacht eine Betreuung für ihren kleinen Sohn organisieren, damit sie überhaupt aus dem Haus kann. Unterwegs gerät sie im Stress in eine Radarfalle. Schließlich holt sie ihre beiden Kinder in Stubben ab. Als sie wieder in Bremerhaven sind, ist es kurz vor 4 Uhr morgens. Der Ärger über die nächtliche Irrfahrt ist der 26-jährigen Shirin Lapsysz auch nach Tagen anzumerken.
Die Bahn geht dem Problem nach und möchte aufklären
„Diesen Stress hätte ich nicht gebraucht. Es geht gar nicht, dass wir laut Fahrplan um Mitternacht in Bremerhaven ankommen sollen, stattdessen aber mitten in der Nacht mit so vielen Fahrgästen in einem uns unbekannten Dorf abgesetzt werden. Eine Entschuldigung der Bahn wäre fällig.“ Die „Nordsee Zeitung“ erreichen auch andere Fahrgäste der Bahn, die mit dem Schienenersatzverkehr nicht zufrieden sind. Die Bahn ist über das Problem informiert, konnte aber bis zum Redaktionsschluss zu den Vorwürfen keine Stellungnahme schicken.
Bahnfahrer müssen sich auf weitere Probleme gefasst machen
Die Probleme der Bahnfahrer dürften in den kommenden Tagen noch zunehmen. Pendler und Bahnreisende müssen sich auf massive Einschränkungen zwischen Bremerhaven und Bremen einstellen. Zwischen dem 2. und 6. Oktober sollen zwischen den beiden Städten keine Züge fahren.
Wer über das lange Wochenende mit dem Zug nach Bremerhaven unterwegs ist, muss sich auf Umwege einstellen. Wegen Bauarbeiten fahren die Züge der Nordwestbahn (NWB) an gleich fünf Tagen nicht. Schon seit Anfang September enden die Regionalexpress-Linien RE8 und RE9 der Deutschen Bahn am Bremer Hauptbahnhof und kommen nicht weiter. Nun trifft es auch die RS2 der NWB – auf einigen Abschnitten fallen die Züge komplett aus.