TAlle gegen alle
Zum Artikel „Vertrauen muss zurückgewonnen werden“ (TAGEBLATT vom 17. Dezember) schreibt Peter Speich aus Stade:
Zuerst ein Zitat von Friedrich Nietzsche: „Wer mit sich unzufrieden ist, ist fortwährend bereit, sich dafür zu rächen.“ Es hat den Anschein, als ob dieser Wahlkampf zu einem Rachefeldzug aller gegen alle ausarten wird. Das gemeinsame politische Credo „Politik mit Anstand“, das sich die Parteien erst kürzlich auf die Fahnen geschrieben haben, ist bereits pulverisiert. Wie kann man auch zufrieden sein, wenn von diesen drei Regierungsjahren letztlich nur noch die Implosion dieser Ex-Regierung als Fußnote im Geschichtsbuch bleibt? Ob das, was kommt, besser ist, bleibt fraglich. Es ist zumindest mit Bestimmtheit anders. Und genau das kann zu einer unerwünschten Gefahr werden. Die Wähler erwarten von einer Partei, die sich um das Bundeskanzleramt bewirbt, nicht zuerst Visionen, sondern Geschlossenheit. Die Partei hinter einem potenziellen Kanzlerkandidaten muss nicht zuvorderst links oder rechts, rot, blau oder grün, sondern geeint sein. Diese Sehnsucht nach Geschlossenheit ist weder spießig noch verrückt.Sie ist vernünftig. Einem Kanzlerkandidaten, der vorher nicht die eigenen Leute hinter sich versammeln kann, wird es schwerlich gelingen, später Amerikaner, Russen oder auch nur die anderen Europäer auf seine Seite zu ziehen.