Als „Planmensch“ beweist Catharina Bröhan Kompetenz
Catharina Bröhan (30) ist Geschäftsführerin des gleichnamigen Autohauses Werner Bröhan mit zwei Standorten in Wiepenkathen und Königreich. Foto: Balzer
Mitten im Studium ist Catharina Bröhan von ihrem Vater angerufen und gefragt worden, ob sie kurzfristig als Unterstützung ins Familienunternehmen kommen könne. Da war sie 25 Jahre alt und es eigentlich noch nicht geplant, im Autohaus Werner Bröhan einzusteigen.
Eigentlich wollte sie auch gar nicht unbedingt in die Automobilbranche. Schließlich hat sie ja noch zwei Drillingsgeschwister, von denen auf jeden Fall der Bruder in das Geschäft des von ihrem Großvater gegründeten Unternehmens einsteigen wollte. Da sie aber einen kaufmännischen Beruf ergreifen wollte, lernte sie dann doch den Beruf der Automobilkauffrau – im renommierten Jaguar House Krüll in Hamburg. Danach ging Catharina Bröhan in das Luxusautohaus Tamsen nach Bremen, wo sie als Disponentin Berufserfahrung sammelte und nebenbei ein betriebswirtschaftliches Abendstudium aufnahm.
Dann kam der Anruf. Der Vater wollte sie als Unterstützung ins Unternehmen holen – da konnte sie nicht Nein sagen. Allerdings wollte sie auf keinen Fall schon Juniorchefin sein und fing deshalb in der Disposition an.
Der Anfang war nicht immer leicht. „Du bist nicht die Disponentin, sondern die Tochter“, erinnert sich Catharina Bröhan. Dabei gibt sie zu, dass es auch für die Mitarbeiter, die seit vielen Jahren im Unternehmen sind und Catharina Bröhan schon als Kind kannten, nicht einfach war, sie in dieser neuen Rolle zu sehen. Schnell hat sie gelernt, dass es wichtig ist zu wissen, welchen Mitarbeiter man ansprechen muss, wenn man etwas wissen will. Denn von allein kamen die Informationen nicht, sagt die damals 25-Jährige.
Nachdem sie sich einen weitreichenden Überblick über die Struktur des Unternehmens verschafft hatte, optimierte sie Prozesse und Abläufe und implementierte diese vorwiegend im Vertrieb. Das war notwendig, denn das Aufgabengebiet wurde größer, die Bereiche Neue Medien und Marketing kamen hinzu. Die Marken Volvo und Hyundai wurden aufgeteilt, und sie übernahm eigenverantwortlich die Marke Hyundai. Dem nach eigenen Angaben „Planmenschen“ Bröhan half ihr hohes Maß an Strukturiertheit, um sich durch die anfänglichen Wirren der Komplexität eines Autohauses und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu kämpfen – und ihre Kompetenz zu beweisen.
Mitverantwortung als Instrument der Motivation ist ihr Antrieb: Die Aufgaben im Unternehmen wurden nicht nur mehr, sondern entwickelten sich auch zunehmend zu einer besonderen Herausforderung. Die Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden und zu halten veranlassten sie, nicht nur sogenannte Personalleistungsgespräche einzuführen, sondern auch die Mitarbeiter in Entscheidungen mit einzubeziehen – um sie als Teil des Teams zu motivieren und gewissermaßen an das Unternehmen zu binden. „Ich möchte die Mitarbeiter mit auf den Weg nehmen“, sagt die nunmehr zur Juniorchefin avancierte Catharina Bröhan. So entwickelte sich immer mehr das gegenseitige Vertrauen, und die Art und Weise der Mitarbeiterführung zahlte sich aus.
Catharina Bröhan musste zunehmend strategisches Unternehmerdenken unter Beweis stellen. Das Team gab ihr dabei Rückhalt und leistete volle Unterstützung. Hat ein „Hätte ich anders gemacht“ vom Vater oder eine andere Auffassung von Mitarbeiterführung des inzwischen ins Unternehmen eingetretenen Bruders Niklas Bröhan den Kurs zuweilen infrage gestellt? „Unterschiedliche Auffassungen von manchen Dingen liegen in der Natur der Sache und sorgen dafür, dass der Blickwinkel auch mal geändert wird. Ich bin froh, dass wir uns gemeinsam so kon-struktiv austauschen“, freut sich Catharina Bröhan über die wertvolle Unterstützung durch ihren Vater und ihren Bruder.
Der Erfolg gibt ihr recht. Das, was der „Planmensch“ Catharina Bröhan lernen musste, ist die Nichtplanbarkeit der Zukunft in Bezug auf den Einsatz der Mitarbeiter. Dies hänge nicht nur von sich ständig verändernden Einflüssen aus der Politik, der Wirtschaft und den Herstellern ab, sondern auch von den Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Deren Pläne ändern sich, und damit ändert sich für ein familiengeführtes Autohaus, das unter Fachkräftemangel genauso leidet wie unter der Arbeitgeberkonkurrenz aus der Industrie, ebenso das Gerüst. Inzwischen könne sie damit gut umgehen, und es gelingt ihr, viele Menschen von den Vorteilen eines Familienbetriebes zu überzeugen – mit Menschlichkeit, einem stets offenen Ohr und viel Leidenschaft für die große Aufgabe, ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern zu führen.
Zur Person
Catharina Bröhan ist seit 2013 im Familienunternehmen, zwei Jahre später erlangte sie Prokura und seit Januar 2018 ist sie Geschäftsführerin der Autohaus Werner Bröhan GmbH. Sie hat ein abgeschlossenes „General Management“-Studium und ist verheiratet mit dem Verkaufsleiter im Autohaus Werner Bröhan in Stade-Wiepenkathen, Michael Bröhan-Schmand. Beide haben eine Tochter und einen einjährigen Sohn.