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Dokumentation

Als der Krieg nach Neuenfelde kam

Christa Dyroff (links) und Monika Genz erforschen die Kriegsauswirkungen in Neuenfelde. Foto: Lepél

Christa Dyroff (links) und Monika Genz erforschen die Kriegsauswirkungen in Neuenfelde. Foto: Lepél

Christa Dyroff und Monika Genz wollen die Geschichte ihres Heimatortes während des Zweiten Weltkrieges erforschen und eine sachliche Dokumentation der Jahre von 1940 bis 1945 erstellen. Dabei setzen die Neuenfelderinnen auf ihre Mitbürger.

Sonntag, 17.11.2019, 11:00 Uhr

Heute erinnert in Neuenfelde auf den ersten Blick nicht mehr viel an den Zweiten Weltkrieg. Doch wer genau hinschaut, findet Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es gibt sogar ein „begehbares Mahnmal“. Es ist ein Bunker, den sich die Neuenfelder zur eigenen Sicherheit und in Eigeninitiative während des Krieges bauten. Er befindet sich beim Dorfgemeinschaftshaus „Uns Hus bi de Kark“ und kann von innen und außen besichtigt werden.

Der Bunker ist da, doch sonst mangelt es an Erinnerungen an die schlimme Zeit in Neuenfelde – und auch die Zeitzeugen werden immer weniger. Das haben Monika Genz und Christa Dyroff vom Verein „900 Jahre Neuenfelde“ zum Anlass genommen, sich mit den Geschehnissen zu beschäftigen, die während ihrer Kindheit in ihrem Heimatort passierten. Sie möchten unter dem Titel „1940-1945: Kriegsauswirkungen in Neuenfelde“ eine Dokumentation erstellen und haben dafür bereits mit einigen Zeitzeugen gesprochen.

Sie berichteten von einem Nazi-Pastor, der die Kinder beim Lehrer verpfiff, vom Bombenhagel, der weinend in den Armen der Mutter erlebt wurde, von Toten, zerstörten Häusern und vom Nationalsozialismus, der sich bereits im frühen Alter ins Leben der Kinder schlich. Die beiden gebürtigen Neuenfelderinnen benennen die Euthanasieopfer und die gefallenen Soldaten aus dem Dorf an der Elbe. „Ich bin Jahrgang 1948 und gehöre der Generation an, in der zu Hause und in der Schule wenig oder auch gar nicht über den Krieg gesprochen wurde“, sagt Christa Dyroff.

Als Mädchen habe sie auch kein Interesse an Bomben und Kriegsgeschehen gehabt. „Die meisten Menschen konnten und wollten nicht darüber sprechen. Und es wollte auch keiner hören“, sagt Dyroff. Heute ist es anders, haben die beiden geschichtsinteressierten Frauen erfahren: „Viele sind dankbar, über die Kriegsjahre sprechen zu können und dafür, dass die Erlebnisse für ihre Kinder aufgeschrieben werden sollen.“

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Die heutigen Zeitzeugen waren damals selbst Kinder oder Jugendliche. „Aber auch sie haben ihre Erinnerungen. Diese möchte ich in der Dokumentation festhalten und für die Zukunft bewahren“, sagt Christa Dyroff. Die Arbeit solle zeigen, was der Krieg infolge der Nähe zu Hamburg selbst in einem kleinen Dorf für unsägliches Leid gebracht habe.

Ein sorgsam geführtes Tagebuch von Heinrich Matthees von der Feuerwehr Neuenfelde-Süd war der Grundstein mit ersten wertvollen Informationen über die Zerstörungen in Neuenfelde. Auch die Aufzeichnungen von Heinz Oellrich, älterer Bruder von Monika Genz, verschafften den Frauen ein lebhaftes Bild von der Kindheit im Krieg. Viele persönlich geführte Gespräche haben schon viele Seiten gefüllt. „Einige Zeitzeugen erzählten so authentisch, dass man es hinterher unbedingt aufschreiben musste. Denn in wenigen Jahren gibt es niemanden mehr, der sich noch an diesen schrecklichen Krieg erinnern kann“, sagt Monika Genz.

Und Christa Dyroff ergänzt: „Unserer Generation steht es nicht zu, über Unterstützer oder Mitläufer für das NS-Regime zu urteilen. Wir leben in einer friedlichen Zeit, ohne Hunger und ohne Entbehrungen.“ Die Dokumentation solle Erinnerungen erhalten, bevor diese in Vergessenheit geraten. Und sie solle eine Mahnung an die nächsten Generationen sein: „Damit sich so etwas niemals wiederholt.“

Für ihre Dokumentation über die Kriegszeit in Neuenfelde freuen sich die beiden Hobby-Historikerinnen über Informationen und Fotos aus dieser Zeit. Christa Dyroff ist unter 0 40/ 7 45 99 04 oder per Mail an cd@900jahreneuenfelde.de zu erreichen. Monika Genz hat die Rufnummer 0 41 65 /69 33 und die E-Mail mg@900jahreneuenfelde.de.

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