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Alte Lohmühle: Hofladen und Bistro beim Gut

Der Alten Lohmühle, dem Wahrzeichen des Gutes Deinster Mühle, wird neues Leben eingehaucht. Im neuen Jahr sollen dort ein Hofladen und ein Bistro ihren Betrieb aufnehmen. Auch die Schaffung von Wohnungen und Büro- oder Praxisflächen ist im Gespräch.

Sonntag, 29.12.2019, 08:00 Uhr

Die Nachricht schlug Anfang des Jahres ein wie eine Bombe: Beim Gut Deinster Mühle musste die Gastronomie dicht machen. Geschäftsführer Peter Lechler hatte für die Betriebsgesellschaft den Insolvenzantrag gestellt. Das Hotel mit 19 Zimmern und Ferienwohnung nach dem Drei-Sterne-Superior-Standard hat unter einer neuen Leitung längst wieder geöffnet, jetzt zeichnet sich auch für den Gebäudekomplex der Alten Lohmühle an den Fischteichen mit Bistro und Restaurant eine Lösung ab.

Die Eigentümer der Immobilien, Julia Steffens und Jens Schulte-Steffens, haben lange nach einem neuen Pächter gesucht, der ein Konzept präsentiert, das zu dem Standort passt. Nun sind sie fündig geworden.

Seit über 40 Jahren gehört die Gastronomie zum Gut Deinster Mühle, das seit mehr als 800 Jahren besteht. Seit über 460 Jahren wird es von der Familie Steffens bewirtschaftet. Seit Sommer 2015 hatten sie Hotel, Restaurant und Bistro an den Gastronomen Peter Lechler verpachtet. Im kommenden Jahr übernehmen die Brüder Florian und Sebastian Witte sowie Florian Wittes Frau Sonja die Alte Lohmühle. „Sie ist das Herzstück des Gutes“, sagt Eigentümerin Julia Steffens. Ein Hofladen mit einem Bistro sollen dort untergebracht werden. „Die Planungen laufen auf Hochtouren“, sagt Sonja Witte.

Frisches Obst und Gemüse, ausgewählte Manufaktur-Produkte, ein Bistro-Café mit Außengastromie – die Ideen sind konkret. „Wir haben jahrelange Lieferanten und Geschäftspartner mit im Boot. Wir wollen die Waren ohne Zwischenhändler und Zwischenlager anbieten – ganz direkt“, sagt Florian Witte, der mit seinem Bruder in Deinste aufgewachsen ist. In Fredenbeck-Wedel betreiben sie einen Schälbetrieb. Das Bistro und das bisher getrennt angelegte Restaurant mit seinen 140 Plätzen sollen verschmolzen werden. Derzeit sitzen Wittes an der Detailplanung – und warten auf die Baugenehmigung aus dem Kreishaus. Viele Ämter seien involviert, sagt Florian Witte.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Jens Schulte-Steffens. Er ist überzeugt: „Das Konzept mit Hofladen und Bistro passt in die Zeit.“ Regionale Waren, der direkte Draht zu den Erzeugern – das sei genau das Richtige für den Standort. Immer wieder werde er gefragt, wie es weitergehe mit dem aktuell leerstehenden Gebäude. Endlich könne er eine Antwort geben, freut sich Jens Schulte-Steffens. Hofladen und Bistro sollen Anziehungspunkt für Radfahrer, Ausflügler und Golfer werden. 9000 Fahrzeuge sind täglich auf der Kreisstraße 1 zwischen Fredenbeck und Deinste unterwegs. Ganz in der Nähe entsteht derzeit ein neues Wohnquartier mit Pflegeeinrichtungen und Kindergarten.

„Wir wollen den örtlichen Bäckereien keine Konkurrenz machen“, sagt Florian Witte. Auf jeden Fall werde es im Bistro wieder Fischbrötchen geben, verspricht der neue Pächter. Die Mischung aus Tradition und Moderne biete „großes Potenzial“, die verkehrsgünstige Lage an der Kreisstraße und die Idylle an den Fischteichen sei „top“. Wittes holen sich Inspiration bei Fachmessen und führen bereits Gespräche mit potenziellen Mitarbeitern. Im Frühjahr, spätestens im Sommer, soll die Eröffnungsfeier steigen. Aktionen und Veranstaltungen im Sommer seien in Planung. „Wir wollen den Standort beleben“, sagt Sonja Witte. „Das neue Geschäft darf wachsen“, sagt Julia Steffens. Wenn sich ein raffinierter Gastronom findet, der das Restaurant in kleinerem Rahmen wieder betreiben wolle, sei er willkommen.

Zusammen mit ihrem Mann erwägt Julia Steffens, im Fachwerk-Anbau barrierearme Wohnungen mit Blick aufs Wasser einzurichten. Die Statik des Gebäudes lasse dies zu. Die exklusive Lage spreche für sich. Auch die Einrichtung von Büro- oder Praxisflächen sei denkbar. Die Deinster Mühle wird erstmals um 1235 im Lehensregister des Klosters Corvey erwähnt. Das St.-Georgs-Kloster betrieb seinerzeit eine Wassermühle, eine Fischzucht und eine Brauerei. 350 Jahre Familiengeschichte: Nachweislich bewirtschafteten seit dem Jahr 1634 Vorfahren der Familie Steffens das Gut Deinster Mühle.

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