Alter Elbtunnel: 8,5 Jahre Bauzeit und 60 Millionen Euro
Der Alte Elbtunnel erstrahlt demnächst in neuem Glanz: Im Rahmen umfangreicher Sanierungen der Oströhre wurden Wandkacheln wiederhergestellt, Lampen angefertigt, Fugen abgedichtet und Schrauben erneuert. Am 26. April wird der Tunnel offiziell wiedereröffnet.
Achteinhalb Jahre und 60 Millionen Euro später wird der Tunnel am 26. April offiziell wiedereröffnet und einen Monat später dann zur unterirdischen Bühne: Am 25. und 26. Mai ist dort jeweils um 16.30 und um 18 Uhr die „Symphonie für einen Tunnel“ zu hören.
Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Konzert stammt von Georg Hajdu, Professor für multimediale Komposition an der Hochschule für Musik und Theater. „Ich beschäftige mich schon seit Ende der Neunziger mit sogenannten Netzwerkkompositionen. Dafür habe ich Software entwickelt, mit der ich Musikern ermöglicht habe, über große Distanzen miteinander zu musizieren“, erklärt Hajdu. „Als ich 2002 nach Hamburg kam, dachte ich immer wieder darüber nach, wie ich das in Hamburg verwirklichen kann, und irgendwann kam ich auf die Idee, dass sich der Elbtunnel dafür wunderbar eignen würde.“ Dank finanzieller und organisatorischer Unterstützung des Hafenbetreibers Hamburg Port Authority und des Bildungsministeriums in Berlin wird Hajdus Traum nun wahr.
144 Musiker und Sänger werden an der „Symphonie für einen Tunnel“ beteiligt sein. Bei einer Gesamtlänge beider Tunnelröhren von 860 Metern heißt das, dass alle sechs Meter jemand musiziert. Die Musiker werden in Zwölfer-Gruppen eingeteilt, mit jeder zwölften Person wiederholt sich das Instrumentarium. Weil es unmöglich wäre, sie alle gleichzeitig zu dirigieren, bekommt jeder Musiker ein Tablet. Die Geräte werden über einen Zentralcomputer gesteuert und zeigen die Notenfolge an. „Man kann sich das ein bisschen so vorstellen wie bei dem Spiel Guitar Hero“, sagt Hajdu. „Die Musiker werden auf dem inneren Bürgersteig stehen, die Besucher können sich in der Fahrrinne und auf dem anderen Bürgersteig frei bewegen – und das sollen sie auch tun, weil jede Position einen anderen Klangeindruck gibt.“ Rund 320 Besucher dürfen pro Konzert zuschauen.
Natürlich erwartet die Besucher 20 Meter unter der Erde ein ganz besonderer Klang. „Die besondere Akustik macht die Aufführung auf jeden Fall einzigartig“, so Hajdu. „Es klingt einerseits ein bisschen als würde man ständig das Pedal am Klavier drücken, andererseits ist natürlich auch mit der Schallgeschwindigkeit zu rechnen. Von einem Ende des Tunnels zum anderen braucht ein Ton 1,5 Sekunden, und bis er ganz verhallt ist, vergehen etwa acht Sekunden. Die Topografie des Tunnels muss man beim Komponieren auf jeden Fall beachten.“
Die meisten Werke, die aufgeführt werden, sind eigens zu diesem Anlass komponiert, zum Teil von international bekannten Komponisten, zum Teil von Studierenden der Hochschule. „Darunter zum Beispiel eine Suite, die ganz unterschiedliche Aspekte erforscht“, verrät Hajdu. „Erst wird eine Orchesterstimmung nachgestellt, dann gibt es eine Fanfare aus vier Trompeten, die an unterschiedlichen Positionen im Tunnel aufgestellt sind und die Entfernung erlebbar machen. Bei einer Skala kommt außerdem jedes Instrument für sich zur Geltung, dazu werden die Namen der Arbeiter verlesen, die den Tunnel gebaut haben.“
Alle vier Aufführungen werden sich – mal mehr, mal weniger – unterscheiden. Ein Teil des Orchesters entstammt der Hochschule sowie dem Konservatorium, es sind aber auch zahlreiche Amateurmusiker dabei. Vier Positionen sind sogar noch zu besetzen: Wer E-Gitarre oder Tuba spielt, kann sich an xiao.fu@hfmt-hamburg.de wenden. Es wird eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro gezahlt. Den Besuchern verspricht Hajdu „eine völlig neue Sache, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat“. Wenn seine Sinfonie für den Tunnel gut ankommt, würde er sie gerne auch in andere Städte bringen. „Ich glaube, dass das Komponieren und Musizieren der Zukunft sehr viel mehr mit sozialen Praktiken zu tun haben wird als mit dem Entdecken neuer Klänge. Also dass man an ungewöhnlichen Orten spielt und ungewöhnliche Szenarien schafft.“
Eintrittskarten
Karten für die „Symphonie für einen Tunnel“ sind ab dem 27. April erhältlich und kosten 15 Euro.