Alter Freihafen-Elbbrücke droht der Abriss
Sind die Tage der Freihafen-Elbbrücke mit den markanten Fachwerkbögen gezählt? Die Hafenbehörde HPA prüft einen Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks aus dem Jahr 1926.
Denkmalfreunde sind alarmiert und fordern die Stadt auf, die knapp 100 Jahre alte Verbindung zwischen Hafencity und der Veddel zu erhalten und instandzusetzen. Die 300 Meter lange Freihafen-Elbbrücke dient als Straßenverbindung zwischen den Elbufern und bildet mit der östlich anschließenden Eisenbahn-Querung das Ensemble der Elbbrücken. Anders als die Konstruktion für den Fern- und S-Bahnverkehr jedoch gilt die Straßenbrücke als schwer angeschlagen und reparaturbedürftig. HPA-Sprecher Kai Gerullis verweist darauf, dass die Freihafen-Elbbrücke im Zweiten Weltkrieg „sehr stark beschädigt“ wurde. Laut statischen Berechnungen sei nur noch eine eingeschränkte Nutzung für den Verkehr möglich. „Das Ende des planmäßigen Nutzungszeitraums wird in absehbarer Zeit erreicht.“
Noch ist die Entscheidung für einen Abriss nicht gefallen. Nach Angaben des Sprechers prüft die Hafenbehörde daneben auch eine Teilerneuerung, bei der die Fahrbahn einschließlich der Fuß- und Radwege komplett ersetzt werden würde, ebenso der besonders stark beschädigte mittlere von drei Überbaus. Die genieteten Stahl-Fachwerkbögen blieben bei dieser Lösung erhalten.
Alternative sei ein „klassischer Neubau“, wie die HPA formuliert, bestehend aus drei Stabbogenbrücken an derselben Stelle. In die Planungen sei das Denkmalschutzamt eng eingebunden, eine Entscheidung soll 2020 fallen. Kostenschätzungen macht die Behörde nicht.
Der private Denkmalschutzverein warnt eindringlich vor einem Abriss. Das Bauwerk besitze eine „nationale historische Bedeutung aus technischen, verkehrlichen und städtebaulichen Gründen“, betont Vereinschefin Kristina Sassenscheid und sagt: „Wir erwarten natürlich, dass die Freie und Hansestadt Hamburg, und damit auch die HPA, ihrem eigenen Denkmalschutzgesetz folgt und vorbildhaft saniert.“
So verfüge die Freihafenbrücke über eine besondere Konstruktion aus Fachwerkbogenträgern mit Zugband, den sogenannten „Deutschen Bögen“. Auch sei sie zweigeschossig konstruiert und allein deswegen eine Rarität. Oberhalb der Fahrbahn hatten die Erbauer einst Platz für U-Bahngleise gelassen, die nie kamen. Ein Neubau würde laut HPA nur noch über eine Fahrebene verfügen.
Hamburgs Denkmalfreunde sehen sich durch ein Gutachten des Fachmanns für historische Stahlkonstruktionen, Werner Lorenz von der TU Cottbus, bestätigt. Quintessenz der Expertise: Die Freihafen-Elbbrücke sei besonders stabil gebaut und eigne sich daher hervorragend für Sanierung und Weiterbetrieb.