Altes Land lädt zum Kirschenrausch
Handan Gök und Catharina Wenzel vom Tourismusverein Altes Land machen ein Picknick unterm Kirschbaum . Foto Tourismusverein Altes Land
Die Altländer ehren die Kirsche – eine ganze Woche lang: Mittlerweile ist die Altländer Kirschenwoche neben dem Blütenfest und den Apfeltagen das dritte Zugpferd des Tourismus und des Obstbaus.
Ganz hoch im Kurs steht bei Touristen und Ausflüglern das Selbstpflücken, so Handan Gök vom Tourismusverein Altes Land.
„Kirschen, Kunsthandwerk und mehr“ – so lautet das Rezept. Während der Kirschenwoche gibt es Genussreisen und Führungen auf den Obsthöfen und im Schaufenster im Obstbauzentrum Esteburg (2. Juli, 15 Uhr) sowie unter anderem Bimmelbahnfahrten und Verkostungen in der Brennerei Nordik. Krönender Abschluss ist der 18. Altländer Kirschenmarkt am Sonntag, 8. Juli, 11 Uhr, in Jork. Auch die Gastronomie zieht mit, in den Restaurants und Cafés locken Kirschsuppe und mehr. Die Hauptattraktion wird wieder das Anlanden von erntefrischen Kirschen am Rathaus sein. Ein Altländer Fleetkahn-Gondoliere wird die prall gefüllten Kiepen zum 1649/1650 erbauten Gräfenhof staken.
Beim „Altländer Kirschenmarkt“ werden prall gefüllte Kiepen wie früher mit dem Fleetkahn angelandet. Archivfoto Vasel
Zum Hintergrund: Erst im 19. Jahrhundert begann der Bau der großen Straßen. Der heutige Obstmarschenweg, die Stade-Francoper-Chaussee, wurde erst 1875 mit der Querung über die Este fertig. Der Fleetkahn war einstmals das wichtigste Transportmittel des Alten Landes. Bis in die 1950er-Jahre waren die Kähne bei der Ernte im Einsatz, noch im 19. Jahrhundert fuhren Altländer mit ihnen sonntags zur Kirche. Fleete und Gräben waren die (Wasser-)Straßen Mit den Kähnen wurden landwirtschaftlichen Erzeugnisse, vom Getreide bis zum Obst, zur Umschlagstelle gebracht, wo sie in große Schiffe verladen wurden. Das Transportmittel fand seinen Weg in vielen Beschreibungen. Johann Nicolaus Tetens bewunderte 1788 die „inländische Wasserfahrt. Kein Ohlländer braucht Obst weiter in Körben zu tragen als bis an die Grenze des Gartens“.
Das Selbstpflücken kostet um die fünf Euro pro Kilo. Auf den Obsthöfen Axel Schuback (Jork-Hinterdeich 172), Obstparadies Schuback (Westerjork 81), Lefers (Osterjork 140), Herzapfelhof Lühs (Osterjork 102), Harms (Königreicher Straße 88) und Schröder (Hinterbrack 6) können die leckeren, gesunden Früchte selbst geerntet werden. Täglich gibt es Führungen. Die Obsthöfe Matthies (Am Elbdeich 31), Bey (Groß Hove 136), Herzapfelhof (Osterjork 102), Obstparadies Schuback (Westerjork 81) und Lefers (Osterjork 140) machen mit. Anmeldung und Tagestipp: unter 0 41 62 / 91 47 55.
Gegenwärtig wird die Hauptsorte Kordia geerntet, sagt der Steinobstexperte des Obstbauzentrums, Martin Kockerols. Nächste Woche folgt die in den 1950er Jahren an der Niederelbe gezüchtete Knupperkirsche Regina. Diese ist mit einem Anteil von 35 Prozent die Süßkirschen-Königin. Die letzten Kirschen werden um den 15. Juli geerntet. Mit 5000 Tonnen werden es deutlich mehr als im Vorjahr (2017: rund 1600 Tonnen). Die Qualität sei hervorragend. Die Kirsche wird auf 500 Hektar angebaut, 240 Hektar sind an der Niederelbe überdacht. Fast alle sind eingenetzt – gegen Vogelfraß.
Die Stare und andere Vögel wie die Drosseln haben in diesem Jahr aber keine berichtenswerten Schäden angerichtet. 2017 hatten sich die Stare und andere Vögel noch in den Beeren- und in den Kirschanlagen den Bauch vollgeschlagen und jede Lücke im Vogelschutznetz gefunden. Obstbauern berichteten von Szenen wie aus dem Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“. „Selbst auf den Kirschbäumen in der Fährstraße und am Lühe-Deich sitzen dunkle ausgereifte Kirschen, die nicht schon von den Spreen in halbreifem Zustand verputzt wurden“, hat Inge Massow beobachtet. Esteburg-Experte Kockerols vermutet, dass das unter anderem an der Hitze und Trockenheit lag, die Brut konnte sich nicht so gut entwickeln, sodass weniger Räuber unterwegs sind. So bleibt mehr Geld in der Kasse der Obstbauern. Weitere Informationen: www.tourismus-altesland.de