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Anaisio Guedes: „Ich bin Botschafter meiner Künstler“

Anaisio Guedes bietet in seinem Kunstkaufhaus am Flughafen Kunst für kleine und große Geldbeutel an – und das mit Erfolg. Foto Wenzlick

Anaisio Guedes bietet in seinem Kunstkaufhaus am Flughafen Kunst für kleine und große Geldbeutel an – und das mit Erfolg. Foto Wenzlick

Träume sind dafür da, um sie zu verwirklichen, heißt es immer wieder. Anaisio Guedes hat sich das zu Herzen genommen. Der 42-Jährige betreibt seitdem das Kunstkaufhaus Arte Gallery – Deutschlands einzige Kunstgalerie an einem Flughafen.

Von Nadine Wenzlick Dienstag, 26.06.2018, 17:50 Uhr

„20 Jahre lang habe ich davon geträumt, beruflich etwas mit Kunst zu machen“, erzählt der Brasilianer, der seit 1997 in Hamburg lebt. „Vor drei Jahren habe ich dann meinen Job in der Textilbranche gekündigt und mich selbstständig gemacht.“

Dass Anaisio Guedes ausgerechnet am Hamburger Flughafen landete, ist eher Zufall. Angefangen hat alles mit einer Pop-Up-Galerie in Eppendorf: In einem Einkaufszentrum entdeckte Guedes eine leerstehende Fläche – im Souterrain, neben der Tiefgarage. „Für einen kleinen Betrag hat mir die Verwaltung die Fläche überlassen, allerdings unter der Bedingung, dass ich nichts verändere, kein Loch in die Wand bohre, gar nichts. Ich musste wie ein Straßenhändler morgens aufbauen und abends wieder abbauen“, erzählt er. „Die Leute haben mich für verrückt gehalten, aber irgendwie muss man ja anfangen.“ Anfangs habe er an manchen Tagen nicht einen Kunden gesehen, doch irgendwann sprach sich herum, dass sich in dem Parkhaus gute Kunst versteckt. Durch einen Kunden erfuhr Guedes dann von einem Leerstand am Hamburger Flughafen. „Innerhalb von 24 Stunden baute ich dort meine Galerie auf“, sagt er. „Eigentlich waren nur zwei Monate geplant, danach wollte ich nach Eppendorf zurück.“ Doch das Geschäft lief so gut, dass die Arte Gallery nun seit eineinhalb Jahren am Hamburger Flughafen Zuhause ist.

Guedes ist es wichtig zu betonen, dass seine Galerie „anders“ ist. „Ich nenne mich auch nach wie vor nicht Galerist, sondern Verkäufer. Ich bin Botschafter meiner Künstler“, sagt er. Darauf spielt auch die Bezeichnung Kunstkaufhaus an, die er sich hat schützen lassen. „Das soll suggerieren, dass es hier eine Auswahl und Preisstaffelung gibt“, sagt er. „Man kann bei mir schon Kunstwerke für 119 Euro kaufen, aber eben auch welche für 30 000. Ich spreche immer von Economy-, Business- und First-Class-Kunst. Damit meine ich, dass hier jeder etwas finden kann.“ Auch der, der mit Ryanair fliegt.

Die 130 Quadratmeter große Galerie befindet sich in der Airport Plaza im Ankunftsbereich von Terminal 2. Rund 50 000 Menschen gehen hier jeden Tag vorbei. Viele von ihnen bleiben stehen, blicken durch die Scheibe, fragen nach. „Manche gehen sofort wieder raus, wenn ich Preise nenne, denn ein Souvenirladen ist das hier nicht“, sagt Guedes und grinst. „Meine Kunden sind zu 70 Prozent Geschäftsleute, die mehrmals die Woche fliegen – Geschäftsführer, Vorstände und Inhaber. Sie interessieren sich für Kunst, haben aber keine Zeit, am Wochenende in eine Galerie zu gehen. 20 Prozent meiner Kunden sind Abholer und Bringer. Und die letzten zehn Prozent sind gut betuchte Touristen, oft aus der Österreich oder der Schweiz, die zum Beispiel für einen Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg sind.“ Wer spontan zuschlägt, muss sich übrigens keine Sorgen machen, wie er das Kunstwerk unversehrt nach Hause bekommt. Guedes bietet einen kostenfreien Versandservice an. Dafür arbeitet er mit einer Spedition. Die Kunstwerke werden von ihm persönlich in einer maßgeschneiderten Holzverpackung verstaut und sind selbstverständlich versichert. Bis nach Dubai und Singapur hat Guedes schon Kunst verschickt.

Stilistisch ist das Angebot der Arte Gallery breit gefächert: Guedes verkauft große Metall- und Holzskulpturen, Glasarbeiten, Gemälde, Fotos oder auch Arbeiten aus Granit. Sie stammen von 13 verschiedenen Künstlern aus zehn Ländern, darunter Deutschland, Dänemark, Portugal, Brasilien, USA und Neuseeland. Namen oder Preise sucht man an den Wänden jedoch vergeblich. „Ich möchte, dass die Werke im Vordergrund stehen, und nicht der Künstler“, so Guedes. „Entweder sie gefallen den Leuten, oder nicht.“

Mit 90 Prozent seiner Künstler hat Guedes Exklusiv-Verträge, das heißt, er ist der einzige in Deutschland, der ihre Werke verkauft. Die Künstler hat er alle selbst entdeckt, „in Nebenstraßen“, wie er sagt. Statt auf die gängigen Kunstmessen zu fahren, auf denen sich alle Galeristen tummeln, blickt er über den Tellerrand hinaus. Auf einer Einrichtungsmesse zum Beispiel entdeckte er zufällig spektakuläre 3D-Metall-Skulpturen eines französischen Künstlers.

Ein Hingucker sind auch die Arbeiten des Amerikaners Christopher Boffoli, der sich mit seinen Fotos von Essen mit Miniaturen weltweit einen Namen gemacht hat. 1500 Euro werden dafür fällig. Die bunten Stierbilder derweil stammen von dem Niederländer Edwin Smeenge und hängen nicht nur in der Arte Gallery: Einige Exemplare zeigt Guedes im Rahmen einer Ausstellung bei dem Herrenausstatter Anson’s in der Mönckebergstraße, wo er einst gearbeitet hat. Auch in der VIP-Lounge des Hamburger Flughafens sind zwei große Objekte der Arte Gallery zu sehen. „Wenn ich überlege, wo ich vor drei Jahren war, und wo ich heute stehe, ist das schon verrückt“, sagt Guedes. „Keiner konnte ahnen, dass das so gut läuft, weil sich niemand getraut hätte, hier eine Galerie aufzumachen.“ Manchmal lohnt es sich eben, seinen Träumen zu folgen.

Arte Gallery, Flughafenstraße 1-3 (Terminal 2, Ankunftsbereich), 22335 Hamburg, Montag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr. www.arte-ag.com

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