Zähl Pixel
Harburg-Sinstorf

Ankerkraut: Eine rasante Erfolgstory mit Pep

Anne und Stefan Lemcke grillen selbst gern – natürlich würzen sie ihr Grillgut mit den eigenen Gewürzmischungen. Fotos Ankerherz

Anne und Stefan Lemcke grillen selbst gern – natürlich würzen sie ihr Grillgut mit den eigenen Gewürzmischungen. Fotos Ankerherz

In der Gewürzmanufaktur von Anne und Stefan Lemcke im Harburger Ortsteil Sinstorf entstehen pikante Kreationen, die den Zeitgeist treffen. Das Unternehmen hat inzwischen sogar einen eigenen Fanclub.

Von Nadine Wenzlick Montag, 10.12.2018, 16:21 Uhr

Ein Besuch im Flagship-Store von Ankerkraut ist ein kleines Abenteuer für die Sinne. Gewürze wie Zimt, Chili und Kreuzkümmel zieren die Regale. Am Tresen können Besucher sie riechen und schmecken – genauso wie die Gewürzmischungen der BBQ-Rub-Serie oder Tee-Sorten wie Apfel-Joghurt-Limette oder Gebrannte Mandeln. Seit der Teilnahme bei der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ vor zwei Jahren hat das von dem Ehepaar Anne und Stefan Lemcke gegründete Unternehmen eine so rasante Erfolgsgeschichte hingelegt, dass Ankerkraut 2018 sogar für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger“ nominiert wurde.

Angefangen hat alles im Jahr 2013. „Ich bin schon seit zwölf Jahren selbstständig, war aber immer in der IT-Branche tätig“, erzählt Stefan Lemcke. „Irgendwann hat mich das nicht mehr erfüllt. Ein Maurer, der ein Haus baut, sieht jeden Abend, was er geschafft hat, doch von Bits und Bites bleibt nichts übrig. Ich habe mir gewünscht, ein Produkt zu machen, das man in den Händen halten kann.“

Schon immer hatte Lemcke eine Leidenschaft fürs Kochen. In Tansania, wo er als Sohn eines Entwicklungshelfers aufwuchs, lernte er früh die verschiedensten Gewürze kennen und lieben. „Unser Koch hatte zuvor in einem pakistanischen Restaurant gearbeitet“, erzählt Lemcke. „Er nahm mich immer mit auf den Markt, wo wir Kardamom und Cumin kauften, die wir zu Hause dann getrocknet und gemahlen haben.“ Auch später als Erwachsener hatte er in seiner Küche immer einzelne Gewürze statt Fertigmischungen. Und so beschloss er schließlich, seine Leidenschaft und den Wunsch, ein Produkt auf den Markt zu bringen, zu verbinden.

2013 im Mai ging der Internet-Shop von Ankerkraut mit einer kleinen Gewürzauswahl online. Zunächst arbeiteten die Lemckes von einer alten Werkstatt in Wilhelmsburg aus, inzwischen befindet sich ihre Gewürzmanufaktur im Harburger Ortsteil Sinstorf. „Heute gucken Start-ups sich den Markt an, analysieren wie viel Potenzial da drinsteckt und was sie an Kapital brauchen“, so Stefan Lemcke weiter. „Das haben wir alles nicht gemacht, wir sind da ganz blauäugig rangegangen.“

Vielleicht war das auch gut so, denn sonst hätten die Lemckes festgestellt, dass von den 900 Millionen Euro Umsatz, die in Deutschland mit Gewürzen gemacht werden, drei Viertel in die Kasse des Großunternehmens Fuchs Gewürze GmbH fließt. „Das ist das letzte deutsche Monopol“, so Anne Lemcke. „Aber der Kuchen ist trotzdem wahnsinnig groß. Wir machen ja auch Gewürzmischungen, und da sehen wir: Gesunde Ernährung wird immer wichtiger, die Leute wollen wissen, was da drin ist.“

{picture1}

Ankerkraut steht für hochwertige Gewürze ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Zu den 250 Produkten im Programm gehören Klassiker wie Oregano, Paprika und Curry, aber auch spezielle Salze, Pfefferkombinationen und Gewürzmischungen zum Grillen, Trockenmarinaden und Tees – zum größten Teil abgefüllt in hübschen Glasflaschen mit Korkverschluss.

Neben dem Shop am Ballindamm sind sie bundesweit in Hunderten Supermärkten, darunter Edeka, Rewe und Famila, sowie online erhältlich. Sogar nach Österreich, in die Schweiz, Italien, Dänemark und die Niederlande haben Lemckes schon expandiert. Mittlerweile beschäftigen sie 70 Mitarbeiter, die täglich 14 000 Flaschen abfüllen. Der Marktanteil von Ankerkraut liegt damit bei zwei Prozent, bei einem Umsatz von etwa zwölf Millionen Euro.

Die Teilnahme bei „Die Höhle der Löwen“ hat die Erfolgsgeschichte von Ankerkraut auf jeden Fall beschleunigt. Für 20 Prozent Unternehmensanteile investierte Frank Thelen 300 000 Euro. Thelen war es auch, der Lemckes den Tipp gab, ihr Gesicht zu zeigen, um sich als Marke zu etablieren, sich im Fernsehen und auf Social-Media-Kanälen zu präsentieren.

„Wir sind wirklich da für unsere Kunden“, so Anne Lemcke. „Wir gehen auf Events, wir antworten persönlich auf Fragen im Internet, wir identifizieren uns damit. Das finden die Leute gut.“

So gut, dass einige besonders treue Kunden gerade einen Ankerkraut-Fanclub gegründet haben, der zum 1. Januar aktiv wird. „Sie bekommen Sachen vorab und berichten darüber, haben eine eigene Seite und erstellen viele Rezepte“, sagt Stefan Lemcke. „Sicherlich wird es auch Treffen und Grill-Events geben. Wir unterstützen das auf jeden Fall.“

Zudem überrascht Ankerkraut sie immer wieder mit innovativen Produktideen: Nach einem ersten Kochbuch erschien am 30. November das neue Grillbuch. Zudem gibt es drei verschiedene Adventskalender. Beim Verkaufsstart am 1. September gingen so viele Bestellungen ein, dass der Server abstürzte.

Für die Zukunft haben die Lemckes große Pläne: In fünf Jahren soll Ankerkraut mit zehn Prozent am Gewürzumsatz Deutschlands beteiligt sein. „Man muss Ziele haben“, sagt Stefan Lemcke. „Man muss in den Horizont blicken und sagen: Da will ich hin.“

www.ankerkraut.de

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.