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Anton Corbijn: Der Star unter den Fotografen

Kaum einer der Großen aus der Rock- und Popszene stand nicht vor seiner Kamera: Anton Corbijn. Das Bucerius Kunst Forum widmet dem niederländischen Fotografen nun eine umfangreiche Ausstellung.

Von Nadine Wenzlick Dienstag, 05.06.2018, 17:13 Uhr

„Anton Corbijn. The Living and the Dead“ zeigt rund 120 Arbeiten aus 40 Schaffensjahren – darunter natürlich auch das berühmte Foto von Joy Division. Anton Corbijn war gerade von Amsterdam nach London gezogen, als er 1979 die New-Wave-Band Joy Division fotografierte. Die an der U-Bahn-Station Lancaster Gate entstandene Aufnahme wollte damals niemand kaufen, denn einzig Leadsänger Ian Curtis drehte sich zum Fotografen um. Nach dem Tod von Curtis im folgenden Jahr wurde dieses Bild in der Musikszene allerdings zur Ikone – und Anton Corbijn später selbst ein Star:

Anton Corbijn und Kurator Franz Wilhelm Kaiser haben die Ausstellung in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil widmet sich den meist als Auftragsarbeiten entstandenen Musikerporträts und zeigt 77 von Corbijn bekanntesten Fotografien – von Kraftwerk und David Bowie über U2 und die Rolling Stones bis zu Herbert Grönemeyer.

Was sie alle vereint: die für Corbijn so typische körnige Ästhetik. Seine „völlig unglamouröse Mischung von leicht arroganter Pose und Natürlichkeit“, wie der Herausgeber der legendären britischen „New Musical Express“ es einmal umschrieb, war in der Musikfotografie etwas völlig Neues. Corbijns imperfekter und narrativer Stil passte zu dem Selbstverständnis vieler Künstler, die sich von den Rockmusikern der älteren Generation abheben wollten.

Im zweiten Teil der Ausstellung sind freie Arbeiten von Corbijn zu sehen. Für die 2002 entstandene Serie „a. somebody“ fotografierte er sich selbst in der Maskerade verstorbener Musiker-Legenden. Dafür kehrte er in seine Heimatstadt Strijen zurück. „Ich wollte herausfinden, was mich damals beeinflusst hat – und warum Musik mich so faszinierte“, so Corbijn. „Ich stellte dabei fest, dass in Strijen nichts von Interesse war und Musik wohl deshalb diese aufregende Welt außerhalb meiner eigenen darstellte.“

Ebenfalls zu sehen ist die Serie „Cemeteries“, für die Corbijn keine Menschen, sondern ausnahmsweise Grabmonumente in seiner charakteristischen Bildsprache fotografierte. Die Serie entstand Anfang der Achtziger, als er gerade seinen großen Durchbruch als Fotograf erlebte. „Ich ließ mich damals gerade scheiden und wusste nicht, was ich tun soll“, lacht der 63-Jährige. „Mit einem Freund, der Poet war, reiste ich nach Italien, um mir Friedhöfe anzusehen.“ 20 der Fotografien wurden nie zuvor ausgestellt. „All diese unterschiedlichen Serien zu mischen, hat für mich etwas sehr Erfrischendes“, sagt Corbijn, der immer noch analog fotografiert.

Begleitet wird die Ausstellung von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm. Pünktlich zur Eröffnung heute Abend sprechen Anton Corbijn und Kurator Franz Wilhelm Kaiser über die Bedeutung zentraler Werke der Ausstellung, im Anschluss gibt es eine Signierstunde.

Daneben stehen unter anderem Vorträge, Lesungen, ein Konzert, Diskussionen und ein Pub-Quiz auf dem Programm. Das Freiluftkino am Rathausmarkt zeigt vom 2. bis zum 18. August Corbijns Filme „Control“, „The American“, „A Most Wanted Man“ sowie „Life“, und das Abaton Kino zeigt während der Laufzeit der Ausstellung den Dokumentarfilm „Anton Corbijn Inside Out“.

Die Ausstellung ist der Beitrag des Bucerius Kunst Forums zur 7. Triennale der Photographie Hamburg 2018. Das nach eigenen Angaben größte Festival der Fotografie in Deutschland widmet sich alle drei Jahre aktuellen Themen und Fragestellungen. In diesem Jahr lautet das Motto „Breaking Point. Searching for Change“ und reflektiert den gesellschaftlichen Wandel durch den Blickwinkel der Fotografie.

„Anton Corbijn. The Living and the Dead“: Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg, 7. Juni 2018 bis 6. Januar 2019.

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