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Appelbeck

Appelbeck am See: Erholung zwischen Tier und Teich

Vormittägliche Ruhe: In diesen Apriltagen explodiert die Natur rund um den Appelbecker See. Die Tretboote warten auf Freizeitkapitäne. Foto Lepél

Vormittägliche Ruhe: In diesen Apriltagen explodiert die Natur rund um den Appelbecker See. Die Tretboote warten auf Freizeitkapitäne. Foto Lepél

Gelb, blau, pink: Jetzt leuchten die Tretboote in Appelbeck am See wieder weithin sichtbar. Von sofort an kann in dem kleinen Ausflugsort mit ihnen in See gestochen werden. Noch vor wenigen Wochen drehten dort die Schlittschuhläufer ihre Runden.

Von Sabine Lepél Montag, 23.04.2018, 10:00 Uhr

Doch jetzt sind die kalten Tagen längst vergessen. Im Restaurant „Appelbeck am See“ werden die Stühle und Tische wieder auf die Terrasse gestellt, und besonders am Wochenende strömen die Gäste in das Traditionslokal. Draußen sind die schönen Wege um die Appelbecker Teiche weitgehend abgetrocknet und laden nach Karpfen, Wild, Kaffee und Kuchen zu einem Verdauungsspaziergang ein.

Das Damwild im Gehege geht im Appeler Bach gern baden. Foto Lepél

Fast ist es zu hören, wie die Natur explodiert: Gänse rufen, Reiher fliegen auf, Fische tauchen auf, schnappen sich ein Insekt aus der Luft und verschwinden mit blubberndem Geräusch wieder unter der Wasseroberfläche. Schwäne kreuzen hoheitsvoll über den See und das junge, übermütige Damwild im Gehege begrüßt den Frühling mit munteren Bocksprüngen. Gleich nebenan toben Kinder auf dem großen Spielplatz. Und die Galloway-Rinder, die vom Restaurant-Betreiber ganzjährig auf den saftigen Estewiesen gehalten werden, ahnen noch nichts von ihrer Rolle als hochwertige Fleischlieferanten und scheinen trotz ihres dicken Fells die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen.

Abseits des Trubels, der besonders an schönen Wochenenden in dem nicht nur bei den Menschen aus der Region beliebten Ausflugsziel herrscht, ist Appelbeck ein beschaulicher Ort. Er gehört zur Gemeinde Moisburg. Der Name geht zurück auf den Appeler Bach, der aus Appel kommend die Teiche in Appelbeck durchfließt und dort in die Este mündet. Zu sehen ist dies auf dem Rundweg, der vom Gasthaus aus zur Este führt. Auf halben Weg gibt es dort, wo das Bächlein mit fröhlichem Plätschern in die Este fließt, eine kleine Brücke.

In Appelbeck stand wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert eine Mühle. Es war keine Kornmühle, sondern eine Papiermühle, wie Moisburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Steffens weiß: „Das Korn brachten die Bauern ab 1568 in die neu erbaute Moisburger Wassermühle.“

Mit der Einrichtung der Appelbecker Papiermühle entstand auch der Mühlenteich in seiner heutigen Größe. In der Zeit von 1623 bis 1856 stellten insgesamt zwölf Generationen Papiermachermeister mit ihren Gesellen und Gehilfen in Appelbeck von Hand Papier her. Nach einem Brand von 1856 entstand eine Kornmühle und wenige Jahre später im Anbau eine Holzsägerei. Zur „Mühle“ gehörte außerdem eine Landwirtschaft mit Hof. Bereits 1880 kauften Vorfahren der heutigen Besitzerfamilie Vollmers das Anwesen.

Eine Luftaufnahme vom Hof Appelbeck aus dem Jahr 1969.  Foto privat

Ab 1927 gab es dort bereits eine Gastwirtschaft – zumindest die Hälfte des Jahres über. In den Sommermonaten wurde dazu im Wohnhaus eine Gaststube eingerichtet. „In den 1930er Jahren war die Podendorfer und die Appelbecker Jagd an Hamburger Ärzte und Geschäftsleute verpachtet. Sie waren an den Wochenenden häufig zu Gast in der Wirtschaft“, sagt Erich Tauber, Heimatforscher aus Moisburg und Verfasser einer 2007 erschienenen Chronik der Gemeinde Moisburg mit den dazugehörigen Orten Podendorf, Appelbeck und Ruhmannshof.

Das Geschäft mit den gut situierten Hamburgern florierte – und so wurde 1936 ein Saal für Feierlichkeiten angebaut. Am 21. April 1954 brannte jedoch das Wohn- und Gasthaus bis auf die Grundmauern nieder. Nur die Mühle blieb stehen. „Der Neubau verzögerte sich und die Kornmühle mit der Sägerei wurde geschlossen. Aus der Mühle entstand eine Gastwirtschaft“, sagt Tauber. Es handelte sich dabei um das kleine Haus zwischen den beiden Teichen, das heute nur noch als Wohnhaus dient.

Auf den Grundmauern des Wohn- und Gasthauses entstand der Hof Appelbeck, der längst ein bekanntes Ausflugslokal mit Restaurant und Ausstellungsräumen für Kunsthandwerk ist. Im Restaurant werden einheimische Spezialitäten, unter anderem Fische aus den eigenen Teichen, Wild und das Fleisch der Galloways angeboten.

Aber Appelbeck besteht nicht nur aus dem Gasthof. „Vornehmlich im, aber auch schon vor und nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden dort einige Häuser“, weiß Heimatforscher Erich Tauber. „Zum Teil waren diese Häuser zuerst als Notquartiere für ausgebombte Hamburger angelegt, sie dienten aber nach dem Krieg auch zur Unterbringung der vielen geflüchteten Wohnungssuchenden aus dem Osten.“ Inzwischen sind aus diesen Notquartieren teilweise stattliche Wohnhäuser geworden, die sich in der üppigen Natur verstecken.

Das Restaurant „Appelbeck am See“ ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Sommer schließt das Restaurant um 19 Uhr. Montags ist Ruhetag.

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