Armes und reiches Hamburg
Das kann sich nicht jeder leisten: Grundstücke, Eigentumswohnungen und Villen sind im Stadtteil Harvestehude besonders teuer. Die Bildungs- und Einkommensverhältnisse driften in der Hansestadt stark auseinander. Foto Perrey/dpa
Hamburg ist nicht gleich Hamburg. Das geht aus einer Stadtteil-Studie des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein hervor. Ob beim Einkommen, den Bildungsvoraussetzungen oder den Wohnverhältnissen – die Einwohner der Hansestadt leben, lernen und arbeiten höchst unterschiedlich.
Besonders groß sind die Unterschiede bei den Einkommen. Mit rund 139 000 Euro Jahreseinkommen verdienen Steuerzahler in Nienstedten im Durchschnitt mehr als zehn Mal so viel wie Steuerzahler in Steinwerder und Kleiner Grasbrook (11 663 Euro). Auch in der Arbeitslosenstatistik zeigen sich die unterschiedlichen Lebensbedingungen. Während auf der Veddel 10,6 Prozent der Bewohner ohne Arbeit sind, herrscht im kleinen Tatenberg nahezu Vollbeschäftigung: nur 0,8 Prozent der Bewohner sind arbeitslos gemeldet.
Junges Hamburg, altes Hamburg:
Menschen im Rentenalter sind im Stadtteil Hammerbrook eine Seltenheit. Nur vier Prozent der Bewohner sind 65 Jahre oder älter. Anders sieht es in Poppenbüttel aus, wo mehr als ein Drittel der Bewohner 65 Jahre oder älter ist (33,6 Prozent). Viele Kinderstimmen sind dafür im erst 2011 gegründeten Neuallermöhe zu hören – in 34,6 Prozent der Haushalte leben Minderjährige. Geht es nach absoluten Zahlen, liegt allerdings Rahlstedt vorne. Dort sind mehr als 15 000 Menschen minderjährig. Schlusslicht ist der dünn besiedelte Stadtteil Reitbrook, in dem nur 57 Kinder zuhause sind. Die meisten Geburten gab es 2015 in Rahlstedt und Eimsbüttel.
Zwischen Luxusimmobilie und Sozialwohnung:
Mit einer Wohnungsgröße von mehr als 143 Quadratmetern haben Bewohner des Stadtteils Wohldorf-Ohlstedt besonders viel Platz. Auch in Lemsal-Mellingstedt, Nienstedten und Reitbrook haben die Bewohner im Durchschnitt deutlich mehr als 100 Quadratmeter zur Verfügung. Am unteren Ende der Skala rangieren die Stadtteile Kleiner Grasbrook/Steinwerder, Dulsberg und Borgfelde – mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße zwischen 50 und 56 Quadratmetern. Besonders teuer sind Grundstücke und Eigentumswohnungen in Harvestehude und Rotherbaum. Die meisten Sozialwohnungen gibt es mit einem Anteil von 56 Prozent in Neuallermöhe.
Elbvororte mit Bildungsvorsprung:
Im Landesdurchschnitt besuchen in Hamburg 51,4 Prozent der Schüler eine Stadtteilschule, während 44,9 Prozent aufs Gymnasium gehen. Zwischen den Stadtteilen sind die Unterschiede größer. Die meisten Gymnasiasten gibt es mit durchgehend mehr als 80 Prozent in Groß Flottbek, Othmarschen, Rotherbaum und Harvestehude. Am geringsten ist ihr Anteil mit jeweils weniger als 20 Prozent in Billbrook, Harburg, Rothenburgsort und Veddel, wo dafür jeweils mehr als 70 Prozent der Schüler eine Stadtteilschule besuchen. Schlusslicht beim Anteil der Gymnasiasten ist Billbrook (11,9 Prozent) - Spitzenreiter ist der Stadtteil Groß Flottbek (84,9 Prozent).
Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung:
Mit 61 Kindergärten und Vorschulklassen zeigt sich der Stadtteil Eimsbüttel besonders familienfreundlich. An zweiter Stelle folgt Winterhude mit 37 Einrichtungen. Auf der Veddel müssen sich die Bewohner mit nur zwei Einrichtungen zufriedengeben, in Billbrook gibt es nur einen Kindergarten. In insgesamt sieben Stadtteilen gibt es überhaupt keine Kindergärten und Vorschulklassen. Das gilt zum Beispiel für die dünn besiedelten Stadtteile Tatenberg und Reitbrook.
Multikulturell versus abgegrenzt:
In den Stadtteilen Kirchwerder, Altengamme, Neuengamme und Spadenland leben kaum Menschen mit Migrationshintergrund. Anders sieht es in Billbrook, Veddel, Neuallermöhe und Wilhelmsburg aus. Während der Ausländeranteil in Spadenland nur bei 4,7 Prozent liegt, haben in Billbrook 83,3 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund.