TAuf Spurensuche: Lost Places in Harsefeld und Umgebung
Der Bahnhof Brest-Aspe ist heute völlig verfallen.
Die einstige Bargstedter Badeanstalt, die frühere Harsefelder Ziegelei und der Bahnhof in Brest-Aspe gelten als verlassene Orte in Harsefeld. Was aus ihnen wurde, ist teilweise erschreckend.
Autoren gehen jetzt der Geschichte dieser Orte nach. Pünktlich vier Wochen vor Weihnachten ist das 240 Seiten starke Jahrbuch 2022 auf dem Markt - das mittlerweile 35. Werk des Vereins für Kloster- und Heimatgeschichte Harsefeld. Zwölf ehrenamtliche Autoren aus Harsefeld und Umgebung recherchierten und schrieben über Menschen und Orte der Vergangenheit. Unter der Federführung von Dietrich Alsdorf, der auch eigene historische Beiträge, etwa zu der Hinrichtung von Marlena Prink, die „Rote Lena“, und zur Gutsherrin von Griemshorst, lieferte und mit Fotos aus mehreren Archiven die Beiträge anschaulich gestaltete, entstand ein spannender Rückblick in das Harsefeld der Vergangenheit.
Die damalige Badeanstalt in Hollenbeck/Bargstedt. Foto: Samtgemeindearchiv
Besonders interessant sind auch Alsdorfs „Erinnerungen an eine vergessene Badeanstalt“ in Hollenbeck/Bargstedt mit Fotos aus den 1937er Jahren. Darunter auch ein dunkles Kapitel durch Aufnahmen der damaligen Bargstedter Jugend mit Hitlergruß und -flagge. Heute ist das Schwimmbecken kaum wiederzuerkennen und gleicht einem morastigen Teich.
Dieser Anblick könnte womöglich durchaus ein Impuls zu einer Renaturierung geben, erwähnte der Autor bei der Vorstellung des neuen Jahrbuchs im Harsefelder Rathaus.
Erinnerungen an die Rosenbornquelle
Das Schwimmbecken der Badeanstalt heute . Foto: Dietrich Alsdorf
Auch zur Rosenbornquelle hat Dietrich Alsdorf akribisch recherchiert. Nur noch wenige Harsefelder erinnern sich an sie und angesichts des heute nicht sehr einladend wirkenden Platzes daher bestimmt auch nur sehr wehmütig an jene Zeiten, als die Quelle unter schattigen Bäumen zur Rast nach einem Spaziergang einlud, schreibt Alsdorf in dem Kapitel „Die Rosenbornquelle - eine Rückschau in Bildern“. Die Quelle sei eine der vielen fortschrittlichen Ideen des 1929 gegründeten Verkehrsvereins gewesen, um damals den durch die Bahnlinie aufkommenden Fremdenverkehr in Harsefeld zu fördern.
Neben dem Ausbau der verfallenen Fischteiche sei 1931 am Nordhang des Wieh eine dort ausgetretene starke Quelle mit Feldsteinen umrahmt und Rosenbornquelle getauft worden.
Von dem Quellenvorplatz floss Quellwasser nicht mehr in einen Graben, sondern durch ein Rohr in das aus Feldsteinen gemauerte runde Becken. Dort befand sich ein Springbrunnen, und das Wasser floss unterirdisch zu einem Graben in Richtung Badeanstalt.
Der heutige Straßen- und Flurname „Am Pumpelhorn“ weise eindeutig auf ein Vorhandensein der Quelle seit alter Zeit hin, so Alsdorf. „Pumpel“ bedeutet Pumpe, also hochgepumptes Wasser. Horn bezeichnet jenen heute noch deutlich erkennbaren gebogenen Geländesporn am Wieh im Bereich der Niederungen von Eissporthalle und Freibad. Die nördlich angrenzenden Wiesen trugen früher den Beinamen Born, womit die Quelle gemeint sei. Aus der historischen Pumpelhornquelle wurde in Anlehnung des alten Ortsnamens Rosenfeld und seines Wappens mit Ritter und fünf Rosen im Jahr 1931 die Rosenbornquelle.
Im Zuge des Eissporthallenbaus sei in den 1970er Jahren die Mulde der Rosenbornquelle geflutet worden, und es bildete sich ein Teich. Lediglich der Quellenstein mit der Inschrift „Rosenborn 1931“ ragte aus dem Hang hervor und erinnerte an das einstige Ausflugsziel. 2009 ließ die Gemeinde im Zuge des Ausbaus von Klosterpark und Klostermeile die Quelle wieder freilegen und erfolgreich restaurieren.
Die Ziegelei an der Buxtehude Straße in Harsefeld etwa um 1910. Foto: Gemeindearchiv Harsefeld
Fortsetzung zur Harsefelder Ziegelei
Die im letzten Jahrbuch erschienenen ersten Teile über die Harsefelder Ziegeleien von Heiner Kaiser und von Ingo Wilfling zur Grundschule in der Harsefelder Meybohmstraße werden im neuen Jahrbuch 2022 weitergeführt. Kaisers Ausführungen „Von der klösterlichen Feldbrennerei am Mühlenberg zum Tonwerk an der Buxtehuder Straße“ mit bislang unveröffentlichten Bildern aus dem Samtgemeindearchiv erinnern an die Zeit ab 1910.
Die Ruine der einstigen Ziegelei ist heute überwuchert. Foto: Dietrich Alsdorf
Ingo Wilfling, ehemaliger Schulleiter der Schule in der Meybohmstraße, hat sich als Autor in seinem zweiten Teil der weiteren Geschichte der ehemaligen Schule ab 1965 zum neuen Schulgebäude, aber auch zu fortlaufenden Veränderungen für Schüler und Lehrkräfte gewidmet. Der niedersächsischen Schulpolitik fehlte damals nicht nur das Geld, um fortschrittliche Bildungsideen zu verwirklichen, sondern auch die erforderliche Konsequenz und langfristiges Umsetzungsvermögen, schreibt der ehemalige Schulleiter. Er bietet Einblicke hinter die Kulissen von Konferenzen und organisatorischen Maßnahmen, die er detailliert festgehalten hat.
Harsefelds Bürgermeisterin Susanne de Bruijn nimmt als Autorin in dem Jahrbuch 2022 „Abschied von einem besonderen Bahnhofsgebäude“. „Von dem Glanz vergangener Tage ist bei dem Bahnhofsgebäude heute leider nichts mehr zu sehen“, schreibt de Bruijn. Ihre Familie habe die glanzvollen Tage des Bahnhofs noch erlebt und de Bruijn erinnere sich noch wehmütig an die Erzählungen ihres Opas.
Schauspieler Hans Albers drehte am Bahnhof

Der Bahnhof Brest-Aspe ist heute verfallen. Foto: Dietrich Alsdorf
Ihre Großeltern wohnten im „Schloss Aspe“, wo die Schaltzentrale des Überlandwerks Nord-Hannover (heute EWE) untergebracht war. Zum Brester Bahnhof ist es von dort nicht weit. 1958 entdeckte eine Film-Crew den beschaulichen Bahnhof für einen Kinofilm mit Hauptdarsteller Hans Albers. Insgesamt wurden drei Filme in Brest-Aspe gedreht: neben „13 kleine Esel und der Sonnenhof“ mit Hans Albers, Marianne Hoppe und Karin Dor auch „Nasser Asphalt“ mit Horst Buchholz und Gert Fröbe sowie „Bürgerkrieg in Russland“, eine fünfteilige Dokumentation für das ZDF unter der Regie von Bernhard Wicki.
Der heutige Bahnhof gleicht eher einem Trauerspiel und er steht kurz vor dem Verfall. Auch hier wäre eine Erhaltung, etwa als Museums-Bahnhof, durchaus eine Überlegung wert.
Alle Autoren des Jahrbuchs: Dietrich Alsdorf, Dieter-Theodor Bohlmann, Susanne de Bruijn, Ulrike Gerdt, Inge Heise, Jörg Heins, Dr. Klaus Isensee, Heiner Kaiser, Heiko Kania, Reiner Klintworth, Sigrid Meyer, Daniel Nösler, Ingo Wilfling, Christine Wilkop.
Autor Dietrich Alsdorf hat das Harsefelder Jahrbuch mit bisher unveröffentlichten Fotos gestaltet. Foto: Laudien
Das Jahrbuch 2022 bietet noch weitere Geschichten aus Harsefelds Vergangenheit und ist für 14,95 Euro erhältlich in Harsefelder Geschäften, bei der Volksbank Harsefeld und Ahlerstedt, der Friedrich-Huth-Bücherei, im Harsefelder Rathaus, im Museum Harsefeld und über den Web-Shop des Vereins für Kloster- und Heimatgeschichte.
Dunkle Vergangenheit: Aufmarsch der Hitler-Jugend 1937 an der Badeanstalt, im Hintergrund das Badehaus. Foto: F. Hillmann/Samtsgsemeindearchiv
Das verfallene Bahnhofsgebäude innen