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Auf den Spuren von Mrs. Eishockey

Ronja Jenike im deutschen Nationaltrikot: In der Saison 2007/08 wurde die Verteidigerin zum ersten Mal in die DEB-Auswahl berufen.

Ronja Jenike im deutschen Nationaltrikot: In der Saison 2007/08 wurde die Verteidigerin zum ersten Mal in die DEB-Auswahl berufen.

Bei der Heim-WM der Eishockey-Männer war Ronja Jenike ganz nah dran an der deutschen Nationalmannschaftl. Die 27-Jährige ist Pressesprecherin beim Deutschen Eishockey-Bund. Gelernt hatte Jenike bei den Tigers des TuS Harsefeld.

Von Tim Scholz Freitag, 26.05.2017, 18:27 Uhr

Eishockey – Ronja Jenike muss schmunzeln. „Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie dieser Spitzname eigentlich entstanden ist... Aber ich denke, da könnte es Schlimmeres geben.“ Tatsächlich. Jenike ist deutsche Nationalspielerin, Pressesprecherin beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und auch noch mit einem Erstliga-Profi verheiratet. In der Summe also ein ganz zutreffender Spitzname: Mrs. Eishockey.

Diese Frau, heute 27, lernte das Eishockeyspielen ausgerechnet beim TuS Harsefeld. Ab 1996 jagte sie zehn Jahre lang dem Puck in der dortigen Eissporthalle hinterher – damals noch unter dem Namen Richter. „Harsefeld war für uns fahrtechnisch günstiger gelegen als Hamburg“, erklärt Jenike, die in Todtglüsingen, einem kleinen Dorf neben Tostedt, aufgewachsen ist und fortan gemeinsam mit ihrem Bruder beim TuS spielte. Noch heute denkt sie an die „vielen tollen Menschen“ in Harsefeld – Mitspieler, Trainer, Betreuer und die Eltern –, die ihren Werdegang teilweise sehr geprägt hätten. Kontakt zu ihrem ersten Verein gibt es noch immer.

Auch Claudia Müller denkt gerne an die Zeit mit Ronja Jenike. „Sie war eine sehr engagierte und disziplinierte Spielerin, die schon als Mädchen Ziele vor Augen hatte“, sagt die langjährige Jugendwartin des TuS Harsefeld. Jenike habe damals bei den Jungen mitgespielt und sich so auf dem Eis weiterentwickelt. Müllers Wunsch, eine Mädchen-Mannschaft mit den anderen talentierten Harsefelder Spielerinnen aufzubauen, kam allerdings nicht zustande.

Ronja Jenike und einige Mitspielerinnen zog es von Harsefeld nach Hamburg. Dort konnte sie in einer höheren Spielklasse antreten, zunächst im Auswahlteam der Young Freezers, dann in der Bundesliga-Mannschaft des HSV. In der Saison 2007/08 berief der Bundestrainer die junge Frau zum ersten Mal in die Nationalmannschaft. Einziger Haken: Die Nationalmannschaft ist in Bayern stationiert. Für Jenike bedeutete das lange Fahrwege. Also ging sie 2009 in den Süden und schloss sich dem ESC Planegg an.

In der 10 000-Einwohner-Gemeinde an der Stadtgrenze Münchens spielt die Verteidigerin noch heute. Den ESC Planegg beschreibt Ronja Jenike als „kleinen, familiär geführten Verein mit einem sehr engagierten Vorstand und einer tollen Mannschaft“. Jenikes Ausbeute in acht Jahren: sechs deutsche Meisterschaften. Auch international hat sich der ESC Planegg durch gute Ergebnisse in den europäischen Vereinswettbewerben einen Namen gemacht.

Momentan erlebt Ronja Jenike die aufregendste Zeit ihrer Karriere. Nach der Meisterschaft im Frühjahr und dem vierten Platz mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Frauen-WM in den USA stand die vor gut einer Woche in Schwedens Titelgewinn gipfelnde Weltmeisterschaft der Männer in Köln und Paris an. Und mittendrin: Ronja Jenike. Als Pressesprecherin des DEB war sie in die Organisation involviert und während der Endrunde die Schnittstelle zwischen den Medien und dem deutschen Team. Soll heißen, Jenike betreute die Journalisten vor und nach den Spielen und half den Fernsehsendern, passende Gesprächspartner zu finden. Dabei hatte sie alle Hände voll zu tun. Der Medienrummel rund um die WM sei viel größer gewesen als unter der Saison, sagt Jenike.

Nach dem Studium hatte sie sich „über den ganz normalen Weg“ beim DEB beworben und wurde Pressesprecherin für alle Nationalmannschaften von den U 15-Nachwuchsteams bis hin zu den Frauen und Männern. Und damit ist Ronja Jenike Teil der Mannschaften und nah dran an Spielern wie NHL-Profi Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) oder College-Entdeckung Frederik Tiffels (Western Michigan University). „Die Spieler sind alle sehr nett und wohlerzogen“, sagt Jenike, „am Ende des Tages sind es ja doch alles nur Menschen, eben mit einem etwas anderen Beruf.“ Bei der WM schafften die deutschen Männer den Sprung ins Viertelfinale, scheiterten dort aber am späteren Vizeweltmeister Kanada.

Jenikes Beispiel zeigt: Anders als ihre männlichen Kollegen ist sie kein Vollprofi. Jenike muss einen schwierigen Spagat zwischen dem Job in München, dem Verein in Planegg und der Familie meistern. „Aber ich habe einen Ehemann und eine Familie, die mich in all meinen Plänen zu 100 Prozent unterstützen“, sagt sie. Ehemann Andreas hütet das Tor des Erstligisten Nürnberg Ice Tigers. Dort ist der Lebensmittelpunkt des jungen Paares. Um nicht täglich ins rund 150 Kilometer entfernte Büro nach München pendeln zu müssen, schiebt Ronja Jenike hin und wieder Home-Office-Tage ein.

Klar, dass sich zu Hause viel ums Thema Eishockey dreht. „Aber glücklicherweise eben nicht alles.“ Manchmal tut auch Mrs. Eishockey ein bisschen Abstand ganz gut.

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