BSV-Talent mit einem innigen Familienverhältnis
Die Handballerin Annika Lott vom Buxtehuder SV ist ein Familienmensch. Die Nähe zur Familie nördlich von Hamburg war einer der Gründe für den Wechsel nach Buxtehude. Jetzt, beim BSV, verpassen ihre Eltern kein Heimspiel.
In der Wohnung von Annika Lott deutet nicht allzu viel auf die Weihnachtszeit hin: Ein Adventskalender liegt auf der grauen Eckcouch, auf dem Tisch davor steht ein Adventskranz. „Selbstgebunden“, sagt die 19-Jährige. Das hat Tradition in der Familie Lott. Dann schnappt sie sich ihre Jacke und geht mit ihren Eltern Andreas und Susan auf den Buxtehuder Weihnachtsmarkt.
Familienzeit ist den Lotts sehr wichtig. „Wir haben schon ein inniges Verhältnis“, sagt Mutter Susan. „Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen“, ergänzt Annika Lott.
Deshalb war ihre Zeit in Leverkusen für die Familie sehr hart. Zwei Jahre hat die Juniorinnen-Nationalspielerin dort gespielt. „Das ist schon sehr früh, mit 16 Jahren auszuziehen“, sagt Vater Andreas und spricht von einer „schmerzhaften Zeit“. „Das erste Jahr war echt krass“, sagt Annika Lott. Zu Weihnachten habe sie mit dem Gedanken gespielt, Leverkusen wieder zu verlassen. Da hat Mutter Susan ein Machtwort gesprochen: „Ich habe ihr gesagt, sie soll nicht abbrechen.“ Das zweite Jahr sei dann besser gewesen. In Leverkusen habe Annika neben dem Handball vor allem gelernt, selbstständig zu sein. „Waschen, einkaufen, das war für eine 16-Jährige schon viel.“
Trotz der Distanz zwischen Leverkusen und dem Elternhaus in Henstedt-Ulzburg, nördlich von Hamburg, hat sich die Familie mindestens einmal im Monat gesehen. Mutter Susan besuchte ihre Tochter zudem häufiger allein. „Ich habe dann Homeoffice in Leverkusen gemacht“, sagt die selbstständige Kauffrau. Wenn sie bei den Spielen nicht vor Ort sein konnten, verfolgten die Eltern den Liveticker. Jetzt, wo Lott eine gute Fahrstunde von zu Hause entfernt spielt, verpassen die Lotts kein Heimspiel in der Halle Nord. „Wir wollten eigentlich nächstes Frühjahr in den Urlaub, aber das passt nicht in den Spielplan“, erzählt Vater Andreas.
In der Halle schaut Susan Lott dann nur auf ihre Tochter. „Ich habe ja von Handball nur wenig Ahnung“, sagt sie. Sitzt Lott mal auf der Bank, sind Susans Augen auf BSV-Torhüterin Lea Rühter gerichtet. Die gute Freundin von Annika Lott versteht sich auch mit dem Rest der Familie. Vater Andreas hat selbst „ein wenig Handball gespielt“, wie er sagt. Schon in der Jugend hat er versucht, seiner Tochter Tipps zu geben. Da hat sie noch in Henstedt-Ulzburg gespielt. Gefahren werden musste sie nie.
Dass Buxtehude so nah an ihrer Heimat liegt, war ein wichtiger Faktor für ihren Wechsel im Sommer. „Ich bin sehr froh, wieder näher an der Familie zu sein“, sagt Annika Lott. In den ersten Monaten war sie bei ihren Eltern zu Besuch, ihr Kinderzimmer hat sie noch immer im Haus der Familie. Ihr älterer Bruder Lennart und die ältere Schwester Carina wohnen ebenfalls rund um Hamburg. Auch zu ihnen ist das Verhältnis sehr innig. Beide waren mit ihren Kindern schon in der Halle Nord.
Weihnachten kommt die Großfamilie in Henstedt-Ulzburg zusammen. Das Fest läuft in der Familie Lott traditionell gleich ab: Im Wohnzimmer der Familie steht ein großer Tannenbaum, den die Familie am Tag vor Heiligabend gemeinsam schmückt. Vater Andreas steht tags drauf in der Küche und kocht ein Fünf-Gänge-Menü. „Die Küche ist mein Reich“, sagt er stolz. Für die Kleinsten, die Neffen und Nichten von Annika Lott kommt ein Weihnachtsmann vorbei. Später spielt die Familie Brett- oder Kartenspiele. „Wir sind eine Spielerfamilie“, sagt Annika Lott.
Abschalten kann Annika Lott über die Feiertage aber nicht. Bis Freitag trainiert der BSV und startet bereits am 25. Dezember wieder ins Training. Zwei Tage später steht das Spiel in Göppingen an. In der EM-Pause zog sich Lott einen Muskelfaserriss zu. „Aber alles gut“, sagt sie. Am 30. Dezember kommt dann ihr Ex-Club, Bayer Leverkusen, in die Halle Nord. Andreas und Susan Lott werden sicher dabei sein.
Wie erlebt ein Handball-Talent ihr erstes Jahr in der Bundesliga? Wie meistert sie ihren Alltag zwischen Sporthalle und Hörsaal? Das TAGEBLATT wird BSV-Handballerin Annika Lott (19) in loser Folge durch die Saison begleiten.