Babelturm aus Nägeln erhält Kunstpreis
Künstlerin Ulrike Anna Schwartz erhielt für ihren Babelturm den Preis des Kunstvereins Stade. Hinter ihr (von links) Vorsitzende Monika Bethmann, Beate Fiedler, Minke Havemann und Birgit Jaenicke. Foto Eidtmann
Ulrike Anna Schwartz aus Zernien im Wendland hat den vom Kunstverein Stade ausgelobten Wettbewerb „Hommage an Uecker“ gewonnen. Sie erhielt am Sonntagnachmittag den mit 500 Euro dotierten Preis für ihre Arbeit „Der Babelturm für Uecker“, eine fragile Etagenarbeit aus Nägeln und Acrylplatten.
Sie habe gerne teilgenommen, weil sie eine große Verehrerin von Günther Uecker sei, sagte die freischaffende Künstlerin, als ihr Vereinsvorsitzende Monika Bethmann die Urkunde überreichte. Uecker ist für Nagelbilder berühmt, deren Oberflächen sich im Zusammenspiel mit Licht und Schatten zu bewegen scheinen. Er schuf zudem Skulpturen, indem er Alltagsgegenstände mit Nägeln überzog.
Insgesamt hatten sich 18 Künstler aus Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg beteiligt. Jury-Sprecherin Dr. Beate Fiedler sprach von „vielen bemerkenswert guten und interessanten Arbeiten“. Alle Aussteller hatten sich mit dem Material Nagel wie auch mit den künstlerischen Mitteln des in Düsseldorf lebenden Malers und Bildhauers auseinandergesetzt.
Nach dem Schraubkunst-Wettbewerb des Kunstvereins vor einigen Jahren war es zum aktuellen Wettstreit durch die Sortimentsaufgabe der Firma Eisen Trabandt gekommen. Sie spendete die Nägel dem Kunstverein, der wollte dem „bedrohten Relikt“ ein angemessenes Refugium bieten.
Und so zierten in den vergangenen Wochen ganz unterschiedlich Arbeiten mit dem Material Nagel die Ausstellungsräume. Sie zu bewerten, war die Aufgabe der Jurymitglieder Dr. Beate Fiedler, Birgit Jaenicke und Minke Havemann. Wie Fiedler am Sonntag berichtete, hatte sich das Gremium recht schnell auf drei Werke konzentriert. In die engere Wahl für den Preis kam auch das Werk „Akebono“ von Horst Becker aus Sassnitz, bei dem es sich um ein Gesicht handelt, das sich ständig wandelt. Bei Diana Mercedes Alonso aus Bremen, die nur einen einzigen Nagel benutzte und ihn in einen Riss einer Wand einschlug, überzeugte der minimalistische Ansatz. Den Zuschlag erhielt dann aber der Babelturm von Ulrike Anna Schwartz aus dem Wendland. Für die Jury entscheidend: Je nach Standpunkt des Betrachters erscheint der Turm anders. Nägel rücken zusammen, wieder auseinander. Und was wäre, wenn einer entfernt würde? Wenn ein Teil aus dem Ganzen herausbräche? Eine Frage, eine Wahrnehmung – genau so arbeitet Uecker.