Bahnhof Buxtehude: Neue Fassade sorgt für Furore
Die farbliche Gestaltung des sanierten Gebäudeteils am Buxtehuder Bahnhof hatte für Diskussionen gesorgt. Foto: Stephan
Die Bahn hat ein Gebäude am Buxtehuder Bahnhof saniert. Das Bauwerk inmitten des Backstein-Ensembles wurde mit einer glatten Fassade ausgestattet und erstrahlt in hellem Beige. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis spricht von einem „freundlichen Anstrich“. Der Architekt ist erschrocken.
Keine Toiletten, keine Gastronomie, Uringestank, Ratten und vor allem keine Perspektive – für viele Buxtehuder ist der Bahnhof schlicht ein Ärgernis. Nachdem die Bahn jahrelang den Zerfall des Buxtehuder Bahnhofes mehr oder weniger tatenlos beobachtet hat, gibt es seit gut einem Jahr Bewegung. In der übernächsten Woche wollen sich alle Beteiligten treffen, um über die Situation und mögliche Sanierungskonzepte zu reden.
Es ist ein Ergebnis vom „Bahngipfel“, den das TAGEBLATT im Mai veranstaltet hatte. Unter anderem hatte die Stadt Buxtehude angeboten, das Gebäude zu übernehmen, auch eine Bürgerinitiative hat Vorschläge entwickelt. „Wir haben den Eindruck, dass sich bei der Bahn etwas tut“, sagt Ralf Dessel, Fachbereichsleiter der Stadt. Dass die Bahn alle Beteiligten zu einer ersten Gesprächs-Runde eingeladen hat, sei „ein gutes Zeichen“.
Weil Teile des historischen Ensembles abgängig waren, musste die Bahn reagieren und sanieren. Ein Ergebnis ist ein Mittelgebäude mit glatter Fassade und beiger Farbe, das vorwiegend Kopfschütteln bei den Pendlern auslöst. „Ich finde die Idee mit der unmöglichen Farbe gut, weil die Bahn damit zeigt, dass sie es nicht kann – weder auf der Schiene, noch am Bahnhof“, sagt beispielsweise Jürgen Maier mit bitterer Ironie.
Auch die vom TAGEBLATT befragten Experten sind sich weitgehend einig. Architekt John Basedahl: „Unglaublich. Ich bin mehr oder weniger erschrocken über die neue Fassadengestaltung. Die Fassade fügt sich leider nicht in die vorhandene Fassade des backsteingeprägten Bahnhofs ein.“ Sein Kollege Christoph Frenzel: „Ein historisches Gebäude auf diese Art zu sanieren, bedeutet eine Verletzung der Baukultur. Eine Kombination von Alt und Neu kann sehr reizvoll sein, hier ist der Versuch total fehlgeschlagen. Dieses neue Gebäude vermittelt zur „Verlassenheit“ nur noch „Trostlosigkeit“.
Professor Dr. Karsten Ley, Leiter des Studiengangs Architektur der Hochschule 21: „Die jetzige Instandsetzung des mittleren Traktes werte ich als Provisorium. Es bleibt zu wünschen, dass diese erste Maßnahme in näherer Zukunft in ein Gesamtkonzept überführt wird, das dem ganzen historischen Ensemble in seiner Fassadengestaltung, Materialität und Farbigkeit Rechnung trägt.“
Der Buxtehuder Malermeister Torben Schwarz: „Das sanierte Teilstück sieht aus wie ein Fremdkörper. Hier hätte man die Fassade lieber mit einem Klinkerriemchen im ähnlichen Aussehen wie dem Bestand bekleben und verfugen sollen. Kostet zwar mehr, ist aber auch lange nicht so anfällig gegen Vandalismus.“
„Äußerst unglücklich gemacht“, sagt auch Malermeister Marco Wittmaier. „Die neu geputzte Fassade fügt sich in keiner Weise in das Gesamtbild des Bahnhofes ein.“ Die Oberfläche sei nicht optimal gewählt, eine neue Fassade mit Riemchen/Klinker wäre besser gewesen. Auch der Farbton füge sich ebenfalls nicht in das Gesamtbild ein, hier hätte ein Grauton beziehungsweise ein mit der Klinkerfassade abgestimmter Farbton besser gepasst. Wittmaier: „Das Dachholz ist ebenfalls in dem Gelbton gestrichen, – auch das passt leider überhaupt nicht, hier sollte man den Bestandston der umliegenden Gebäude aufnehmen.“
Dass sich die beige Fassade demnächst verändern könnte, kündigte ein Jugendlicher an, der sich mit seinen Kumpels schon vor Ort umgesehen hat. Marco K. aus Buxtehude: „Ich freue mich, dass die Bahn so eine wunderbare Fläche zur Verfügung stellt, wir werden da künstlerisch tätig.“ Vermutlich mit Spraydosen.
DB Reisezentrum im Marktkauf-Center
Am kommenden Montag, 18. November, öffnet das DB Reisezentrum Buxtehude vorübergehend eine Verkaufsstelle im Marktkauf-Center Buxtehude in der Bahnhofstraße 47. In dieser Verkaufsstelle stehen Fahrgästen zwei Schalter zur Verfügung. Der Zugang ist barrierefrei und entsprechend ausgeschildert.
Die neuen Öffnungszeiten des Reisezentrums sind: Montag von 8 bis 17.30 Uhr, Dienstag bis Freitag von 8.15 bis 17.15 Uhr und Samstag von 8.30 bis 13 Uhr. Während dieser Zeiten stehen, so die Bahn, fachkundige Reiseberater zur persönlichen Beratung und zum Verkauf des gesamten DB-Angebots zur Verfügung.
Außerhalb der Öffnungszeiten können sich Reisende an DB-Automaten im Bereich des Bahnhofs informieren und Fahrkarten kaufen. Darüber hinaus haben Kunden die Möglichkeit Fahrkarten telefonisch über die Service-Hotline 01 80 / 6 99 66 33 zu bestellen sowie mobil im DB Navigator oder im Internet zu buchen: